Es gibt viel zu tun ;)

Die LBM ist nicht mehr fern und entsprechend aufgeregter werde ich von Tag. Ich freue mich riesig liebe Freunde zu  treffen, neue virtuelle Freundschaften endlich auch persönlich zu vertiefen und vor allem freue ich mich, weil ich soooo schöne Goodies für euch, meine Leser bestellt habe. Es wird kleine Weiterlesen

DIRTY DEAL Blood & Angel (Der Fire Devils MC 3)

1. Kapitel
»Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen.«
Arthur Schopenhauer

Red Velvet, Dreamtown
Blood

»Heilige Scheiße, Blood, muss das sein?«, brüllte Redneck angepisst, als ich die Tür zu einem der Zimmer aufriss und mitten in eine heiße Nummer platzte.
Ups, der Kerl steckte mit dem Kopf zwischen den Schenkeln einer rothaarigen Schönheit und sein Gesicht glänzte von ihrem Saft. »Ja, muss es«, antwortete ich ungerührt und blieb stehen, obwohl er versuchte, mich mit einer Handbewegung aus dem Zimmer zu scheuchen. »Es ist wichtig. Ich muss wissen, ob du Turbo gesehen hast! Und wenn ja, ob du weißt, wo er sich verdammt noch mal rumtreibt.«

Knurrend stand Redneck auf und drehte mir den Rücken zu. Während er in seine Hose schlüpfte, sagte er zu der Kleinen: »Ich komme darauf zurück, Süße. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.«
Das Mädchen zuckte mit den Schultern und sprang auf. Völlig ungeniert verließ sie, nackt, wie sie war, das Zimmer.
»Tut mir leid, Bro, aber Iron ist beunruhigt. Weißt du etwas über Turbo?«, fragte ich und verkniff mir ein Grinsen. Redneck stand total auf Rothaarige, auf echte, wohlgemerkt und fand mein Hereinplatzen gar nicht lustig.
»Bin ich sein Kindermädchen?«, gab mein Freund angepisst zurück.
Okay, ich hatte ihm seinen Fick vermasselt, aber es half nichts. Irgendetwas an der Sache mit Turbo war merkwürdig. Dass Trouble ebenfalls unauffindbar war, machte die Sache nicht besser.

»Du hängst doch ab und zu mit ihm rum, hätte ja sein können, dass du etwas weißt. Hat er vielleicht ein Mädchen?«
»Turbo? Nicht dass ich wüsste. Seit Neuestem scheint er sich ziemlich intensiv um den neuen Prospect zu kümmern.«
»Gonzo oder Trouble?«, fragte ich. Das war mir neu. Prospects waren immer willkommen, um Aufgaben zu erledigen, die man selbst nicht gerne übernahm, aber dass Turbo sich mit einem Anwärter besonders abgab, war bisher noch nie geschehen.
»Trouble«, antwortete Redneck und zog sich seine Kutte über.
Interessant. Der Kleine schob mehr Wache als nötig bei Meghan, Turbos Cousine, vielleicht kam daher diese neue ›dicke Freundschaft‹.
Bisher hatte unser Turbo für nichts anderes Interesse als Bikes. Der Schrauber lebte für die Werkstatt, die der Club betrieb, und machte seine Sache auch hervorragend. Die Einnahmen waren bereits wenige Wochen nach der Eröffnung nicht zu verachten und außerdem sehr willkommen. Gerade jetzt, wo die Vietnamesen herumzickten, weil die verdammten Ghosts versuchten, unsere Lieferungen abzufangen. Erst letzte Woche war es ihnen gelungen, einen Truck, der bis obenhin mit Ware gefüllt war, abzufackeln.
Iron hatte den richtigen Riecher gehabt, als er vorschlug das Devils Wheels – Costumbikes zu eröffnen.
Wenn jetzt allerdings der wichtigste Mann in der Werkstatt verschwunden war, hatten wir schon wieder ein Problem. Ganz zu schweigen davon, dass er ein Bruder war, der möglicherweise in Gefahr schwebte.
Redneck und ich gingen nebeneinander die Treppe hinunter und ich murmelte vor mich hin: »Komisch, weder ihn noch den Kleinen kann man telefonisch erreichen. Ob das mit der Sache zu tun hat, über die wir abgestimmt haben?«
»Schon möglich. Turbo war ganz heiß darauf, diesen Kartell-Boss zu treffen. Dass er überstimmt wurde, hat ihn hart getroffen. Aber der Prospect? Ich weiß nicht …«, gab Redneck zurück.
»Immer noch sauer, weil ich dich von der rothaarigen Muschi weggeholt habe?«, fragte ich und klopfte meinem Kumpel versöhnlich auf die Schulter.
Er brummte irgendetwas Unverständliches und steuerte auf die Bar zu, die im Eingangsbereich unseres Nobelpuffs lag. Delia, die Chefin des Hauses, nickte uns zu und stellte unaufgefordert einen Whiskey für Red und eine Coke für mich auf den Tresen. Sie wusste, dass ich dem Alkohol abgeschworen hatte. Die hübsche Blondine kannte uns Jungs genau und auch jede unserer Vorlieben. Heute zog sie einen Schmollmund.
»Danke, Delia«, sagte ich und nahm einen Schluck. »Was ist los? Warum so angepisst?«, fragte ich höflichkeitshalber.
Sie legte ihren Mörderbusen auf den Tresen und beugte sich zu mir herüber. Das winzige Oberteil, das sie trug, bedeckte gerade mal ihre Nippel.
»Sag mal, was ist mit Navy los? Hat vor zwei Tagen fluchtartig das Zimmer verlassen, gerade als ich ihm so richtig schön den Schwanz lutschen wollte. Bisher hat er sich nie so eine Gelegenheit entgehen lassen, aber diesmal sah er aus, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.«

»Schätzchen, ich fürchte, Navy ist für immer verloren.« Ich senkte die Stimme und sah sie feierlich an. »Er wird wohl nur noch einer Frau erlauben, seine Kronjuwelen zu kraulen. Runa … seiner Ol’ Lady«, ergänzte ich.
Ich hoffte, dass ich recht damit hatte und Navy mit Runa ins Reine kam. Sie war die erste Frau, der es gelungen war, sein versteinertes Herz zu berühren. Iron hatte ihn losgeschickt, damit er ihr endlich die ganze Wahrheit über den Einsatz erzählt, bei dem sein Waffenkamerad, ihr Bruder ums Leben kam. Der ehemalige SEAL war ein prima Kumpel, doch in letzter Zeit war er ziemlich neben der Spur gewesen. Nachdem er uns gegenüber damit herausgerückt hatte, was ihn all die Jahre so quälte, konnten auch alle verstehen, warum er letzte Woche so ausgetickt war.
Ich wünschte es dem Jungen von Herzen. Tatsache war, dass Frauen bessere Menschen aus uns Männern machten. Das beste Beispiel war unser Pres. Iron und Enya waren ein tolles Paar. Und es war nicht zu leugnen, dass sie ihn ein wenig gezähmt hatte.

Delia riss überrascht die Augen auf. »Wieder einer von euch Prachtexemplaren unter der Haube ‒ was für eine Verschwendung«, seufzte sie, nachdem sie sich wieder gefangen hatte.
»Ich bin noch frei«, zwinkerte ich ihr zu. »Allerdings nicht heute. Der Pres erwartet mich.«
Ich gab Red die Anweisung, dass er weiterhin versuchen sollte, Turbo oder Trouble zu erreichen, und schärfte ihm ein, seine restliche Dienstzeit im Empfangsbereich abzusitzen. Wenig später war ich unterwegs zu der Lagerhalle an der Interstate 4.

Angel
Ich hielt die Augen geschlossen und löste mich gedanklich von meinem Körper. Manchmal gelang es mir, das, was gerade mit mir geschah, völlig auszublenden.
Denn wenn ich überleben wollte, hatte ich keine andere Wahl. Der Versuch, an etwas Schönes zu denken, während fremde Männerhände meine Brüste kneteten, sodass mit Sicherheit blaue Flecke zurückblieben, hatte ich mir mühsam antrainiert. Das einzig Schöne in meinem Leben war meine süße, kleine Amy. Um ihr ein Leben in Armut zu ersparen, verkaufte ich meinen Körper. Es war gefährlich, dies in meiner eigenen Wohnung zu tun, während sie im Nebenzimmer schlief, doch ich hatte keine Wahl.
Amys Vater und ich hatten uns getrennt. Anfangs zahlte er noch Unterhalt für seine Tochter, bis die Zahlungen irgendwann ausblieben.
Viel später erfuhr ich, dass Ben einen tödlichen Autounfall gehabt hatte. Sein bester Freund hatte mir die Nachricht überbracht und hat betreten in meiner Wohnung gestanden, als ich weinend zusammenbrach.
Ich weinte nicht um meinen Ex. Ich vergoss die bitteren Tränen, weil mir bewusst wurde, dass ich nun ganz alleine dastand. Mein Job als Kassiererin wurde miserabel entlohnt, und wenn ich die Miete bezahlt hatte, blieb kaum etwas für uns beide übrig. Den Beitrag für die Kindertagesstätte, in der Amy während meiner Arbeitszeit untergebracht war, würde ich nicht mehr aufbringen können. Kurz: Das Geld ihres Erzeugers fehlte hinten und vorne! Unsere Wohnung war nicht viel größer als ein Rattenloch. Die Gegend war übel. Gewalt, Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Keine Nacht verging, ohne dass Polizeisirenen uns aus dem Schlaf rissen. Mir war klar, dass ich hier wegziehen und mein Leben umkrempeln musste.
Der erste Schritt war die Suche nach einer neuen Wohnung. Als alleinerziehende Mutter mit einem billigen Aushilfsjob hatte ich schlechte Chancen. Ich war so verzweifelt, dass ich etwas tat, was wohl der Einstieg in dieses Leben war. Ich prostituierte mich. Ein Job, den ich hasste, der aber unser Überleben sicherte.
Der Besitzer des Hauses in der Harlington Street machte keinen Hehl daraus, dass er bereit war, mir gegen gewisse Gefälligkeiten die Wohnung zu vermieten.
Es hatte mich einige schlaflose Nächte gekostet und schließlich ließ ich mich aus purer Verzweiflung darauf ein. Mit zusammengebissenen Zähnen, die Finger in die Bettlaken gekrallt, ertrug ich es, dass er sich grunzend auf mir austobte. Er schwitzte stark und stank schrecklich, aber zum Glück brauchte er nicht lange, um zu kommen.
Tagelang hatte ich mich schmutzig gefühlt, mich vor mir selbst geekelt und mir unter der Dusche die Haut wund geschrubbt.
Aber ich konnte mit meinem kleinen Mädchen in die neue Wohnung ziehen und sie aus diesem Drecksloch rausschaffen.

Mein Freier grunzte gerade laut, rieb sein Gesicht an meinen Brüsten und rammte mir immer wieder seinen Schwanz heftig zwischen die Schenkel. Als er kam, schlug er seine Zähne in meine rechte Brust. Es kümmerte ihn nicht im geringsten, dass ich laut aufschrie. Erst als seine pumpenden Hüftbewegungen nachließen, lockerte er seinen Biss und ließ von mir ab. Ich stieß ihn von mir herunter und spürte etwas Warmes, Feuchtes, als ich mit der Hand nach der schmerzenden Stelle tastete.
Meine Finger waren voll Blut.
Ich konnte ihn nicht rausschmeißen, er hatte noch nicht bezahlt, und wenn ich mich nicht vorsah, wäre die ganze Qual umsonst gewesen. Also machte ich gute Miene zum bösen Spiel und murmelte: »Entschuldige, ich muss mal …«
Der Kerl kam regelmäßig und ich war auf Stammkunden wie ihn angewiesen.
Im Bad tupfte ich mir vorsichtig mit einem Waschlappen das Blut ab und besah mir die Bisswunde. Dieses Arschloch hinterließ immer irgendwelche Male auf meinem Körper ‒ als wollte er mich kennzeichnen. Wie ich ihn hasste!
Der Biss schmerzte tierisch, hatte aber zum Glück aufgehört zu bluten. Hastig warf ich mir meinen seidenen Kimono über und verknotete ihn. Die Show war vorbei, er hatte bekommen, was er gebucht hatte und ich wollte ihn nicht auf irgendwelche weiteren Gedanken bringen, indem ich nackt aus dem Bad kam.
Gerade als ich die Tür öffnete, sah ich, wie er die Hand auf die Klinke zu Amys Kinderzimmertür legte.
Ich registrierte, dass er immer noch nackt und sein Geschlecht bereits wieder steif war.
Meine Kleine! Oh Gott, dieser Perverse war im Begriff das Kinderzimmer zu betreten …
»Du dreckiges Schwein. Verschwinde. Hau ab!«, kreischte ich und es war mir in dem Moment scheißegal, dass ich im Begriff war, einen guten Kunden zu verlieren. Mein Kind war tabu.

Der Gesichtsausdruck, mit dem er mich betrachtete, bescherte mir Gänsehaut am ganzen Körper. Seine Augen blickten gierig und ich erwartete fast, er würde zu sabbern beginnen.
»Stell dich nicht so an!«, antwortete er barsch. »Ich bin dein bester Kunde, und wenn deine Kleine mitmachen würde, wäre ich bereit, mehr zu bezahlen.«

»Nur über meine Leiche!«, rief ich und ging rückwärts zur Garderobe. In der obersten Schublade der Kommode lag eine Pistole. Ich war nicht so leichtsinnig, sie tagsüber dort aufzubewahren. Allerdings legte ich sie abends, wenn meine kleine Maus im Bett war, immer dort hinein, um mich schützen zu können, falls einer meiner Freier aufdringlich wurde.
Hektisch fummelte ich nach dem Knauf und zog die Lade auf. Der Typ drückte die Klinke hinunter und machte die Tür einen Spalt auf. Sein Atem ging heftig und ich tastete verzweifelt nach der Waffe, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
Das Magazin war voll. Ich entsicherte und zog den Schlitten zurück, um eine Patrone in das Patronenlager zu repetieren. Als ich den Pistolengriff mit beiden Händen fest umklammerte und auf ihn zielte, zitterte ich wie Espenlaub.
»Verschwinde! Sofort«, sagte ich mit so viel Autorität, wie ich aufbringen konnte.
Er drehte sich zu mir um, und als er die Waffe in meiner Hand sah, erstarrte er.
»He, was soll das?«, fragte er unsicher und ich konnte ihm förmlich ansehen, dass er abwog, ob ich tatsächlich auf ihn schießen würde oder nur bluffte.
»Ich schieße wirklich«, sagte ich mit fester Stimme und beantwortete damit seine unausgesprochene Frage. Ich hatte keine Angst um mich. Seit zwei Jahren machte ich diesen Job und hatte gelernt, dass die Männer, die mich aufsuchten, selten gefährlich waren. Sie wollten ihre Bedürfnisse befriedigen und bekamen bei mir, was sie brauchten. Einst war ich eine unbekümmerte junge Frau gewesen. Jetzt war ich eine Nutte, die ihrem Geschäft professionell nachging. Doch wenn meine Tochter in Gefahr war, würde ich nicht zögern.

Endlich hob er die Hände hoch und versuchte, beschwichtigend zu lächeln.
»Los, zieh dich an! Schnell! Und dann verschwindest du«, forderte ich.
Anscheinend hing er an seinem Leben, denn er holte hastig seine Klamotten aus dem Schlafzimmer und stieg eilig in seine Hose. Ich ließ ihn nicht aus den Augen und hielt die Pistole nach wie vor auf ihn gerichtet.
Zum Glück konnte er nicht wissen, dass ich eine miserable Schützin war. Als ich mir die Glock 26 gekauft hatte, war mir wichtig, dass sie in meine Handtasche passte, leicht zu handhaben war und vor allem günstig. Auf Anraten des Mannes im Waffenladen hatte ich mir die handtaschentaugliche 9 mm ›Baby Glock‹ zugelegt und war dann auf einem Schießstand gewesen und hatte einige Schüsse abgefeuert. Das Fazit war: Ich hatte nicht einen gezielten tödlichen Treffer auf die Zielscheibe, die die Umrisse eines Mannes zeigte, abgegeben. Mein Standnachbar kommentierte meine Schießübungen trocken: »Nun ja, wenigstens haben Sie ihn einmal am Knie und einmal in den Arm getroffen. Um jemanden in die Flucht zu schlagen, reicht das völlig aus.«

Endlich verließ er fluchtartig die Wohnung. Bevor er die Tür hinter sich zuzog, zischte er: »Leg dich nicht mit mir an. Wage es nicht. Du weißt hoffentlich noch, was ich für eine Macht habe!«
Ich vergewisserte mich, dass er tatsächlich die Treppe hinunterging, legte den Sicherheitsriegel vor und brach in Tränen aus. Dann lehnte ich mich gegen die Wand und rutschte langsam daran herunter. Schließlich saß ich auf dem Boden und hielt die Pistole immer noch fest umklammert. Er war kein Mann, dem man drohen konnte, im Gegenteil …

*Freude, Freude*

Hier verlinke ich mal zwei tolle Rezensionen zweier Bloggerinnen, die mir den Tag versüßt haben. Übrigens gibt es zu LONE RIDER demnächst eine Blogtour mit vielen Infos und tollen Gewinnen 🙂
Seht mal, was Katrin zu Navy & Runa schreibt:
http://katrinslesewelt.blogspot.de/2016/07/hunt-susan-b-lone-rider-navy-runa-der.html

Und hier Julias Meinung zu Teil 2 der Fire DEvils MC – Serie:
http://books-mylife15.blogspot.de/2016/07/lone-rider-navy-und-runa-susan-b-hunt.html

Vielen Dank auch an alle, die LONE RIDER bisher schon einige Sterne geschenkt haben. Ihr seid die Besten ❤

Alles von Susan B. Hunt.

Liebe, die nicht nach Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht fragt.
Liebe, die ihren Weg findet.
Liebe, die alles erträgt.
Liebe, die stark macht.

Obwohl durchaus actiongeladen, manchmal grausam und voller Hindernisse – bei mir findet die Liebe immer ihren Weg. In jedem meiner Bücher geht es darum. Um dieses starke Gefühl, das uns himmelhoch jauchzen lässt oder zu Tode betrübt. Das aus Freunden Feinde macht, oder aus Fremden Liebende.

Für alle, die auf der Suche nach Lesestoff sind.

LONE RIDER Navy & Runa

Wohnwagenpark, Golden Sunset
Navy

Es war schon dunkel, als ich endlich den Wohnwagenpark erreichte. Auf diesem Gelände lebte ich seit gut einem Jahr. Die weitläufige Anlage mit dem malerisch klingenden Namen Golden Sunset war in Wahrheit ein heruntergewirtschafteter Platz an einem kleinen dreckigen See. Möglicherweise konnte man sogar den einen oder anderen goldenen Sonnenuntergang beobachten, wenn man abends auf dem Bootssteg saß. Ich hatte keine Ahnung, denn ich kam fast ausschließlich zum Schlafen her. Der alte Airstream, ein Trailer, der wie ein Relikt aus der Vergangenheit aussah, beherbergte mein gesamtes Hab und Gut. Ich hatte ihn von einem Händler günstig übernommen und mithilfe der Jungs des MCs ausgebaut. Meine Harley konnte ich direkt vor der Tür abstellen. Im dicken Bauch meines Heimes gab es ein Bett, eine Sitzecke und eine kleine Kochgelegenheit. Die Nasszelle hatte einen Warmwasseranschluss und mehr brauchte ich nicht.
Nachdem ich das rostige Tor, das niemals geschlossen war, passiert hatte, fuhr ich Schritttempo. Hier lebten viele Familien und im Dunklen musste man aufpassen, dass einem nicht eines der Kinder vor die Räder lief. Das Gelände war miserabel beleuchtet und immer wieder fielen einige der wenigen Laternen aus.
Auch wenn der Park etwas außerhalb von Dreamtown lag, war es hier nie wirklich still. Meine Nachbarschaft bestand überwiegend aus sozial Schwachen, Arbeitslosen und Alkoholikern, die sich sonst nirgends eine Wohnung leisten konnten. Einige Handwerker, die nur für eine Saison blieben, bildeten die Ausnahme.
Irgendwo plärrte ein Säugling, rechts von mir brüllte ein Mann und die beiden Hippies mit den bunten Blümchen an ihrem Anhänger, ließen wieder einmal alle an ihrem Liebesleben teilhaben. Das Gestöhnte und Geächze war nicht zu überhören und übertönte sogar das Motorgeräusch meines Bikes. Es war ein warmer Herbstabend und einige Nachbarn saßen noch draußen. Doch genauso gleichgültig, wie sie die Geräusche der Kopulierenden hinnahmen, waren sie auch mir gegenüber, wenn ich auf meiner Harley oft mitten in der Nacht ankam.
Niemand interessierte, wer ich war, was ich tat und wann ich ging oder nach Hause kam. Das war gut so.

Mit meinen Gedanken war ich noch im Clubhaus. In der heutigen Church waren ein paar geschäftliche Dinge angesprochen worden, aber das Thema, das uns alle fortwährend beschäftigte, war die Bedrohung durch den MC aus South Bay. Erstaunlicherweise hatten die Ghosts sich bisher sehr zurückgehalten. Die Beerdigung unseres Prospects war gerade einmal drei Monate her, aber die Drohung, die sie ausgesprochen hatten, war nicht vergessen.
Kaum zu glauben, was sich seitdem alles verändert hatte. Unser President, Jeremy Iron, von allen nur Iron genannt, war übervorsichtig und einer von uns musste stets seine Ol’ Lady begleiten. Ich grinste, als ich an die kleine irische Anwältin dachte. Sie hatte sich schnell an das Leben mit den Devils gewöhnt und war außerdem eine großartige Hilfe, wenn es um Rechtsfragen ging. Iron liebte sie von Herzen und wir alle gönnten es ihm. Aus dem Womanizer, dem Rockstar unter den Bikern, war ein treuer Mann geworden, der nur noch Augen für sein Mädchen hatte.
Ich stellte die Maschine ab und betrat mein Zuhause auf Rädern.
Die Pistole legte ich wie immer griffbereit auf das Tischchen der winzigen Sitzecke. Das Messer, das ich ständig an meinem Gürtel trug, blieb in der Scheide stecken. Ohne fühlte ich mich nackt.
Mit einem Stöhnen knallte ich mich auf das Bett, schaltete den Fernseher ein und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

Hitze empfing mich. Die Art von Hitze, die einen glauben ließ, die Welt war ein Backofen, und sobald man Luft holte, bahnte sich Feuer einen Weg in die Lungen. Das Marschgepäck auf meinem Rücken drohte mich in die Knie zu zwingen und meine Armmuskeln brannten. Ich trug das Scharfschützengewehr, meinen ständigen Begleiter, vor mir her. Unsere Einheit war am Limit angekommen. Wir mussten dringend Rast machen. Unweit hörten wir eine Detonation, dann Maschinengewehrsalven und zwischendrin immer wieder die Schreie verwundeter Männer. Es war dunkel. Eine mondlose Nacht, die nur von den Mündungsfeuern vor uns erhellt wurde.
Wir waren in der Hölle gelandet. In einem Krieg, der schon vielen unserer Kameraden das Leben gekostet hatte. Seit Monaten waren wir im Irak stationiert und jeder Einsatz war ein Tanz mit dem Tod. Als US Navy SEALs waren wir für solche Dinge ausgebildet worden. Extremsten Bedingungen ausgesetzt und doch zu funktionieren, das hatte man uns eingebläut. Wieder und wieder an unsere Grenzen getrieben, mussten wir lernen in großer Hitze, schneidender Kälte oder dünner Bergluft die richtigen Entscheidungen zu treffen und Befehle auszuführen. Es gab nichts, was wir nicht trainiert hatten, inklusive einer etwaigen Gefangennahme oder Folter durch den Feind.
Wir alle waren Präzisionsschützen und der Umgang mit unseren Scharfschützengewehren war für uns genauso normal, wie es für einen Banker war, Geld zu zählen. Wir schliefen mit ihnen im Arm ein und trugen sie ständig bei uns. Unsere Waffen waren keine Gegenstände, sie waren die Verlängerung unserer Arme.

Plötzlich befand ich mich auf dem Dach eines Hauses. Ich kniete auf dem Boden und hielt meinen sterbenden Kameraden in den Armen. »Luke. NEIN!«

Laute Musik katapultierte mich aus der Wüste des Iraks direkt in die Wirklichkeit zurück. Minutenlang lag ich mit aufgerissenen Augen und klopfendem Herzen auf meinem Bett und versuchte, klar im Kopf zu werden.
Ein Albtraum.
Wieder einmal schweißgebadet aufgewacht.
Fast jede Nacht kehrte ich im Traum an diesen schrecklichen Ort zurück. So sehr ich das Erlebte tagsüber auch verdrängte, ich konnte nicht davor fliehen. Sobald ich die Augen schloss, war ich mittendrin in der Hölle.
Im Krieg.
Gedankenverloren rieb ich über die Narbe an meinem Schädel. Die Verletzung hatte mir fast das Leben gekostet und eine hässliche Zickzacknarbe war zurückgeblieben. Da ich mein Haar sehr kurz geschoren trug, genauso wie während meiner aktiven Zeit bei den Navy SEALs, war sie für jedermann gut zu sehen. Vor allem für mich, wenn ich in den Spiegel sah. Ich hatte überlebt.
Stirnrunzelnd versuchte ich einzuschätzen, wie spät es war. Der Krach, der mich geweckt hatte, kam von der Assi-Familie, die mir gegenüber wohnte. Ihr Trailer war versifft und heruntergekommen. Der Typ verprügelte seine Frau regelmäßig und ebenso regelmäßig vögelte er sie auch lautstark. Es sollte ja Menschen geben, die so etwas brauchten. ›Pack schlägt sich, Pack verträgt sich‹, diesen Spruch hatte ich in meiner Kindheit oft gehört. Mein Vater sagte das immer und in diesem Fall hatte er wohl recht.

Endlich normalisierte sich mein Herzschlag und ich setzte mich auf. Um mich herum war es dunkel, nur das schwache Licht einer der Laternen, die die Wege des Wohnwagenparkes beleuchteten, drang zu mir herein.
Wo waren meine Zigaretten?
Ich brauchte dringen ein paar Züge.
Tief inhalierte ich das Nikotin, nachdem ich die zerknautschte Packung neben mir gefunden und mir einen Glimmstängel angesteckt hatte.
Endlich wurde der Krach von nebenan leiser, nur um kurz darauf, von lautem Gestöhne abgelöst zu werden.
Versöhnungssex musste was Tolles sein, dachte ich. Wahrscheinlich provozierte die Alte ihren Macker nur deshalb, damit er es ihr danach so richtig besorgte.

Ein ganz besonderer Tag

Heute ist der 29. Februar. Das ist ein ganz besonderer Tag. Und zwar deshalb, weil es ihn nur alle vier Jahre gibt.
Wenn ihr mich fragt, ist das schon komisch. Ein Tag, der nächstes Jahr einfach nicht auf dem Kalender steht. Und übernächstes auch nicht. Erst wieder in vier Jahren … Was haben sich die Verantwortlichen eigentlich dabei gedacht? Und wer ist dafür verantwortlich?
Was macht den jemand, der am 29. Februar geboren ist? Also dieses Jahr kann er es ja richtig krachen lassen und feiern. Aber 2017???
Ich bin zwar ein Februarkind, aber darüber habe ich mir ehrlich gesagt nie Gedanken gemacht …
Was würde ich tun?
Was würdet ihr tun, wenn keine Schaltjahr ist?
Ich glaube ich würde trotzdem irgendwie feiern. Zwischen 28.02. und 01.03 um Mitternacht eine Geburtstagskerze anzünden und mich ganz kurz, für wenige Sekunden wie ein Geburtstagskind fühlen vielleicht 😉

Nun heute kann ich allen Geburtstagskindern und Bücherliebhabern etwas Tolles anbieten ❤

Blogtour(61)

Auf *REALBOOKSNEVERDIE* startet die Blogtour zu HOT WHEELS Iron & Enya. Hier erfahrt ihr mehr über den Auftakt meiner neuen Serie mit dem Fire Devils MC und könnt außerdem etwas gewinnen. Einfach unten auf den Link  klicken, Frage beantworten und ein Los sammeln. Bis 06. März gibt es täglich tolle Beitrage und die Möglichkeit Lose zu sammeln.
Ich wünsche allen Geburtstagskindern einen tollen Tag und HAPPY BIRTHDAY und viel Glück beim Gewinnspiel. Allen Nicht-Geburtstagskindern natürlich auch viel Glück beim mitmachen 🙂

Blogtour Hot Wheels – Buchvorstellung

Leseprobe „Hot Wheels Iron & Enya“

South Bay, Clubhaus der Ghosts
Big Bob saß in seinem Lieblingssessel, zu seinen Füßen die süße Gina. Während er mit Sheriff Abraham Tanner telefonierte, versuchte die Kleine ihm einen zu blasen. Sie musste sich gehörig anstrengen, denn sein Alkoholpegel war schon ziemlich hoch, auch wenn es noch Vormittag war.
»Hah …«, er schlug sich auf die Schenkel und Gina zuckte nervös zurück. »Hab ich gesagt, dass du aufhören sollst?«, knurrte er. »Ach scheiß drauf, ich muss die Neuigkeiten meinen Jungs erzählen. Du bist fürs Erste entlassen!« Er stieß das Mädchen grob von sich, kämpfte sich aus dem Sessel, verstaute seinen halbsteifen Schwanz und knöpfte seine Hose zu.
»Jimbo!«, brüllte er.
Gleich darauf waren eilige Schritte zu hören.
Als der Gerufene eintrat, hatte Gina sich bereits verzogen und der bullige Puerto Ricaner mit den Pockennarben im Gesicht fragte: »Was ist los, Pres? Brennt es irgendwo?«
Big Bob lachte schallend. »Kann man so sagen, Bro. Unser Plan ist aufgegangen. Eben hatte ich ein Gespräch mit dem Sheriff. Purple wurde verhaftet. Und rate mal, was er in der Tasche hatte?« Er wartete gar nicht erst darauf, dass sein Sergeant at Arms antwortete, sondern beantwortete seine Frage gleich selbst. »Chrystal, Koks und Marihuana!«
»Ich wusste, dass es klappt. Der Kerl ist dumm wie Stroh«, triumphierte Jimbo. »Was soll jetzt mit der Kleinen geschehen? Lassen wir sie laufen?«
Er meinte das Mädchen, das im Keller des Clubhauses gefesselt auf einer Pritsche lag. Purples kleine Schwester Meghan. Wahrscheinlich war ihrer Mutter noch nicht einmal aufgefallen, dass sie gestern nicht nach Hause gekommen war. Die Alte war hochgradige Alkoholikerin und hatte ihren Verstand schon lange versoffen. Die Ghosts hatten Purple klargemacht, dass nur ein Verrat an seinem Club die Kleine retten konnte. Mit dem Versprechen, dass er, wenn er kooperierte, mit einer Bewährungsstrafe davonkam und nicht in den Knast musste. Der rotgesichtige Prospect der Fire Devils stand kurz vor seiner Aufnahme zum Fullmember. Dennoch blieb ihm keine Wahl. Er liebte seine Schwester und würde alles tun, damit ihr nichts geschah. Wenn er seinen Club um Hilfe bat, würde Meghan sterben. Das konnte er nicht riskieren.
Gezwungenermaßen hatte er sich auf den Deal eingelassen. Die Menge an Drogen, die ihm die Ghosts dafür zugesteckt hatten, würde ausreichen, um ihn für eine ganze Weile wegzusperren, aber das musste er ja nicht wissen. Big Bob hatte kein persönliches Interesse daran, eine Haftverschonung mit dem Sheriff für Purple auszuhandeln …
Der Pres schüttelte den Kopf. »Wir können sie nicht gehen lassen, sobald er erfährt, dass sie frei ist, widerruft er seine Aussage. Sie bleibt, wo sie ist. Vorerst.«
»Aber, Pres, für morgen ist doch die große Party geplant. Die Devils werden auch hier sein.«
Big Bob zuckte mit den Schultern. »Na und? Sorge einfach dafür, dass die Kleine unter Verschluss bleibt und lass uns morgen anständig mit den Jungs feiern, bevor sie in den Knast wandern … schließlich sind wir alte Freunde«, erwiderte er mit einem höhnischen Lachen.

Iron
Schon bevor ich die Tür zum Clubhaus aufstieß, empfing mich ohrenbetäubender Lärm.
Welcher beknackte Irre hatte die Musik dermaßen laut aufgedreht, dass garantiert in ein paar Minuten die Cops auftauchen würden?
Es war düster drinnen. Die heruntergelassenen Rollläden stellten mein Sehvermögen vor eine Herausforderung. Ich musste blinzeln und tastete suchend nach dem Lichtschalter. Wenig später hatte ich ihn gefunden und der Clubraum wurde hell erleuchtet. Zusätzlich zu dröhnendem Bass und aggressiven Gitarrenriffs irgendeiner Rockgruppe schlugen mir dicke Rauchschwaden entgegen. Ich wedelte mit der Hand vor meinem Gesicht und durchquerte das Zimmer. Die Tür zur Church, unserem Versammlungsraum, war nur angelehnt. Ich stieß mit dem Fuß dagegen und sie schwang auf.
»Seid ihr komplett verrückt, oder was?«, versuchte ich gegen den Krach aus der Stereoanlage anzubrüllen.
Plötzlich wurde es hektisch.
Ich sah, wie Ragnar hastig seine Lederhose hochzog, und der Tussie, die mit gespreizten Beinen vor ihm auf dem Tisch lag, einen Klaps auf die Schenkel gab.
Aha, ein Schäferstündchen! Wieder Willen musste ich grinsen. Ragnar packte die Wasserstoffblondine am Arm.
»Los, verschwinde. Der Pres ist da!«
Die Kleine zog einen Schmollmund, zerrte aber hastig ihren Rock herunter und zupfte ihr T-Shirt über die aufgepumpten XXL-Titten. Dann schnappte sie sich ihre Tasche und drängte sich an mir vorbei.
Endlich fanden Ragnars Hände auch den Knopf, der die Lautstärke auf ein erträgliches Maß regelte und ich tippte auf den Lichtschalter, der nun auch die Church in grelles Licht tauchte. Geblendet kniff mein Kumpel die Augen zusammen.
»Wo hast du denn die aufgegabelt?«, fragte ich und ließ mich auf den nächsten Sessel fallen.
Statt einer Antwort hielt er mir eine Schachtel Zigaretten hin. Ein Friedensangebot, denn eigentlich waren Frauen in diesem Teil des Clubhauses nicht erlaubt.
Ich winkte ab und holte meine eigene Packung Mentholzigaretten aus der Lederjacke. Wenn schon Nikotin, dann mit Geschmack.
Während ich Kringel in die Luft blies, wartete ich immer noch auf eine Antwort. Auch wenn er mein bester Freund war und eines der Gründungsmitglieder des MCs. Regeln sind Regeln.
Ragnar druckste herum und rutschte auf seinem Stuhl hin und her. Mein Blick nagelte ihn fest. Ich konnte mir gut vorstellen, wie unangenehm der Ständer in seiner engen Lederhose war, hatte aber nicht vor, ihn zu entlassen, damit er sich selbst Erleichterung verschaffen konnte.
Endlich machte er den Mund auf. »Sorry, Pres, ich hatte echt so nen Druck und die Kleine hat sich an mich gehängt wie eine Klette … ich konnte nicht anders.« Ragnar zuckte entschuldigend mit den Schultern und sah mich an.
Erwartete er Absolution?
Ich zögerte, dann nickte ich und zog an meiner Zigarette. Zwischen zwei Zügen erteilte ich sie ihm. »Okay, Schwamm drüber. Ich habe nichts gesehen.«
Sofort erhellte sich sein Gesichtsausdruck und er grinste mich dankbar an. »Kommt nicht wieder vor, Iron.«
Damit war das Thema erledigt.
Eigentlich hatte ich auch größere Sorgen, als ein vollwertiges Mitglied des MCs zu maßregeln. Ich schnippte die Kippe in den Aschenbecher, der beinahe überquoll, und kam zur Sache.
»Ragnar, ich bekam eben einen Anruf. Meine sichere Quelle hat mir verraten, dass einer unserer Prospects, Purple, festgenommen wurde.«
»Fuck!«, Ragnar sprang auf. »Was hat der Idiot angestellt?«
»Mit Marihuana und Koks gedealt. Mehr weiß ich noch nicht«, antwortete ich und fuhr mir durchs Haar. Bei Purple hatte ich von Anfang an ein schlechtes Gefühl. Der Kerl hatte seinen Namen aufgrund seiner ungesunden Gesichtsfarbe bekommen. Egal ob er besoffen oder nüchtern war, sein Gesicht war immer purpurrot. Wir hatten ihn im letzten Jahr als Prospect aufgenommen, weil sein Cousin, Turbo, sich für ihn verbürgt hatte.
Motorradclubs genossen eben einen schlechten Ruf. Egal ob man saubere Geschäfte machte, oder nicht. Trug man eine Kutte, steckten einen die Menschen sofort in die kriminelle Ecke. Der Bürgermeister der Stadt würde uns gerne ins Knie ficken und die Bullen machten sich einen Spaß daraus, unsere Bikes zu kontrollieren, wann immer sie einen von uns antrafen. Meistens war alles in Ordnung, es war reine Schikane und sollte uns wohl zeigen, dass sie uns im Auge hatten. Sheriff Abraham Tanner war mit mir zur Schule gegangen. Ein unscheinbarer Typ, der nie besonders auffiel und auch nicht zu meinen Freunden gehörte. Ich hatte keine Ahnung, warum er mich so hasste.
Die Festnahme eines, wenn auch noch nicht vollwertigen Members, war ein gefundenes Fressen für ihn. Mit Druck und leeren Versprechungen über Straffreiheit würde er versuchen, unseren Prospect kleinzukriegen. Bei jedem anderen Clubmitglied machte ich mir da keine Sorgen, bei Purple jedoch würde ich nicht wetten wollen. Der MC war wie eine große Familie, in die man erst aufgenommen wurde, wenn man sich ihrer würdig erwies. Loyalität und vor allem Verschwiegenheit waren Grundvoraussetzungen dafür, ein Colour tragen zu dürfen.
»Was schlägst du vor, Iron?«, fragte Ragnar und das Problem in seiner Hose schien vergessen.
»Turbo soll sich darum kümmern, schließlich gehört der Junge zu seiner Familie. Allerdings bin ich dagegen, dass wir unseren Anwalt einschalten. Ist ja keine Clubsache. Der Kerl muss selbst sehen, wie er aus der Sache rauskommt.«
Mein Freund nickte. »Sollte Purple allerdings eine daraus machen, müssen wir abstimmen«, warf er ein.
»Ich hoffe nicht, dass der Kleine so dumm ist und versucht, den MC da mit reinzuziehen«, antwortete ich. Sicher war ich mir allerdings nicht. Typen wie Purple hatten kein Rückgrat. Wahrscheinlich konnte er gar nichts dafür.
Seine Mutter war schon Alkoholikerin gewesen, als sie ihn geboren hatte. Und jeder wusste, dass sie seitdem keinen Tag nüchtern gewesen war. Voll bis oben hin mit billigem Fussel hatte sie Purple mehr schlecht als recht aufgezogen. Meist war er sich selbst überlassen. Sein Vater hatte sich schon vor Jahren vom Acker gemacht, weil er den Anblick der zugesoffenen Alten nicht mehr ertragen konnte. Traurige Familiengeschichte. Vielleicht auch einer der Gründe, warum wir ihn zur Probe im MC aufgenommen hatten. Sollte es jetzt allerdings Ärger geben, würde Turbo seinem Cousin auch nicht mehr helfen können.
Fred Kosinski, unser Anwalt hatte uns schon mehrmals aus der Patsche geholfen und würde es zur Not auch diesmal tun. Der Typ war gut, aber das wusste er auch und ließ sich seine Arbeit teuer bezahlen.
Ragnar starrte vor sich hin.
»He, Bruder, warten wir es erst mal ab. Vielleicht ist alles halb so schlimm«, versuchte ich ihn zu beruhigen, obwohl ich selbst nicht daran glaubte. Der Chief ließ keine Gelegenheit aus, uns ans Bein zu pinkeln. Am liebsten würde er das Clubhaus räumen lassen, doch daran würde er sich die Zähne ausbeißen. Ich hatte es einem Kunden abgekauft, der nach Frankreich auswandern wollte. Alles vollkommen legal. Ich musste grinsen. Es war von Vorteil, wenn man ein erfolgreicher Immobilienmakler war. Tagsüber, wenn ich meinem Brotjob nachging, kam niemand auf die Idee, dass ich President der Fire Devils war. Immer korrekt gekleidet und absolut seriös.
Sobald ich jedoch nach Hause kam, schleuderte ich die teueren italienischen Schuhe in die Ecke und zerrte mir die maßgeschneiderten Anzüge vom Leib. In Lederhosen oder einfachen Jeans, T-Shirt und Kutte fühlte ich mich sofort wie ein anderer Mensch. Genau genommen war ich es dann auch. Der Duft des Leders, das Röhren meiner Harley und der Wind in meinem Gesicht, das war meine Welt. Die andere – in der ich Geschäftskunden Honig ums Maul schmieren oder wohlhabende, vom Schönheitschirurgen aufgepimpte Frauen abwimmeln muss – war ein notwendiges Übel.
Ragnar war nicht nur meine rechte Hand im MC, sondern gehörte zu meinen besten Freunden. Ich liebte ihn wie einen Bruder, auch wenn er ziemlich chaotisch sein konnte. Sein Wikingertick nervte manchmal. Zugegeben; er könnte als einer durchgehen. Die Art, wie er sein Haar trug, erinnerte sehr an die Bilder, die man aus diversen Abenteuerfilmen kannte. Seiten glatt rasiert, Oberkopf lang und zu einem prächtigen Zopf gebunden. Dazu das Ziegenbärtchen und schon war die Maskerade des furchtlosen Nordmannes perfekt. Naja, eines musste man ihm lassen. Er war tatsächlich ein mutiger Kerl. Wenn es brenzlig wurde, wünschte man sich Ragnar an seiner Seite. Mit seinem Messer, ohne das er nie das Haus verließ, konnte er umgehen wie kein Zweiter und er scheute sich nicht, es einzusetzen.
Ich vertraute ihm vollkommen und wusste, dass es umgekehrt genauso war. Er, mein Sergeant at Arms, und Blood, mein Vize, waren die beiden Menschen, denen ich vollkommen gelassen mein Leben anvertrauen würde.
Als hätte ich ihn gerufen, erklang das unverkennbare Röhren einer Harley. Wenig später wurde die Tür zum Clubhaus aufgestoßen und ein Bulle von einem Mann füllte den Türrahmen aus.
»Schon gehört?«, fragt er, bevor er über die Türschwelle trat, und erntete ein synchrones Nicken. Sein Gesichtsausdruck ließ nicht darauf schließen, was er von der Sache hielt. Aber er wusste Bescheid.
Mit großen Schritten kam er an den Tisch und ließ sich aufs Sofa fallen. Das Teil ächzte unter seinem Gewicht und ich verkniff mir eine Bemerkung. Irgendwann würde es unter ihm zusammenkrachen. Es war nur eine Frage der Zeit, aber so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Blood, der seinen Namen wegen seines erlernten Berufes als Metzger bekommen hatte, brachte an die zweihundertvierzig Pfund auf die Waage, ohne fett zu sein. Der ganze Kerl schien nur aus puren Muskeln zu bestehen. Tätowierungen zogen sich über seine beiden Arme, seine Brust und den gesamten Rücken bis hinauf zu seinem Stiernacken. Blood liebte japanische Tattoos. Ich war mir sicher, er würde erst aufhören, seinen Körper verzieren zu lassen, wenn der letzte Quadratzentimeter seines Körpers bunt war. Ehrlicherweise musste man sagen, dass Meister Hashito ihm richtige Kunstwerke unter die Haut gestochen hatte. Der alte Japaner war der Einzige, der das durfte. Nicht einmal unserem clubeigenen Tätowierer, Run, von den Nomads, erlaubte er Hand anzulegen.
Ich sah mir meine beiden besten Freunde und engsten Vertrauten an und bemerkte einmal wieder, wie unterschiedlich sie waren. Doch ohne sie wäre der MC nicht das, was er war, und ich wohl ziemlich am Arsch.
Als einziger Sohn eines gut betuchten amerikanischen Spießers und einer wunderschönen irischen Mutter hatte ich im Gegensatz zu meinen Kumpels eine behütete Kindheit gehabt. Auch wenn mein Vater ein Arschloch war, Mum war ein Engel gewesen und hatte die Familie zusammengehalten. Sie starb vor fünf Jahren an Krebs. In meinen Armen! Der Alte war nicht da. Gesellschaftliche Verpflichtungen …
Nach ihrem Tod gab es nur noch Zoff zwischen meinem Vater und mir.
Meine Rolle im Club war ihm immer ein Dorn im Auge. Zuerst nannte er es jugendliche Spinnerei, später beschimpfte er mich und meine Brüder als asozial und kriminell. Immer öfter betonte er, dass ich meine provokante Haltung unmöglich von ihm geerbt haben konnte. Mit anderen Worten: Er war sich gar nicht sicher, ob ich sein leiblicher Sohn war.
Mich machte es deshalb so wütend, weil er meiner Mutter damit unterstellte, dass sie ihn betrogen haben könnte. Allerdings deutete er diese Dinge erst nach ihrem Tod an und konnte sie damit nicht mehr verletzen.
Nach einem heftigen Streit packte ich meine Sachen und zog aus. Mein Alter ließ durchblicken, dass ich für ihn gestorben war, da der Club seinem Ansehen schaden würde.
Ich fühlte mich endlich frei, nachdem ich diesen heuchlerischen kleinkarierten Spießer aus meinem Leben gestrichen hatte, und war froh, dass Mum das nicht mehr erleben musste.