Alles von Susan B. Hunt.

Liebe, die nicht nach Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht fragt.
Liebe, die ihren Weg findet.
Liebe, die alles erträgt.
Liebe, die stark macht.

Obwohl durchaus actiongeladen, manchmal grausam und voller Hindernisse – bei mir findet die Liebe immer ihren Weg. In jedem meiner Bücher geht es darum. Um dieses starke Gefühl, das uns himmelhoch jauchzen lässt oder zu Tode betrübt. Das aus Freunden Feinde macht, oder aus Fremden Liebende.

Für alle, die auf der Suche nach Lesestoff sind.

Werbeanzeigen

LONE RIDER Navy & Runa

Wohnwagenpark, Golden Sunset
Navy

Es war schon dunkel, als ich endlich den Wohnwagenpark erreichte. Auf diesem Gelände lebte ich seit gut einem Jahr. Die weitläufige Anlage mit dem malerisch klingenden Namen Golden Sunset war in Wahrheit ein heruntergewirtschafteter Platz an einem kleinen dreckigen See. Möglicherweise konnte man sogar den einen oder anderen goldenen Sonnenuntergang beobachten, wenn man abends auf dem Bootssteg saß. Ich hatte keine Ahnung, denn ich kam fast ausschließlich zum Schlafen her. Der alte Airstream, ein Trailer, der wie ein Relikt aus der Vergangenheit aussah, beherbergte mein gesamtes Hab und Gut. Ich hatte ihn von einem Händler günstig übernommen und mithilfe der Jungs des MCs ausgebaut. Meine Harley konnte ich direkt vor der Tür abstellen. Im dicken Bauch meines Heimes gab es ein Bett, eine Sitzecke und eine kleine Kochgelegenheit. Die Nasszelle hatte einen Warmwasseranschluss und mehr brauchte ich nicht.
Nachdem ich das rostige Tor, das niemals geschlossen war, passiert hatte, fuhr ich Schritttempo. Hier lebten viele Familien und im Dunklen musste man aufpassen, dass einem nicht eines der Kinder vor die Räder lief. Das Gelände war miserabel beleuchtet und immer wieder fielen einige der wenigen Laternen aus.
Auch wenn der Park etwas außerhalb von Dreamtown lag, war es hier nie wirklich still. Meine Nachbarschaft bestand überwiegend aus sozial Schwachen, Arbeitslosen und Alkoholikern, die sich sonst nirgends eine Wohnung leisten konnten. Einige Handwerker, die nur für eine Saison blieben, bildeten die Ausnahme.
Irgendwo plärrte ein Säugling, rechts von mir brüllte ein Mann und die beiden Hippies mit den bunten Blümchen an ihrem Anhänger, ließen wieder einmal alle an ihrem Liebesleben teilhaben. Das Gestöhnte und Geächze war nicht zu überhören und übertönte sogar das Motorgeräusch meines Bikes. Es war ein warmer Herbstabend und einige Nachbarn saßen noch draußen. Doch genauso gleichgültig, wie sie die Geräusche der Kopulierenden hinnahmen, waren sie auch mir gegenüber, wenn ich auf meiner Harley oft mitten in der Nacht ankam.
Niemand interessierte, wer ich war, was ich tat und wann ich ging oder nach Hause kam. Das war gut so.

Mit meinen Gedanken war ich noch im Clubhaus. In der heutigen Church waren ein paar geschäftliche Dinge angesprochen worden, aber das Thema, das uns alle fortwährend beschäftigte, war die Bedrohung durch den MC aus South Bay. Erstaunlicherweise hatten die Ghosts sich bisher sehr zurückgehalten. Die Beerdigung unseres Prospects war gerade einmal drei Monate her, aber die Drohung, die sie ausgesprochen hatten, war nicht vergessen.
Kaum zu glauben, was sich seitdem alles verändert hatte. Unser President, Jeremy Iron, von allen nur Iron genannt, war übervorsichtig und einer von uns musste stets seine Ol’ Lady begleiten. Ich grinste, als ich an die kleine irische Anwältin dachte. Sie hatte sich schnell an das Leben mit den Devils gewöhnt und war außerdem eine großartige Hilfe, wenn es um Rechtsfragen ging. Iron liebte sie von Herzen und wir alle gönnten es ihm. Aus dem Womanizer, dem Rockstar unter den Bikern, war ein treuer Mann geworden, der nur noch Augen für sein Mädchen hatte.
Ich stellte die Maschine ab und betrat mein Zuhause auf Rädern.
Die Pistole legte ich wie immer griffbereit auf das Tischchen der winzigen Sitzecke. Das Messer, das ich ständig an meinem Gürtel trug, blieb in der Scheide stecken. Ohne fühlte ich mich nackt.
Mit einem Stöhnen knallte ich mich auf das Bett, schaltete den Fernseher ein und verschränkte die Arme hinter dem Kopf.

Hitze empfing mich. Die Art von Hitze, die einen glauben ließ, die Welt war ein Backofen, und sobald man Luft holte, bahnte sich Feuer einen Weg in die Lungen. Das Marschgepäck auf meinem Rücken drohte mich in die Knie zu zwingen und meine Armmuskeln brannten. Ich trug das Scharfschützengewehr, meinen ständigen Begleiter, vor mir her. Unsere Einheit war am Limit angekommen. Wir mussten dringend Rast machen. Unweit hörten wir eine Detonation, dann Maschinengewehrsalven und zwischendrin immer wieder die Schreie verwundeter Männer. Es war dunkel. Eine mondlose Nacht, die nur von den Mündungsfeuern vor uns erhellt wurde.
Wir waren in der Hölle gelandet. In einem Krieg, der schon vielen unserer Kameraden das Leben gekostet hatte. Seit Monaten waren wir im Irak stationiert und jeder Einsatz war ein Tanz mit dem Tod. Als US Navy SEALs waren wir für solche Dinge ausgebildet worden. Extremsten Bedingungen ausgesetzt und doch zu funktionieren, das hatte man uns eingebläut. Wieder und wieder an unsere Grenzen getrieben, mussten wir lernen in großer Hitze, schneidender Kälte oder dünner Bergluft die richtigen Entscheidungen zu treffen und Befehle auszuführen. Es gab nichts, was wir nicht trainiert hatten, inklusive einer etwaigen Gefangennahme oder Folter durch den Feind.
Wir alle waren Präzisionsschützen und der Umgang mit unseren Scharfschützengewehren war für uns genauso normal, wie es für einen Banker war, Geld zu zählen. Wir schliefen mit ihnen im Arm ein und trugen sie ständig bei uns. Unsere Waffen waren keine Gegenstände, sie waren die Verlängerung unserer Arme.

Plötzlich befand ich mich auf dem Dach eines Hauses. Ich kniete auf dem Boden und hielt meinen sterbenden Kameraden in den Armen. »Luke. NEIN!«

Laute Musik katapultierte mich aus der Wüste des Iraks direkt in die Wirklichkeit zurück. Minutenlang lag ich mit aufgerissenen Augen und klopfendem Herzen auf meinem Bett und versuchte, klar im Kopf zu werden.
Ein Albtraum.
Wieder einmal schweißgebadet aufgewacht.
Fast jede Nacht kehrte ich im Traum an diesen schrecklichen Ort zurück. So sehr ich das Erlebte tagsüber auch verdrängte, ich konnte nicht davor fliehen. Sobald ich die Augen schloss, war ich mittendrin in der Hölle.
Im Krieg.
Gedankenverloren rieb ich über die Narbe an meinem Schädel. Die Verletzung hatte mir fast das Leben gekostet und eine hässliche Zickzacknarbe war zurückgeblieben. Da ich mein Haar sehr kurz geschoren trug, genauso wie während meiner aktiven Zeit bei den Navy SEALs, war sie für jedermann gut zu sehen. Vor allem für mich, wenn ich in den Spiegel sah. Ich hatte überlebt.
Stirnrunzelnd versuchte ich einzuschätzen, wie spät es war. Der Krach, der mich geweckt hatte, kam von der Assi-Familie, die mir gegenüber wohnte. Ihr Trailer war versifft und heruntergekommen. Der Typ verprügelte seine Frau regelmäßig und ebenso regelmäßig vögelte er sie auch lautstark. Es sollte ja Menschen geben, die so etwas brauchten. ›Pack schlägt sich, Pack verträgt sich‹, diesen Spruch hatte ich in meiner Kindheit oft gehört. Mein Vater sagte das immer und in diesem Fall hatte er wohl recht.

Endlich normalisierte sich mein Herzschlag und ich setzte mich auf. Um mich herum war es dunkel, nur das schwache Licht einer der Laternen, die die Wege des Wohnwagenparkes beleuchteten, drang zu mir herein.
Wo waren meine Zigaretten?
Ich brauchte dringen ein paar Züge.
Tief inhalierte ich das Nikotin, nachdem ich die zerknautschte Packung neben mir gefunden und mir einen Glimmstängel angesteckt hatte.
Endlich wurde der Krach von nebenan leiser, nur um kurz darauf, von lautem Gestöhne abgelöst zu werden.
Versöhnungssex musste was Tolles sein, dachte ich. Wahrscheinlich provozierte die Alte ihren Macker nur deshalb, damit er es ihr danach so richtig besorgte.

Kostenlose Leseprobe

Hier kommen Fans der Heroes – Reihe auf ihre Kosten.
Eine kleine Episode mit Ivy & Storm gibt es in *Sternschnuppennacht* für euch.
Diese Geschichte gibt es in allen gängigen eBook-Stores (z.B. bei BookRix im epub oder mobi – Format) und natürlich bei Amazon dauerhaft gratis.

amzn.to/1IUwHs

EVERSUN

1. Kapitel

Die Frau mit den rotblond gelockten Haaren taumelte. Erbarmungslos brannte die Sonne auf die Ebene und auf ihrem Körper bildeten sich dicke rote Brandblasen. Sie war auf der Suche nach Nex Dalton. Einzig dieser Gedanke hielt sie noch aufrecht. Vor ihrem inneren Auge entstand das Bild des jungen Mannes, der sie jeden Morgen mit einem Lächeln begrüßte. Es reichte bis zu seinen Augen und ließ sie strahlen. Auch wenn sie sich vorher nie hatte vorstellen können, eine Partnerschaft einzugehen. Seit einigen Wochen schreckte sie der Gedanke nicht mehr. Einen Antrag zu stellen, um mit Nex zusammenzuleben, schien ihr sehr verlockend. Vor ein paar Tagen war er plötzlich verschwunden.
Ohne Vorwarnung. Einfach so.
Ein unbestimmtes Gefühl, dass da etwas faul war, hatte sie hinausgetrieben. Er war der Grund, weshalb sie den Schutz der Kuppelstadt verlassen hatte. Schon länger hatte sie den Verdacht, dass es in Evercity nicht mit rechten Dingen zuging. Jetzt machte sie sich Vorwürfe, weil sie nicht einmal mit ihrer Schwester Skyla darüber gesprochen hatte. Ihr hätte sie vertrauen können.
Kajas Mund war trocken, das Schlucken fiel ihr schwer und sie hatte komplett die Orientierung verloren. Es war also doch wahr, was behauptet wurde. Außerhalb der Stadt gab es nichts. Kein Leben! Nur den Tod durch die erbarmungslose Sonne!
Ihre Sinne schwanden und der letzte Gedanke, den sie hatte war, sie würde sterben.
Jetzt! Hier!
Kaja brach ohnmächtig zusammen.
Die Gestalten, die sich ihr näherten, bemerkte sie nicht mehr. Ihr Körper war ausgetrocknet, rot und verbrannt.
Aida hielt mit ihren Begleiterinnen direkt auf sie zu. Die Frauen, die sich ungeschützt in der Sonne bewegen konnten, gehörten zum Volk der Solani. Die Solani bewohnten den Planeten schon seit Urzeiten, lange bevor die ersten Erdenmenschen den Weg hierher gefunden hatten. Die Sonne konnte ihrer Haut nichts anhaben. Eine besondere Pflanze, die Bestandteil ihrer Ernährung war, schützte sie vor Verbrennungen. Die Gruppe bestand aus fünf Frauen. Alle hochgewachsen und schlank. Ihre weißen Gewänder flatterten, als sie sich über Kaja beugten. Aida, die Anführerin, berührte die Fremde, um festzustellen, ob sie noch lebte. Sie fühlte einen schwachen Puls und richtete sich auf.
»Wir nehmen sie mit«, befahl sie ihren Begleiterinnen.
Eine der Frauen hob sie auf, als wöge sie nicht mehr als eine Feder, legte sich die Bewusstlose über die Schultern und gemeinsam traten die Frauen den Rückweg an.

***

Skyla trommelte mit den Fingern auf die Platte ihres Schreibtisches. Sie hoffte, ihr Plan würde aufgehen. Die Traumjägerin war eine der wenigen Frauen, die eine besondere Stellung im Regime Evercitys hatten.
Sie arbeitete im Auftrag des Präsidenten. Die Kunst, in die Träume der Bewohner einzudringen und diese, falls nötig, zu manipulieren, beherrschte die junge Frau bis ins Detail. Genau genommen war sie einzigartig. Etwas, das Präsident Frost zähneknirschend akzeptierte.
Sie checkte auch regelmäßig die Sunwalker. Man wollte sichergehen, dass sie lenkbar blieben, und die Gefühle, die sie besaßen, nicht außer Kontrolle gerieten.

Der gestrige Traumbesuch allerdings war privater Natur. Er war kein Auftrag, sondern ein Mittel zum Zweck. Sie brauchte einen dieser Sunwalker und hatte deshalb den Geeignetsten dafür ausgewählt. Kato war ihr aufgefallen, weil er intensiv träumte. Das war eigenartig, denn im Schlaf schalteten Sunwalker überwiegend in den Androidmodus. Keine Gefühle.
Keine Träume.
Regelmäßig suchte sie die Basis auf, in der die Männer sich zur Ruhe begaben. Die Kryokammern, in denen die Sunwalker nachts lagen, hielten eine konstante Temperatur von null Grad. Skyla war es gewohnt, die nackten Körper durch das Glas zu sehen. Es interessierte sie nicht, wie sie sich voneinander unterschieden, lediglich ihre Hirnaktivität war für sie von Interesse. Kato war anders. Als sie bemerkte, dass der Mann träumte, erschrak sie zuerst und zuckte zurück. Doch ihre Neugierde siegte und sie berührte erneut das Plasmafeld, durch das sie seine Gedanken in ihren Kopf übertragen konnte.
Sie sah Schmetterlinge, Vögel und Blumen. Eine kunterbunte Welt erstreckte sich vor ihrem inneren Auge. Ein Bach plätscherte dahin, ergoss sich in einem kleinen Becken und die Wasseroberfläche glitzerte in der Sonne. Was sie sah, war so phantastisch, dass ihr Puls vor Aufregung in die Höhe schnellte. Es war eine komplett andere Welt als die, die sie kannte.
Nachdem sie eine Weile die wundervollen Bilder betrachtet hatte, öffnete sie die Augen und die kalte Wirklichkeit hatte sie wieder. Der sterile Raum mit den Kryokammern bestand aus Stahl und Glas. Aber woher, verdammt nochmal, kamen die wunderbaren Träume, die dieser Sunwalker hatte?
Immer öfter verweilte sie länger bei ihm als bei den anderen und schließlich versuchte sie alles über Kato in Erfahrung zu bringen, was es an Informationen über ihn gab.
Jetzt saß sie in ihrem Büro und wartete darauf, dass der Psychoscanner anschlug, sobald der Mann zur täglichen Kontrolle antrat. Er war ihre einzige Chance. Sie brauchte ihn, damit er ihr half, ihre Schwester zu finden. Ihr Plan war nicht ungefährlich, doch Skyla war eine mutige und zu allem entschlossene Frau.
Trotzdem zuckte sie zusammen, als die Lämpchen der Konsole rot zu blinken begannen. Sie sprang auf, strich die Jacke ihres Kostüms glatt und setzte ein gelassenes Gesicht auf. Wenig später waren die Schritte der Robogarde zu hören. Es konnte losgehen.

***

Kato schreckte aus dem Schlaf hoch.
Verwirrt versuchte er sich zu erinnern, weshalb das Herz ihm bis zum Hals schlug. Was war es, das ihn so atemlos aufwachen ließ?
Benommen tasteten seine Finger nach dem Knopf, der den Deckel seiner Schlafkammer mit einem Zischen aufgleiten ließ. Wie alle Sunwalker hatte er einen schlanken sehnigen Körperbau und seine Kleidung bestand lediglich aus einem Lendentuch, das er jedoch zum Schlafen ablegte.
Es gab nicht sehr viele von ihnen. Zwanzig Sunwalker lebten am Rande von Evercity. Dort war ein eigenes Areal für sie errichtet worden und sie blieben unter sich. Obwohl sie für den Schutz der Bewohner sorgten, waren sie Sonderlinge, mit denen niemand etwas zu tun haben wollte.
Der Mann stand auf und legte sich seinen Lendenschurz um. Während er sich auf den Weg ins Zentrum machte, band er sein langes blauschwarzes Haar zu einem Pferdeschwanz zusammen. Je näher er kam, desto eintöniger schien die Atmosphäre. Die Gebäude, die er passierte, streckten sich in die Höhe und bestanden ausnahmslos aus Chrom, Stahl und Glas.
Angewidert beäugten die vorbeikommenden Passanten den Hybriden. Fast unmerklich wichen sie dem Mann aus. Doch Kato war daran gewöhnt, gemieden zu werden. Seit seiner Erschaffung im Labor kannte er es nicht anders. Die Sunwalker lebten einfach, zurückgezogen und isoliert. Natürlich fiel der hochgewachsene Mann auf. Im Gegensatz zu den gewöhnlichen Bewohnern Evercitys bewegten er und die anderen seiner Art sich fast nackt.
Der Lendenschurz verdeckte nur notdürftig sein Geschlecht. Seine Haut war stark gebräunt und sein Körperbau zwar schlank, dennoch muskulös. Kato ignorierte wie immer die Reaktion der Menschen, die ihm begegneten, und schritt ungerührt weiter.
In seinem Kopf schlich sich die Erinnerung an den Traum der letzten Nacht ein.
Vor Katos innerem Auge entstand das Bild der Frau, die ihn nervös werden ließ. Er kannte keine Frau, die so aussah, wie die Gestalt in seinen Träumen. Sunwalker lebten abstinent. Es war ihnen keinerlei Bindung an das weibliche Geschlecht erlaubt. Allerdings bestand diesbezüglich auch keine Gefahr. Die Frauen in Evercity interessierten sich nicht für die Sunwalker. Für die übrigen Bewohner waren sie keine Menschen, sondern eine Mutation, wenn auch durch Menschenhand gemacht.
Als Kato das Medical-Center erreichte, straffte er die Schultern. Der tägliche Check stand an.
Um in das Herzstück Evercitys zu kommen, musste er mehrere Schleusen passieren. Der erste Torbogen, unter den er sich stellte, war die Waffenschleuse. Er seufzte tief und ließ die Prozedur über sich ergehen. Was blieb ihm auch anderes übrig.
Das Lämpchen blinkte grün. Natürlich! Er war unbewaffnet. Danach kam die Psychoschleuse an die Reihe.
Bisher gab es nie Probleme, doch heute befürchtete er, dass der nächste Metallbogen, unter dem er stehen blieb, zum ersten Mal Alarm schlug.
Während der Scanner summend über seinen Schädel kreiste, um seine psychische Verfassung zu analysieren, war er versucht, die Luft anzuhalten. Doch es würde nichts nützen. Kein Gedanke blieb unentdeckt.
Alarm!!! Tatsächlich blinkte das Lämpchen rot und gab einen schrillen Ton von sich. Wie von Geisterhand schlossen sich Lichtfesseln, die sich aus dem Boden schlängelten, um seine Knöchel und alle Ausgänge riegelten sich hermetisch ab. Der anhaltende Ton warnte alle Anwesenden und war gleichzeitig der Befehl, sich nicht von der Stelle zu rühren.
Kato fluchte innerlich. Die Augen der Mitarbeiter waren auf ihn gerichtet, und selbst wenn sich niemand mehr bewegte bis die Robogarde kam, fühlte er sich bereits unwohl. Sekunden dehnten sich zu Minuten, und während er wie festgewachsen unter dem Psychobogen stand, verfluchte er seine Träume. Sie waren schuld daran, dass er nicht passieren konnte.
Schritte wurden laut. Die Garde war im Anmarsch. Im Gleichschritt trabten die Roboter mit Laserwaffen ausgerüstet auf ihn zu. Er schloss die Augen und ergab sich seinem Schicksal.
Die Robogarde genoss im Gegensatz zu den Sunwalkern den Respekt der Bevölkerung und ehrfürchtig machte die Menge ihr Platz.
Einer der Roboter deaktivierte die Lichtfesseln und schon wurde er auf den Boden geworfen.
»Der Psychoscanner zeigt verbotene Aktivitäten«, dröhnte die blecherne Stimme. »Was haben Sie dazu zu sagen?«
Kato bekam keine Gelegenheit zu antworten. Erneut wurde er brutal gepackt und hochgezogen. Zwei Roboter schleiften ihn mit sich, ohne ihm die Möglichkeit zu geben, auf die Füße zu kommen.
Sie brachten Kato unverzüglich in eines der Anhörungszimmer auf Ebene 2. Dort wurde er an die Wand gedrückt, und erneut legten sich Lichtfesseln sowohl um seine Knöchel als auch um seine Handgelenke. Er konnte sich nicht bewegen und war der Gnade anderer ausgeliefert.
»Lasst mich mit ihm alleine«, erklang eine weibliche Stimme. Katos Kopf ruckte herum, und er erkannte die wohlgeformte Silhouette einer Frau, die mit dem Gesicht zur großen Fensterfront gewandt stand.
Die Garde trat den Rückzug an und die Frau drehte sich um.
Sein Herzschlag setzte einen Moment aus, als er in ihr die Gestalt wiedererkannte, die ihn in seinen Träumen heimsuchte. Wer, zum Teufel, war sie? Sie war ihm noch nie zuvor begegnet, weshalb waren ihm ihre Gesichtszüge dann so vertraut?
»Ich sehe, du erkennst mich!« Es war keine Frage, sondern eine Feststellung. Als sie näher kam, konnte er ihren Duft wittern. Er hätte schwören können, dass ihm der Geruch, der von ihr ausging, bekannt war. Aber das war überhaupt nicht möglich.
Sie inspizierte ihn aufmerksam, und als sie schließlich wenige Zentimeter vor ihm stehen blieb, verzog sich ihr Mund zu einem Lächeln. »Ich habe dich erwartet.« Sie hob ihre Hand und strich seinen nackten Oberkörper entlang bis zu seinem einzigen Kleidungsstück. Dort verweilten ihre Finger. Viel zu lange!
Kato hielt den Atem an. Er war es nicht gewohnt, von jemandem berührt zu werden. Und schon gar nicht von einer Frau. Die Spur, die ihre Hand zurückgelegt hatte, hinterließ ein Brennen auf seiner Haut. Bisher hatte er keinen Ton herausgebracht. Er war zu sehr damit beschäftigt, den Anblick der Frau und die wirren Gefühle, die sie in ihm auslöste, zu verdauen.
»Hast du deine Stimme verloren?«, fragte sie ihn spöttisch. Ihre Hand lag immer noch auf seinem Bauch und Kato hatte das Gefühl, seine Haut löste sich dort, wo sie ihn berührte, ab.
Endlich fand er seine Sprache wieder. »Wer sind Sie?«, krächzte er und wünschte sich, sie würde etwas Abstand zwischen sich und ihn bringen.
Als hätte sie seine Gedanken gelesen, drehte sie sich abrupt um und ging zu ihrem Computerpaneel.
»Ich bin die Frau aus deinen Träumen«, sagte sie schlicht.
»Aber warum?«, stammelte er verwirrt.
Theatralisch seufzend nahm sie auf ihrem Stuhl Platz und ließ sich endlich dazu herab, ihm zumindest den Ansatz einer Erklärung zu liefern.
»Ich kann in die Träume jeden Mannes und jeder Frau eindringen. Ich brauche dich, deshalb habe ich dich aufgesucht … in deinem Traum«, begann sie.
Der Sunwalker setzte zum Sprechen an, doch bevor er etwas darauf erwidern konnte, fuhr sie fort. »Der Platz in Evercity wird knapp, die Bevölkerung wächst und in wenigen Jahren gibt es für uns nicht mehr genug Raum. Wir müssen das sichere Gebiet erweitern. Nachdem ich meine Befürchtungen den Verantwortlichen mitgeteilt habe, wurde ich ausgelacht. Die Oberhäupter halten eine ganz andere Lösung für effektiver.« Sie hielt kurz inne und warf dann mit angewidertem Gesichtsausdruck das Wort »Auslese!« in den Raum.
Katos Augen weiteten sich. Wenn es das bedeutete, was er glaubte, war es höchst unmoralisch und verwerflich.
Die Frau aus seinen Träumen fuhr fort. »Noch ist es nur eine Idee in deren Köpfen, aber die ersten Einschränkungen wurden bereits per Gesetz beschlossen. Die beantragten Partnerschaften werden intensiver geprüft und nur noch selten genehmigt. Sie sah ihm eindringlich in die Augen. »Du fragst dich, was du damit zu tun hast, nicht wahr?«
Kato nickte. Was er gerade erfahren hatte, erschien ihm durchaus möglich. Doch warum tauchte diese Frau in seinen Träumen auf und brachte sein Gleichgewicht derart durcheinander, dass die Psychoschleuse Alarm schlug?

Seufzend stand die Ärztin auf und kam näher.
»Ich habe alle Sunwalker genau analysiert. Eure Daten durchforstet und mich lange mit euch beschäftigt. Dann fielst du mir auf. Du bist nicht nur außerordentlich schnell, sondern gehörst auch zu den erfolgreichsten Jägern.«
Wieder baute sie sich vor ihm auf, und er traute sich endlich, sie genauer zu betrachten. Ihr braunes schulterlanges Haar hatte einen leicht rötlichen Schimmer. Je nachdem, wie das Licht darauf fiel. Große strahlend goldbraune Augen hefteten sich an ihm fest und ihr voller sinnlicher Mund machte ihn urplötzlich nervös. Das leichte Ziehen, das er in seiner Lendengegend verspürte, ließ ihn unruhig werden. Bis zum heutigen Tage war ihm kein weibliches Wesen so nahe gekommen.
»Wie heißen Sie?«, fragte er neugierig.
Sie runzelte die Stirn, als überlegte sie, ob sie ihm antworten sollte.
»Skyla!«, kam es nach einer schweigsamen Minute.
Skyla, was für ein Name. Im Geiste wiederholte er ihn mehrmals und beschloss, dass er ihm gefiel.
»Ich bin Kato.«
Sie lachte auf. »Es gibt nichts, was ich nicht über dich weiß. Das schließt natürlich deinen Namen mit ein.«
Als sie sich wieder in Bewegung setzte, atmete er erleichtert auf. Ihre Nähe tat ihm nicht gut und stellte irgendetwas mit seinem Körper an, das er nicht deuten konnte. Auch wenn Teile von ihm aus Titan waren und sein Gehirn nur zur Hälfte menschlich – sie machte ihn unruhig, und das gefiel ihm ganz und gar nicht.
Trotzdem hatte sie ihm immer noch nicht gesagt, was sie von ihm wollte. Langsam wurde er es leid, wie ein Tier angekettet, vor ihr zu stehen. »Also, was wollen Sie von mir?«, drängte er.
»Ich will mit dir nach draußen.«
Kato glaubte, sich verhört zu haben. War sie verrückt? Jeder in Evercity wusste, dass Menschen die schützende Hülle nicht verlassen konnten. Nur die Sunwalker waren dafür ausgerüstet.
»Das wäre Selbstmord«, antwortete er und fragte sich, was zur Hölle sie überhaupt dort wollte.
Sie wirbelte herum und sah trotzig aus. »Ich weiß, dass es möglich ist! In den letzten Monaten habe ich einen Schutzanzug entwickelt, der es erlaubt, dass ich mich länger außerhalb aufhalten kann. Es ist eine verbesserte Version dessen, was unsere Vorfahren zur Verfügung hatten. Früher hielt so ein Anzug etwa fünf Stunden, bevor er durch ein spezielles Verfahren wieder aktiviert werden musste. Ich kann mindestens doppelt so lange bleiben! Du wirst mich führen. Ich habe dich ausgewählt, weil du der Beste bist.«
In Katos Kopf überschlugen sich die Gedanken. Niemand durfte hinaus. Selbst die Sunwalker mussten eine Schleuse passieren, bevor sie das Areal verließen. Wie wollte sie es anstellen, ihn unbemerkt zu begleiten? Er hielt es für eine verrückte Idee.
»Was wollen Sie draußen? Es gibt dort nichts für Sie – im Gegenteil. Es ist trist und öde, und außerdem noch gefährlich.«
Jetzt stemmte sie die Hände in die Hüften und fauchte ihn an. »Du musst schon mir überlassen zu entscheiden, ob ich mich der Gefahr aussetze. Alles, was du tun sollst, ist mich hinauszubringen. Entweder das, oder ich fälsche deine Werte und du wirst entsorgt.«
Das konnte doch nicht wahr sein! Drohte sie ihm etwa tatsächlich, vorsätzlich seine Laborwerte zu manipulieren? Kato wusste, was das bedeuten würde.
Alle Sunwalker mussten sich regelmäßigen Kontrollen unterziehen. Neben der Waffenschleuse und dem Psychoscanner wurde ihnen täglich Blut abgenommen. Stimmten die Werte nicht mit den Anforderungen überein, wurde man entsorgt. Was nichts anderes bedeutete, als dass man den Todesstoß bekam. Die Mikrochips in ihren Gehirnen wurden durch Einspritzen von aggressiven Nanobots zerstört und der menschliche Rest wurde der Verbrennungsanlage zugeführt. Niemanden in Evercity kümmerte es, was mit den Sunwalkern passierte. Doch die Sunwalker selbst erlebten immer wieder, wie Männer aus ihren Reihen nicht mehr auftauchten.
Kato biss die Zähne zusammen. Langsam hatte er die Nase gestrichen voll. Diese Frau war der Teufel in Person. Er zerrte an den Metallschellen, die ihn an die Wand fesselten. Vor Wut funkelten seine dunkelgrauen Augen gefährlich.
Skyla tat, als bemerkte sie es nicht. Während sie betont lässig auf ihrem Computerpaneel herumtippte.
»Morgen, wenn die Verdunkelung einsetzt, treffe ich dich an der Schleuse.«
Bevor Kato etwas einwenden konnte, drückte sie einen Knopf. »Der Sunwalker kann abgeholt werden.«
Die Schritte der Garde waren schon zu hören, als sie sich nahe zu ihm heranstellte und ihm leise eine Warnung zuzischte. »Du solltest nicht vergessen, wozu ich fähig bin.«
Wenige Sekunden später erschien die Robogarde und die Fesseln lösten sich. Einen Moment lang war er versucht, ihr noch etwas zu sagen. Doch dann beschloss er, den Mund zu halten. Irgendwie musste er erst einmal verdauen, was sie ihm gesagt hatte.
An einen der Gardisten gewandt, lächelte sie. »Es ist alles in Ordnung mit ihm. Allerdings sollte er heute nicht mehr patrouillieren.«
Kato warf noch einen wütenden Blick in ihre Richtung und ließ sich abführen.

Heroes Herzkönigin – Juno

cover

Juno die schöne Kriegerin hat nun auch ihre eigenen Geschichte bekommen.
Sie ist allerdings etwas anders, als viele erwartet haben.
Juno, die immer noch um Tristan trauert, glaubt, nie wieder einen Menschen so lieben zu können, wie den Krieger mit den Eisaugen. Doch Tristan hat den Tod gewählt.
Sie ist wütend, traurig und bleibt hilflos mit gebrochenem Herzen zurück.
Doch das Schicksal schickt ihr jemanden, der ganz überraschend ihr Herz berührt. Juno will es nicht wahrhaben und versucht zuerst, es zu ignorieren …
„WENN DAS SCHICKSAL EINEM DEN SEELENEFÄHRTEN PRÄSENTIERTE, WAR ES SINNLOS DAVOR ZU FLÜCHTEN“ (Kapitel 7)
Wer sich auf diese Geschichte einlässt, wird überrascht sein 😉