Hier kommt die Siegergeschichte des Kurzgeschichtenwettbewerbs:

Auch wenn alle Geschichten schön zu lesen waren und ich manchmal wirklich laut lachen musste, habe ich mich für die Geschichte von Christine R. entschieden. Sie hat die Story mit Effi (Turbos Mum) fortgesetzt und sich einen wirklich interessanten Plot dazu einfallen lassen.
Eigentlich hatte ich ja einen Gewinn versprochen, der aus einer Tasse mit Clublogo, einem Mousepad mit Clublogo und dem neusten Band der Fire Devils MC-Serie besteht. Darüber darf sich Christine freuen, aber weil nur drei Geschichten eingegangen sind, dachte ich mir, die anderen beiden Teilnehmer bekommen von mir ebenfalls ein signiertes Buch. Vielen Dank für eure Teilnahme – ich hoffe, es hat euch genauso Spaß gemacht, wie mir 🙂

Über die Autorin:
Ich heiße Christine Rundel, nur Chrissie gesprochen, bin 39 Jahre jung und komme vom Bodensee. Gebürtig aus Friedrichshafen, seit sieben Jahren mittlerweile in Tettnang wohnend. Ich bin verheiratet und wohne zusammen mit meinem Mann und unserer Hündin Candy, ein Flat-Coated-Retriever-Mädel, in einem Haus direkt hinter Tettnang.

Beruflich arbeite ich auf einer Behörde in Ravensburg als Verwaltungsfachangestellte.

Vor ca. drei Jahren bin ich auf die Bikerwelt in Büchern aufmerksam geworden. Im wirklichen Leben schon viel früher, da sich meine beste Freundin mal in einen dieser Jungs verliebt hat. Damals war das nicht mein Ding und ich fand die Männer furchtbar (vor allem im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht). Umso schöner war es dann auch mal was von netten und humorvollen Bikern zu lesen. Die auch gut und freundlich mit Frauen umgehen können – ich hoffe solche Exemplare gibt es auch in Echt.

Für mich der erste Ausflug als Schreiberin…
Und hier kommt die Siegergeschicht. Der Anfang ist von mir, ich habe gekennzeichnet, ab wann Christine übernommen hat. Viel Spaß damit – und ich würde mich freuen, wenn ihr uns eure Meinung dazu mitteilt.

Cook & Love
Clubhaus der Fire Devils, Dreamtown
»Schnauze Jungs, gleich geht es los!«, brüllte Turbo und angelte nach der Fernbedienung um die Lautstärke zu erhöhen.
Einige der Members hatten es sich schon in den Sesseln bequem gemacht, doch Gozo und Trouble standen noch am Tresen und diskutierten lautstark herum. Turbos böser Blick genügte nicht, um sie verstummen zu lassen, also warf er Trouble ein herumliegendes Basecap an den Kopf.
Meghan klopfte auf den Platz neben sich und winkte Trouble zu. Endlich kehrte Ruhe ein und der junge Biker setzte sich neben seine heimliche Liebe. »Wow, das ist so aufregend. Effi hat sich schon immer gewünscht, die berühmte Köchin Ella King kennenzulernen, und jetzt ist sie tatsächlich in ihrer Kochshow«, flüsterte Meghan Trouble zu und hielt ihm eine Schüssel mit Chips hin.
Heute Abend war der gesamte Club versammelt. Auch alle Ol’ Ladys waren da und weil es Samstag war, durfte sogar klein Amy aufbleiben um das große Ereignis im TV mitzuverfolgen. Die Babys schliefen im Hinterzimmer und Enya, die sie eben zu Bett gebracht hatte, kam gerade rechtzeitig dazu. Iron breitete einladend seine Arme aus und sie kuschelte sich an ihn.
Als die Teilnehmer groß im Bild waren und namentlich vorgestellt wurden, schnaubte Iron überrascht. »He, den Kerl da kenne ich. Der ist Member bei den Black Snakes, aus Spring Falls.«
»Du hast recht«, stimmte Blood ihm zu und starrte gebannt auf den Bildschirm. Dort wurde eben ein Mann gezeigt, der in etwa Effis Alter hatte. Unter einem schwarz gemusterten Bandana lugte grau meliertes Haar hervor und er trug einen Dreitagebart. Das schwarze T-Shirt verdeckte seine Tätowierungen an beiden Armen nicht und in seinem rechten Ohrläppchen baumelte ein silberner Ring.
Dann schwenkte die Kamera zu Effi. Die gute Seele des Clubs lächelte in die Kamera, während ein Sprecher sie vorstellte.
»Effi sieht toll aus«, bemerkte Jaz. »Ja, das Kleid steht ihr gut«, freute sich Angel und klein Amy klatschte in die Hände.
»Heilige Scheiße«, rief Turbo. »Seht ihr, wie der verdammte Scheißkerl Mum in den Ausschnitt glotzt?!«
»Und jetzt grinst er sie auch noch so unverschämt an«, stimmte Trouble ihm zu und bekam prompt einen Rempler von Meghan. »Stellt euch nicht so an, Jungs. Effi sieht fantastisch aus und er ist eben auch nur ein Mann. Gönnst du es deiner Mum etwa nicht?«
»Aber ausgerechnet ein Member der Snakes. Und überhaupt … schaut doch! Jetzt rückt er auch noch näher an sie heran.« Turbo schien tatsächlich sehr aufgewühlt zu sein, denn er sprang auf und sein Blick war finster.
Während die Frauen das Ganze ziemlich gelassen hinnahmen, regten sich die Männer darüber auf, dass ein Biker offensichtlich Interesse an Effi zeigte.
»J. J., was kannst du über diesen Kerl herausfinden?«, fragte Iron.
»Das ist doch nicht dein Ernst?«, mischte sich Kelly ein, als J. J. aufsprang und seinen Laptop holte.
»Es kann nicht schaden, wenn wir wissen, mit wem wir es zu tun haben«, knurrte Turbo und nickte dem Pres dankbar zu.
»Herrgott noch mal, die vermiesen uns die ganze Show mit ihrem Machogehabe«, maulte Jaz und verdrehte die Augen.
Angel nickte zustimmend. »Kaum zu fassen, dass sie so einen Aufstand machen wegen einem alten Herrn. Ich finde, er sieht interessant aus, und irgendwie nett.«
»Und kochen kann er auch, sonst wäre er nicht in der Show«, pflichtete Runa ihr bei.
Blood schnaubte und warf den Frauen einen ungläubigen Blick zu. »Interessant und nett! Hoffentlich täuscht ihr euch da nicht gewaltig!«, brummte er und linste J. J. über die Schulter. »Schon was herausgefunden, Bro?«, fragte er.

 

Kochstudio Ella King
Jack Lennox, V. P. bei den Black Snakes, aus Spring Falls, zwinkerte Effi zu. Was er sah, gefiel ihm. Dass sie in dieser Show seine Konkurrentin war, störte ihn nicht. Im Gegenteil. Besser als gegen alberne junge Tussen zu kochen. Effi war eine attraktive Frau im besten Alter. Ihm gefiel, wie sie lachte und die Fältchen um ihre Augen machten sie in seinen Augen noch schöner. Er nahm sich vor, sie auf jeden Fall nach der Show auf einen Drink einzuladen.

Hier geht es weiter mit Christines Fortsetzung

In wenigen Minuten wurde es ernst. Die Kandidaten der Koch-Show von Ella King würden ihre Gerichte erhalten die sie dann in einer vorgegebenen Zeit zu kochen und gestalten hatten. Für Effi an sich kein Problem, ihre große Leidenschaft war das Kochen. Aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass ein Mann wie Jack Lennox an ihrer Seite stehen würde und ebenfalls den Sieg dieser Show im Auge hatte. Wow! Was für ein Kerl. Effi konnte sich nicht erinnern, wann sie ein Mann das letzte Mal so von den Socken gehauen hatte. Er sah nicht nur interessant aus, er war auch charmant und hatte ihr schon ein paar Mal aufmunternd zugezwinkert. Er schien nicht im Mindesten nervös zu sein. Im Gegensatz zu ihr. Die Kameras taten ihr übriges dazu, dass ihr Herz in einem gigantischen Ausmaß zu wummern begann. „Himmel lass mich das hier mit Würde überstehen“, betete sie vor sich hin.

Meine lieben Köchlinge, ihr dürft nun beginnen. Möge der Beste von euch gewinnen. Ich wünsche euch allen gutes Gelingen!“, flötete Ella King schrill und das Publikum, welches während der Aufzeichnung der Show im Hintergrund im Studio saß, begann ermunternd zu klatschen.

Okay Effi nun los“, murmelte sie vor sich hin, während sie die ersten Töpfe und Pfannen zusammen suchte. Nur 30 Minuten Zeit für ein volles Gericht. Das würde verdammt knapp werden. In ihrer Eile rempelte sie mit ihrem Rücken an eine harte Brust. Sie drehte sich um und schaute Jack Lennox in die Augen, der sie mit funkelndem Blick von oben anschaute. Der Mann war über einen Kopf größer als sie. „Hallo“ brachte sie heißer zustande und streckte ihm ihre Hand hin. „Ich bin Effi.“ Na das kann ja heiter werden dachte sie sich, als sie merkte wie heiß sich ihr Kopf vor Nervosität anfühlte. Er nahm mit festem Griff ihre Hand in seine und stellte sich ebenfalls vor. „Nicht so nervös, liebe Effi. Es kann Ihnen nichts passieren. Ich habe Sie im Blick“, zwinkerte Jack ihr zu. Sie begann leise zu lachen und sagte ihm, dass es auch okay wäre wenn er sie duzte. „Gern“, fügte er hinzu und begann ebenfalls damit seinen Arbeitsplatz einzurichten. Noch hatte sie keinen Handschlag getan und die Zeit tickte bereits unablässig. In Windeseile setzte sie nun das Nudelwasser auf und begann die Zutaten für die Sauce vorzubereiten. Es sollte ein Hauptgericht werden. Immerhin hatte sie sich bereits im Kopf ein Schema festgelegt, sodass sie nun nur die richtige Abfolge im Auge behalten musste. Der Rest ging wie von selbst. Sie kochte ja seit vielen Jahren für ihre Bikerfamilie und daher war sie es gewohnt, dass es stressig war und schnell gehen musste da viele hungrige Mäuler um sie herum waren. Sie liebte das. Jedes Weihnachtsfest und jede sonstige Feier wie Thanksgiving waren fest in ihrer Hand was das Kochen und die Bewirtung ihrer Fire Devils-Familie betraf. Diese wurde unablässig größer, da immer mehr ihrer Jungs sich eine Frau an ihre Seite nahmen. Tief in ihrem Innern hatte sie immer gehofft, dass auch ihr Junge sich mal die Zeit nahm um Ausschau nach einem geeigneten Mädel zu halten, aber soweit schien Turbo noch nicht zu sein. Naja, ist ja noch nicht aller Tage Abend, lachte sie leise vor sich hin, während sie die letzten Tomaten in die Sauce gab. „Was ist so lustig?“, fragte eine tiefe Stimme neben ihr. „Oh ich ähm… musste gerade an meinen Sohn denken“, flüsterte sie leise zurück zu Jack, der nun wieder neben ihr stand. Er lächelte sie sanft an. Was er wohl gerade dachte, kam ihr der Gedanke, den sie allerdings sofort wieder abschüttelte. „Hast du Kinder, Jack?“ stellte sie die Gegenfrage an ihn. Er begann zaghaft zu nicken. „Ja, zwei Töchter“, gab er ihr als Antwort. „20 und 22 Jahre jung“, sagte er mit stolz in der Stimme. „Wie schön“, flüsterte Effi. Sie wollte nicht, dass die Kameras zu viel von ihrem doch nun etwas intimeren Gespräch aufnahmen. „Ist deine Frau im Publikum“, fragte Effi und schaute sich um. Jacks Blick wurde düster und er schüttelte seinen Kopf. „Nein, leider nicht“. „Okay“ nickte Effi und wunderte sich über seinen Blick. Irgendwas an seiner Haltung hielt sie davon ab, weiter zu fragen und so widmete sie sich wieder ihrem halbfertigen Gericht. „Sie ist leider nicht mehr unter uns“, flüsterte Jack ihr zu. Und sie erhaschte einen Blick in seine schmerzverzerrten Augen. „Oh, das tut mir leid, Jack“, gab Effi völlig entsetzt von sich. Sie berührte seine Hand, es ging ganz automatisch ohne dass sie darüber nachdenken musste. Er nahm es freundlich hin, wenn auch ein wenig in seinen eigenen Gedanken versunken. Schließlich tätschelte er einmal ihre Hand die auf seiner lag und widmete sich wieder seinen Töpfen. „Meld dich wenn du Hilfe brauchst“, sagte er im Weggehen.

Nachdenklich schaute sie Jack hinterher. Was um Himmels Willen war nur mit seiner Frau passiert, fragte sie sich. Er machte einen ziemlich gebrochenen Eindruck und es schien ihr, als wenn sie soeben alte Wunden bei ihm aufgerissen hätte. Weiter kam sie nicht zum nachdenken, denn auf einmal war es dunkel im Studio. Es schien als hätte die komplette Beleuchtung ihren Geist aufgegeben. Merkwürdig dachte Effi, während sie inne hielt um nicht an die Einrichtung zu stoßen. Plötzlich stand Jack neben ihr und fragte sie ob alles in Ordnung sei. „Ja soweit alles okay, das könnte ein Stromausfalls ein“, sinnierte Effi nicht ohne zu bemerken, dass er sie fest an ihren Oberarmen hielt. „Hoffentlich“ kam murmelnd von ihm und sie hatte das Gefühl, dass er sehr angespannt war. „Effi, ich bin der Vice-President eines Motorcycle Clubs und es könnte sicher auch einen anderen Grund geben für die plötzliche Dunkelheit hier. Also egal was geschieht, bleib in meiner Nähe und tu was ich dir sage, hörst du?“, fragte er sie. „Ja“ kam krächzend und außer Atem von Effi zurück, die kurz vorm überschnappen war weil sie keine Ahnung hatte von was zum Teufel er da gerade sprach. Effi kannte solche Situationen nicht wirklich, da die Männer der Fire Devils ihre Frauen so gut es ihnen möglich war, aus allen unangenehmen Situationen heraus hielten. Natürlich gab es schon viele gefährliche Situationen, aber in solch unmittelbarer Gefahr war sie bislang nie. Und keiner von den Devils war hier. Sie hatte befürchtet noch nervöser zu sein, wenn alle im Publikum sitzen würden und hatte sie daher gebeten, es vom Fernseher aus mit zu verfolgen. Das war offensichtlich ein Fehler. Sie drückte sich an Jack und murmelte ihm ins Ohr, ob denn von seinen Leuten jemand im Studio sei. Er nickte. Sie bekam es schemenhaft mit. Erleichterung durchströmte sie. „Wer sind die Leute?“, fragte Effi leise. Bevor Jack antworten konnte fiel ein Schuss. Effi zuckte zusammen und die ersten Schreie der Frauen im Publikum ertönten. „Leg dich auf den Boden“, brüllte Jack und zog ein Messer hervor.

Währendessen in Dreamtown, Clubhouse der Fire Devils…
Äh Iron, was geht denn da ab?“ stellte J.J. die Frage als er von seinem Laptop aufschaute. Der moderne Flatscreen zeigte ein dunkles Bild. Auch vom Ton war nichts mehr zu hören. Iron drehte seinen Kopf von seiner Frau zum Bildschirm und schaute verblüfft auf den schwarzen Bildschirm. „Keine Ahnung, aber der Ton scheint auch weg zu sein. Vielleicht ein Stromausfall?“ sinnierte Iron irritiert vor sich hin. Allerdings glaubte er daran nicht wirklich. Es war ja auch nur eine Frage der Zeit bis sich wieder einer ihrer Feinde regen würde und er wartete schon seit längerem darauf. Aber er konnte sich keinen Reim darauf machen, warum diese in einem TV-Studio auftauchen sollten, wo doch keiner von den Devils dort war. Das Einzige was passen würde, wäre dass es den MC von Jack treffen sollte und nicht die Devils. Dumm nur, dass Effi direkt in dieser Show hockte. Somit waren die Devils mit involviert ob sie nun wollten oder nicht. „Verdammter Mist, was geht da ab“, begann nun auch Turbo los zu meckern. „Iron, meine Mutter ist dort, ich werde mich auf mein Bike schwingen und hinfahren. Was sagst du dazu? Begleitet mich wer?“, stellte Turbo die wichtigste Frage. „J.J. kannst du eines der Handys von den Leuten des MC´s von Jack knacken oder zumindest mal den Versuch starten durch zu kommen um zu erfahren was vor Ort los ist?“ stellte Iron die Frage an J.J.. „Wird sofort erledigt, Präs“, murmelte J.J. im vorbei gehen und setzte sich wieder an seinen Laptop. Keine zehn Minuten später war klar, dass es kein Durchkommen gab. „Da hat wohl jemand seine Hausaufgaben gemacht, ich komm hier nirgends rein. Scheint so, als ob sie alles lahm gelegt hätten“, gab J.J. von sich. „Das bedeutet für uns, wir fahren hin. Trouble und Blood ihr beiden bleibt hier, falls hier jemand eindringt während wir weg sind“, gab Iron seine Anweisung. Die restlichen Männer bewaffneten sich und gingen dann zu ihren Maschinen, während die Frauen besorgte Minen auflegten. Enya konnte es nicht fassen, dass schon wieder ein solches Drama losging. Jetzt wo die Kinder da waren, fiel es ihr unglaublich schwer ihren Mann ziehen zu lassen und jedes Mal ohne die Gewissheit dass er heil und unversehrt wieder zu ihr zurückkehrte. Bislang ging es jedes Mal gut, aber das konnte sich schnell ändern – vor allem da keiner der Männer wusste was überhaupt los war. Sie lief zu Iron und drückte sich fest an ihn. „Bitte komm gesund wieder zu uns zurück, Iron. Denk an unsere Kids“, flüsterte Enya unter Tränen. „Natürlich mein Engel, dass mache ich in jeder Sekunde des Tages und natürlich auch vermehrt in der Nacht“, lächelte er ihr mit einem Grinsen um seine Lippen zu. „Noch wissen wir ja nicht mal wer da Mist baut, geschweige denn ob es überhaupt Mist ist oder nur einfach ein Stromausfall im Sender und die Städte im Umkreis“, schlussfolgerte Iron aus den aktuellen Geschehnissen. „Wir sind sicher bald wieder hier und wir bringen Effi auf alle Fälle zurück. Kochshow hin oder her, in Gefahr bringen muss sie sich deswegen nicht, kochen kann sie auch hier zur Genüge“, kasperte Iron. „Ich mache mir wirklich Sorgen, Iron. Du nimmst mich nicht ernst“, grummelte Enya sauer zu ihrem Mann. „Ragnar ist dabei. Wenn er die Sache nicht in den Griff bekommt, wer dann?“ lachte Iron nun auch noch. „Ja ja … haut schon ab“. Enya machte eine wegwerfende Handbewegung. Auch die anderen Frauen schienen ähnlich unbefriedigende Gespräche mit ihren Männern zu führen die wohl allesamt in die falsche Richtung führten. Sie würden fahren, ob die Frauen nun zustimmten oder nicht. Das war Enya klar. Sie konnte nur hoffen und beten, dass alle gesund zurück kamen und diese Sache heil ablief. Was auch immer es letzten Endes für eine Sache war. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen was in diesem Fernsehstudio vor sich ging. Das Einzige was sie sich denken konnte, war dass es vermutlich tatsächlich nicht einfach nur ein technisches Problem war.

Während sie noch am überlegen war, hörte sie die dröhnenden Harleys der Männer. Sie fuhren also tatsächlich ins Ungewisse…

Kochstudio Ella King
Guten Abend meine lieben Kochshow-Freaks. Tut mir wirklich wahnsinnig leid, dass wir euch nun so stören müssen“, brummte eine tiefe Stimme im Studio umher. „Ihr werdet euch sicher fragen was genau wir hier von euch wollen. Dazu kann ich euch noch nicht so viel sagen, außer dass ihr erstmal Ruhe bewahren solltet. Andernfalls werden wir euch ruhen lassen.“ Der tiefe Bass in der Stimme des Mannes begann laut zu brummen. Schien so, als würde er seine Aussage äußerst lustig finden. „Ein Wortspielchen muss sein, meine lieben Köche und Köchinnen. Und jetzt legt euch fürs Erste mal alle auf den Boden. Ich will nicht, dass ihr mit euren Kochmessern nach mir wirft“, schon wieder begann der Typ zu lachen. Effi war völlig fassungslos. Was sollte das Ganze Theater hier. Sie hatte sich seit Monaten auf diese Show gefreut und nun sollte sie so enden? Völlig unmöglich, so ging das auf keinen Fall.

Das schien auch Jack so zu sehen, der vor Wut zu kochen schien. „Effi, leg dich hin und wenn ich dir ein Zeichen gebe, kriechst du in den Schrank unter dem Spülbecken. Du wirst dich etwas verrenken müssen, aber ich will dich aus der Schusslinie haben, verstanden?“, murmelte Jack ihr leise zu. Oh je, dachte Effi, in diesen Schrank kam sie nie und nimmer komplett rein. Aber versuchen konnte sie es ja mal. Allemal besser, als erschossen zu werden.

Jetzt!“, stieß Jack sie an. Effi war kaum an der Schranktür als Jack auch schon hochschoss und ein Messer in die Richtung des Mannes warf, der in das Studio eingedrungen war. Ein markerschüttender Schrei füllte den Raum und Effi war klar: Jack hatte ihn getroffen. Sie war froh darüber, denn arg lang würde sie in diesem Mini-Schrank nicht sitzen können.

Jack du Idiot, was soll denn dieser Scheiß. Warum wirfst du ein Messer auf mich?“, brummte der stämmige Mann los. „Drei Mal darfst du raten, Birdie, warum ich dir ein Messer in die Schulter schmeiße“, polterte Jack los. „Du kommst hier bewaffnet in die Show und machst einen auf dicke Hose und dann wunderst du dich wenn sich jemand zur Wehr setzt? Was soll die Aktion hier? Du bist doch sicher nicht allein? Wo ist dein Zwilling?“, stellte Jack ein Duzend Fragen und sorgte dafür für Verwunderung bei Effi. Es sind Leute von ihm? Seine Leute? Sinnierte sie in ihrem engen Gefängnis. Langsam ging ihr da drin die Luft aus.

Na das ist ja super gelaufen Bird, echt, dich kann man schicken!“, maulte eine andere Männerstimme nun lautstark. „Ich brauche einen Arzt, Mann!“, maulte Birdie zurück. „Na das hättest du dir eher überlegen müssen, bevor du dich abschießen lässt. Du kennst Jack doch“, lachte der andere nun. „Na das war ja klar, dass DU dahinter steckst, Andrew! Was soll die Aktion hier? Wollt ihr das die ganze Welt mitbekommt, was ihr für einen Mist baut?“, motzte Jack die beiden Angreifer an. „Die ganze Welt?“, lachte der andere nun, der etwas weniger brummig sondern eher freundlich klang, wie Effi auffiel. „Niemand bekommt da draußen was mit, die Kameras sind aus, genauso wie eure Herdplatten“, lachte Andrew. „Ich bin mir sicher, du weißt was ich möchte, Jack. Also her mit der Antwort und wir verschwinden von hier. Andernfalls ziehen wir die Sache hier noch ein wenig in die Länge und schauen mal wie deine kleine neue Freundin mit einem Messer in der Schulter aussieht, was hältst du davon Jack?“, fragte Andrew nun lachend.

Effi? Wieso um Himmels Willen weiß er denn von Effi. Hatte er den Beginn der Show gesehen? Das hatte er nicht eingeplant, in dem Fall aber gut, dass sie sich unsichtbar gemacht hatte. „Stell die Frage, Andrew, ich habe keine Ahnung was du hier zu suchen hast, verdammt noch mal“, maulte Jack ihn an und stellte sich breitbeinig vor ihn. „Wo ist sie?“, stellte Andrew nun seinerseits die Frage und das nun wesentlich knurriger als noch vor ein paar Minuten. „Von wem redest du? Ich bin hier um zu kochen und auf diese Show freue ich mich schon seit Monaten, also verpiss dich endlich damit wir hier weitermachen können!“, Jacks Wut nahm zu. „Sag mir wo deine Tochter steckt und ich gehe. Sie ist meine Frau und du musst sie nicht vor mir verstecken. Ich bin ihr Mann und bald der Vater unseres ungeborenen Kindes. Also raus damit: WO versteckt sie sich?“, polterte Andrew Jack entgegen. Von ihrem Schränkchen aus, konnte Effi sehen wie Jack blass wurde. Offensichtlich hatte er keine Ahnung von seiner baldigen Opa-Werdung. Leider hatte Effi ihr Handy in der Umkleidekabine gelassen die im Aufenthaltsraum für alle Teilnehmer eingerichtet war. Somit konnte sie keine Verstärkung holen und nur hoffen, dass alle Beteiligten eine gute Einigung fanden. Schien so, als ob die Tochter nicht mehr viel Lust auf ihren schrägen Ehemann hatte. Irgendwie konnte Effi das Mädchen verstehen. Sie musste eine von den beiden Töchtern sein, die Jack am Beginn des Abends erwähnt hatte.

Sie ist schwanger?“ fand dieser nun seine Stimme wieder. „Du blöder Idiot hast sie geschwängert? Melanie ist gerade mal 20 Jahre alt. Warum habt ihr nicht verhütet? Meine Güte, die Welt wird doch langsam echt bekloppt, ihr jungen Kerle wisst wie man das Internet lahm legt, aber wie man einen Gummi benutzt, davon habt ihr keine Ahnung?!?“, schrie Jack seine Wut heraus. Effi zuckte unweigerlich zusammen. Was das betraf hatte ihr Sohn sich immer vorbildlich verhalten. Noch gab es keine Kinder von ihm. Zumindest keine die sie kannte oder die sich bemerkbar gemacht hätten. Sie musste leise kichern. So langsam begann ihr die Geschichte hier zu gefallen. Es war schön mal die Seite eines Vaters kennen zu lernen, der alleine mit seinen Kindern klarkommen musste. So wie sie damals mit Turbo. Gespannt hörte sie weiter zu…

Äh ja, also“, wand sich Andrew und begann zu stottern. „Das war natürlich nicht geplant und natürlich haben wir verhütet, aber Meli brauchte irgendwann mal ein Antibiotikum und dann kam wohl eins zum andern… und die Pille hat wohl nicht mehr zuverlässig gewirkt, zumindest hat die Frauenärztin es uns so erklärt.“, rechtfertigte er sich. Jack atmete ein Mal tief durch bevor er auf Andrew zuging und ihn an der Schulter packte. „Dann geh jetzt und such sie, denn bei mir ist sie nicht gewesen. Ich wusste bis gerade eben auch nicht, dass ich im Begriff bin Opa zu werden. Und wenn du sie gefunden hast, gib mir Bescheid. Los jetzt raus aus diesem Studio bevor die Bullen kommen und euch mitnehmen. Mann das hättet ihr auch leichter haben können als hier einen Überfall zu starten“, maulte Jack ohne Unterbrechung und mit Wut in seiner Stimme. Andrew zog mit gesenktem Kopf ab und murmelte was von `doofe Idee Bird` vor sich hin. Er zog Birdie mit sich. Dieser war immer noch am jammern und hielt sich den linken Arm. Vermutlich mussten die beiden Kindsköpfe noch in einem Krankenhaus vorbei schauen bevor sie sich auf die Suche nach dem Mädchen machten. Effi war es gleich. Sie lugte langsam aus ihrem Gefängnis und sah in zwei leuchtend blaue Augen. „Komm raus, Effi. Sie sind weg.“ Jack streckte ihr seine Hand entgegen und lächelte sie an. Behutsam half er ihr aus dem engen Schrank. „Danke Jack. Auch dafür, dass du mich so geschützt hast“, lächelte Effi zurück. „Immer wieder gern!“ kam es von ihm und er drückte sie beherzt an sich. Zögerlich umarmte Effi ihn ebenfalls. Wie lange hatte sie schon keinen Mann mehr so eng an sich gespürt? Sie spürte wie ihr die Röte in die Wangen stieg und wartete gespannt was er nach dieser Umarmung machen würde. „Effi… ähm also, du hast ja gehört, dass es mein Schwiegersohn war, der die Show hier so rüde unterbrochen hat. Ich würde dich gerne zum Essen einladen als Wiedergutmachung, denn du hattest ja sicher Angst, genau wie vermutlich alle hier“, entschuldigend schaute er sie an. Dabei hatte er ja keine Schuld an der Situation. „Die beiden sind sehr jung und führen eine etwas explosive Beziehung. Leider konnte ich meiner Tochter diesen Kerl nicht aus dem Kopf reden und dass jetzt noch ein Kind kommt macht die Sache sicher nicht entspannter. Vermutlich ist sie zu ihrer besten Freundin geflüchtet als sie von der Schwangerschaft erfahren hat. Ich hoffe sie macht keinen Blödsinn bis Andi sie findet“, erklärte Jack ihr. „Also wenn du noch Lust auf ein näheres Kennen lernen hast, nach der Sache hier. Könnte ja sein, dass meine Familie dich nun nachhaltig abgeschreckt hat“, lächelte er ihr zu. „Du hast meine noch nicht kennen gelernt“, lache Effi und machte sich tatsächlich Gedanken wie diese erste Zusammenkunft wohl aussehen könnte. „Aber ja, ich würde sehr gerne mit dir essen gehen, Jack.“ „Das freut mich sehr!“ sagte er und gab ihr einen leichten Kuss auf die Wange. Er drückte noch kurz ihre Hand und ergriff dann das Wort an die immer noch recht verstört aussehende restliche Kochmannschaft. „Weiter mit der Show, Leute! Schlimmer kann es nicht mehr werden. Wir sollten schauen, dass wir noch ein paar gute Gerichte hinbekommen“, zwinkerte er den Leuten zu und in diesem Moment begannen auch die Kameras wieder zu blinken. Ebenso wurde das Licht wieder ganz angestellt. Andrew hatte nur einen leichten Lichtzug zugelassen, wohl damit ihn nicht gleich alle komplett auf dem Schirm hatten und später eine Täterbeschreibung abgeben konnten. Clever schien er ja zu sein. Naja, dachte Effi als sie sich wieder an ihre Töpfe begab, er hat sich ja nur Sorgen um seine Frau gemacht. Das konnte sie ihm also gut verzeihen. Sie lächelte und machte sich weiter an ihrem Gericht zu schaffen.

Doch sie hatte die Rechnung ohne ihre Familie gemacht. Keine Stunde später ging das Licht wieder aus… und ein lautes Gebrüll erfüllte den Raum… „MUM“, schrie ihr Sohn Turbo. Sie blickte sich um und sah, dass ihre Kochkollegen sich wieder auf den Boden legten. Ein wenig resignierter als vorher und auch weniger ängstlich, aber ein Automatismus hatte sich wohl schon eingeschlichen. Nun blickte sie zu Jack und sagte lachend: „Die Meute gehört dann wohl zu mir! Darf ich dir vorstellen: meine Familie!“

ENDE

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Susan`s Kurzgeschichtenwettbewerb

Wer von euch kennt den Fire Devils MC aus Dreamtown? Und wer von euch Lesern wünscht sich nicht manchmal, eine Geschichte selbst zu Ende zu schreiben? Also wer sich hier angesprochen fühlt, für den habe ich da was 😉
Katja von Katja`s Bücher und Rezepte und ich haben uns was Tolles für euch überlegt:

Auf ihrem Blog UND erstmals gleichzeitig bei Facebook wollen wir einen Kurzgeschichtenwettbewerb starten. Jeder der Lust auf sein ganz persönliches Happy-end hat, ist eingeladen mitzumachen. Keine Angst, wir erwarten keine perfekten Geschichten. Sie müssen weder lektoriert noch korrigiert sein. Wir freuen uns einfach auf eure Ideen und sind gespannt.
Damit ihr einen Einstieg habt, habe ich zwei Anfänge für euch geschrieben. Ihr habt also die Wahl. Endtweder ihr begleitet schreibtechnisch das Großmaul Hulk auf eine Dating Show (zu der ihn seine Kumpels spaßhalber und vor allem heimlich angemeldet haben), oder ihr spinnt eine zarte Liebesromanze für Effi, Turbos Mum. Schauplatz hierfür ist eine Kochshow.
Ich finde ja, dass beide einen Partner/ eine Partnerin verdient haben und bin sooo gespannt, für wen ihr euch entscheidet. Start wird der 31.01. sein und ihr habt genügend Zeit, euch etwas auszudenken. Solltet ihr Hilfe brauchen, wendet euch gerne an mich oder Katja. Die Regeln gibt´s auf ihrem Blog und auf Facebook in einer eigens dafür gegründeten geheimen Gruppe. Natürlich haben wir die beiden Anfänge für euch als Dokument zum herunterladen – ebenfalls bei Facobook oder bei Katja`s Bücher und Rezepte.

Ach, bevor ich es vergesse: Es gibt auch noch ein tolles Fire Devils Paket zu gewinnen. ALLE Teilnehmer bekommen die Chance auf eine Fire Devils Tasse, ein Mouspad mit dem Logo des MCs, ein Poster mit Jahreskalender und den neuen 6. Teil der Serie – BROKEN RULES Frisco und Alex als Taschenbuch.

Alles von Susan B. Hunt.

Liebe, die nicht nach Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht fragt.
Liebe, die ihren Weg findet.
Liebe, die alles erträgt.
Liebe, die stark macht.

Obwohl durchaus actiongeladen, manchmal grausam und voller Hindernisse – bei mir findet die Liebe immer ihren Weg. In jedem meiner Bücher geht es darum. Um dieses starke Gefühl, das uns himmelhoch jauchzen lässt oder zu Tode betrübt. Das aus Freunden Feinde macht, oder aus Fremden Liebende.

Für alle, die auf der Suche nach Lesestoff sind.

Kostenlose Leseprobe

Hier kommen Fans der Heroes – Reihe auf ihre Kosten.
Eine kleine Episode mit Ivy & Storm gibt es in *Sternschnuppennacht* für euch.
Diese Geschichte gibt es in allen gängigen eBook-Stores (z.B. bei BookRix im epub oder mobi – Format) und natürlich bei Amazon dauerhaft gratis.

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Nebelpfade – Valentin

»Zu schade«, seufzte Lili beim Frühstück. »Ich wollte eure Ärztin so gerne kennenlernen. Du hättest sie mitbringen sollen, Val.«
Thunder zwinkerte ihr zu. »Zum Glück ist sie nicht mitgekommen, sonst würdest du den ganzen Tag mit ihr über eure Arbeit reden und hättest keine Zeit mehr für mich und Maya.«
Lili stieß ihn an. »He, beschwerst du dich etwa? Dazu gibt es keinen Grund, mein Lieber! Es ist sehr ruhig im Moment. Keine Arbeit für mich …«
»Vielleicht besucht Juno euch zusammen mit ihrer Gefährtin, wenn ich zurück bin. Dank Blondie können wir ja alle völlig legal ausreisen.« Valentin grinste den blonden Krieger an.
Storm zwinkerte und schob seinen Stuhl nach hinten. »Lili, keine Bange, du wirst bestimmt nicht arbeitslos und wenn es nur die aufgeschlagenen Knie der Kids sind! Val, von mir aus können wir los.«
Valentin war begierig darauf, endlich etwas von der Stadt zu sehen und sprang sofort auf, um Storm zu folgen.
Ivy, die sich um den Schreibkram der gemeinsamen Firma kümmerte, wollte später nachkommen.
Die beiden Männer fuhren in Storms Mustang los. Das altmodische Auto zog viele Blicke auf sich, bemerkte Valentin amüsiert.
»Wurde höchste Zeit, Bruder, dass du dich endlich einmal bei uns sehen lässt«, sagte Storm schmunzelnd. Er mochte Valentin und hielt viel von dem Krieger. Val war sehr besonnen und hatte die Sache mit Ondraka wunderbar gemeistert. Es war nicht einfach gewesen, doch das Team in Sibirien bestand aus großartigen Menschen und Storm freute sich, sie alle seine Freunde nennen zu können.

Valentin lehnte sich zurück. »Es wurde wirklich Zeit. Jay und Ty haben mich geradezu gedrängt, euch endlich zu besuchen.« Er grinste. »Wahrscheinlich sind sie froh, mich ein paar Wochen loszuhaben. Und wer weiß, was mich bei meiner Rückkehr erwartet! Wahrscheinlich machen sie einen verdammten Bauernhof aus dem Anwesen«, meinte er trocken.

Storm schmunzelte. Er hatte schon mitbekommen, dass vor allem Zoe, Tyrons Gefährtin, ziemlich frischen Wind nach Ondraka gebracht hatte. Die große Eingangshalle des Hauptgebäudes glich Valentins Erzählungen nach inzwischen einem Dschungel. Der Glasbau wurde sehr bald von der Gärtnerin in Beschlag genommen. Nicht nur Unmengen exotischer Pflanzen, sondern auch riesige Voileren mit allerlei bunten Vögeln, hatten dort ein Zuhause gefunden.
»Schön, dass Zoe sich so gut eingelebt hat. Sie hatte es ja auch nicht leicht. Was macht Daryl?«, fragte er.
»Oh, er und Ty verstehen sich richtig gut. Die beiden stecken den ganzen Tag zusammen. Zoes Bruder ist ein toller Kerl. Er packt unaufgefordert mit an und hat sich wunderbar in die Familie integriert.«
Storm kannte Zoe und Daryl von seinem letzten Besuch. Auch wenn es schon zwei Jahre her war. Er hatte noch immer das Bild vor Augen, als die beiden von ihrem jüngeren Bruder Abschied nehmen mussten.
»Das freut mich für ihn. Er war mir gleich sympathisch und ich sehe, ich habe mich nicht getäuscht. So, da sind wir. Darf ich vorstellen, unser bescheidenes Domizil!« Storm grinste, als Valentin sprachlos auf die Fassade des heruntergekommenen Gebäudes schaute.
»Lass dich nicht täuschen. Innen ist alles vom Feinsten. Weißt du, wir fanden es besser, nicht zu protzen. Schließlich verdienen wir unser Geld nicht damit, reichen Säcken den Weg für ihre Machenschaften freizuräumen. Im Gegenteil. Meist sind es eben diese reichen Scheißkerle, die wir am Arsch kriegen wollen. Offiziell sind wir eine kleine Sicherheitsfirma. Inoffiziell löschen wir da, wo es brennt! Komm mit. Hunter ist schon da.«
Valentin stieg aus. Storm hatte recht. Das, was sie im Untergrund taten, bedurfte keiner Luxusbude als Visitenkarte. Außerdem war er sicher, dass zumindest das technische Equipment sogar den amerikanischen Geheimdienst erblassen lassen würde. Nachdem sie die quietschende Holztüre aufgestoßen hatten, gelangten sie über eine schmutzige, durchgetretene Treppe in den ersten Stock. Dort sicherte ein biometrischer Scanner den Eingang. Blondie hantierte kurz herum und bat Valentin, seine Handfläche auf das Display zu legen. »So, dein biometrischer Code ist drin, das heißt, du hast ungehindert Zugang, Bruder«, sagte er zufrieden.
Natürlich hatte sich Val nicht getäuscht. Es blinkte und piepte. Monitore in allen Größen reihten sich an den Wänden und mittendrin stand Hunter. Als sie eintraten, drehte er sich um. »Wir haben einen neuen Auftrag für eine Objektüberwachung, Storm«, meldete er und runzelte die Stirn. »Keine Ahnung, wie die auf uns kommen, aber irgendwie kommt mir das komisch vor.«
Storm forderte Valentin auf, sich umzusehen und ließ sich von Hunter den Auftrag zeigen. Er runzelte die Stirn. Ein Geburtshaus! Das war in der Tat merkwürdig. Es handelte sich um eine staatlich geförderte Einrichtung für Frauen, die ihre Kinder anonym zur Welt bringen wollten und sie danach zu Adoption freigaben.
An sich war das eine gute Sache. Storm war der Meinung, dass es allemal besser war, als ungewollte Kinder in Toiletten zur Welt zu bringen, um sie dann wie Müll wegzuwerfen. Doch weshalb ein solches Haus einen Sicherheitsdienst beauftragte, war ihm ein Rätsel.
Egal. Wenn jemand um Schutz bat, würden sie ihn gewähren.
»Am besten du siehst dir das einmal an und dann besprechen wir die Einsatzpläne, Hunter«, wies Storm seinen Bruder an.
Valentin, der sich für ein paar Monate frei genommen hatte, brannte darauf, sich hier nützlich zu machen.
»Ich hätte nichts gegen einen anständigen Kampf«, seufzte er. »Mein Leben ist ziemlich langweilig im Moment.«
Blondie grinste. »He Kumpel. Keine Bange, bei uns wird dir die Langeweile vergehen. Wenn du dich fit genug fühlst, kannst du heute Abend den Bodyguard für eine reiche, ältere Lady spielen. Smoking und gute Tischmanieren sind allerdings Voraussetzung!«
Val boxte den blonden Krieger spielerisch in die Seite. »Was soll das heißen, willst du etwa andeuten, ich hätte keine Manieren?«, feixte er. Dann zog er eine Grimasse. »Aber ich weiß nicht … Bodyguard für eine alte Lady?«
Hunter konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. »Wir alle hatten schon das Vergnügen mit Mrs. Stillwell auszugehen. Sie ist sehr anspruchsvoll und für ihr Alter ziemlich rüstig. Es handelt sich um die Witwe des wohl großzügigsten Gönners der Stadt. Durch seine Spenden wurden zahlreiche soziale Einrichtungen gebaut und gefördert. Sie hat von Mitgliedern ihrer Familie ein paar Drohungen erhalten. Sie befürchten wohl, wenn die alte Lady stirbt, geht das gesamte Vermögen an gemeinnützige Zwecke«, klärte Hunter ihn auf.
»Genau. Und weil Mrs. Stillwell Angst um ihr Leben hat, engagiert sie ab und zu einen von uns. Meist sind es irgendwelche Wohltätigkeitsveranstaltungen, die sie besucht. Ansonsten hat sie ein eigenes Sicherheitsteam, das sie schützt«, ergänzte Storm.
Valentin überlegte. Hatte er einen Smoking dabei?
Ohne auf die hämischen Gesichter seiner Freunde zu reagieren, sagte er zu deren Überraschung: »Okay. Ich bin dabei. Wenn mir einer von euch einen Smoking leiht …«
Storm musterte ihn kurz und nickte. »Meiner könnte dir passen. Wenn du dir sicher bist, dass du den Job machen willst, leihe ich ihn dir gerne.«
Während Hunter und Blondie noch ein paar Termine und Aufträge diskutierten, sah sich Valentin ein wenig um. Seine Gedanken waren schon bei dem heutigen Abend. Irgendwie freute er sich darauf. Eine ältere Dame zu einer Charity-Veranstaltung zu begleiten, war doch mal was anderes. Wobei Spannung wahrscheinlich das Letzte war, das ihn dort erwartete.
Als er und Storm zurückfuhren, tat er einfach so, als würde er Hunters amüsiertes Grinsen übersehen, der ihm viel Spaß wünschte.

Donnergrollen – Tyron

Juno setzte Ty vor dem Gebäude der Gärtnerei ab. Die Sicherheitsfirma, die sie aufsuchen wollte, lag im Zentrum der Stadt, während Tyrons Ziel noch in einem Vorort Moskaus lag. Später wollten sie sich wieder treffen.
Der Krieger betrat die Gärtnerei durch ein gewaltiges Gewächshaus, in dem ihm schwülwarme Luft entgegenschlug. Zwischen allerlei exotischen Pflanzen, die auf Tischen standen und in Blumenampeln an Querstangen herunterhingen, stand er eine Weile da und wartete. Außer Vogelgezwitscher, das aus großen Käfigen kam, war nichts zu hören. Eine bunte Vogelschar tummelte sich darin. Ty musste zugeben, dieses Glashaus verströmte eine ganz besondere Atmosphäre. Langsam schlängelte er sich einen schmalen Gang entlang und sah sich aufmerksam um.
Ein leises Knurren stoppte ihn. Vor einer Tür, die scheinbar nach draußen führte, lag auf einer alten Decke ein Hund, der ihn warnend ansah. Ganz langsam erhob er sich und fletschte bedrohlich die Zähne.
»He, Kumpel. Wer wird denn hier gleich so aggressiv sein?« Tyron sprach mit beruhigender Stimme auf das Tier ein und trat näher. Eine Hand ausgestreckt und ohne Hast ging er weiter auf das Tier zu.

»Das würde ich nicht tun!«, rief eine Stimme hinter ihm.
Er drehte sich um und sah eine junge Frau auf sich zukommen. Sie war in einen grünen Overall gekleidet, der ihr viel zu groß war. Er ließ nichts von ihrer Figur darunter erahnen. Ihre Hände starrten vor Dreck, und sogar in ihrem Gesicht hatte sie Erde verschmiert.
Er grinste schelmisch. Was er sah, gefiel ihm. Keine Schicki-Micki-Tussi, sondern eine Frau, der Dreck unter den Fingernägeln nichts auszumachen schien.
»Haben Sie Angst um mich, oder um Ihren Hund?«, fragte er spitzbübisch.
»Wohl eher um Sie«, gab sie trocken zur Antwort. »Shy mag Männer nicht besonders. Und da sie eine enorme Bisskraft hat, ist es wohl besser, Sie kommen ihr nicht zu nahe.«
»Shy? Ein ungewöhnlicher Name für einen Hund. Schüchtern sieht sie mir nicht aus«, sagte Tyron in leichtem Plauderton.
Die junge Frau schnaubte. »Ihr vollständiger Name ist Shyhama Inisha Toranga. Sie ist ein …«
»Tosa Inu«, fiel er ihr ins Wort. »Ein japanischer Kampfhund. Eine der seltensten Rassen der Welt.«

Jetzt wurden ihre Augen groß und sie zog ihre Nase kraus, was ihre Sommersprossen, die sie zuhauf im Gesicht hatte, lustig tanzen ließ. »Woher …?«
»Woher ich das weiß?«, beendete er ihre Frage.
Er amüsierte sich gerade köstlich, denn sie schien ziemlich überrascht zu sein über sein Wissen. Innerlich grinste er. Die hübsche Frau vor ihm hatte anscheinend Mühe, ihre Neugierde unter Kontrolle zu halten.
Schließlich nickte sie und wartete gespannt auf seine Antwort.
Die Hündin hatte sich inzwischen wieder auf ihrem Platz niedergelassen und folgt aufmerksam ihrer Unterhaltung.
Tyron konnte die junge Frau aufklären, doch zuerst wollte er wissen, mit wem er es zu tun hatte.
Freundlich hielt er ihr seine Hand hin. »Ich bin Tyron«, stellte er sich vor.
Zögernd griff sie danach und schien zu überlegen, ob sie ihm ihren Namen nennen sollte.
»Zoe«, kam es dann kurz und knapp.
Sie war so süß! Ihr rotblondes Haar hatte sie zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden und fransige Ponysträhnen hingen ihr wirr in die Stirn. Hellgrüne strahlende Augen sahen ihn forschend an und tausende von Sommersprossen zierten ihr Gesicht. Aber nicht nur dort, bemerkte er belustigt. Auch an ihren Armen zeigten sich Unmengen der kleinen Punkte.
»Ich warte …!«, erinnerte sie ihn daran, dass er ihr noch eine Antwort schuldig war.
»Ein Freund von mir hatte einen Cane Corso. Einen italienischen Hund. Diese Rasse ist auch relativ selten. Leider kannte ich Caio nicht persönlich. Doch er muss ein Traumhund gewesen sein.« Ty zuckte mit den Schultern. »Ich habe mich einfach ein wenig informiert, weil es mich interessiert hat. Dabei bin ich auch auf die Tosa Inu gestoßen.«
Zoe sah ihn ein wenig skeptisch an. Sollte sie ihm das glauben? Andererseits, warum sollte er sie anlügen?
Sie beschloss vorsichtig zu bleiben, auch wenn ihr der Typ gefiel. Sein Lächeln war ansteckend. Seine Haut hatte die Farbe von Milchkaffee und das Haar war wirklich freakig. Viele bunte Zöpfchen rahmten sein attraktives Gesicht ein.
»Caio? War das der Name des Hundes?«, fragte sie, um die Stille zu unterbrechen.
Tyron nickte. »Wahrscheinlich hatte er auch einen unaussprechlichen Namen, der aus mehreren Wörtern besteht. Storm hatte ihn zumindest Caio getauft. Ist glaube ich italienisch.«
Zoe rieb sich die Hände an ihrem Overall ab und fragte dann: »Warum bist du hier? Kann ich dir irgendwie helfen?«
Da war es wieder. Dieses Misstrauen, das Ty von Anfang an gespürt hatte. Gab es einen Grund, weshalb sie Fremden gegenüber misstrauisch war, oder war sie es generell?
»Oh. Das hätte ich glatt vergessen. Entschuldigung. Ich möchte mit dem Chef sprechen. Es geht um einen Auftrag«, beeilte sich Tyron zu erklären.
»Du stehst vor ihm!«, sagte sie trocken.
Jetzt war er wirklich überrascht. Mit einer Chefin hatte er nicht gerechnet. Natürlich hatte er kein Problem damit, im Gegenteil. Das hieß also, er musste mit ihr verhandeln – irgendwie gefiel ihm die Vorstellung.
»Ein Auftrag?«, fragte sie, nachdem sie sein überraschtes Gesicht spöttisch belächelt hatte.
Ty nickte und erklärte ihr, um was es ging. Es gefiel ihm, dass sie sofort professionell bei der Sache war. Sie vereinbarten einen Termin, an dem Zoe sich das Gelände ansehen wollte, und verabschiedeten sich mit Handschlag.
Als er die Gärtnerei verließ, freute er sich auf ein Wiedersehen.
Juno hatte ihm eine Nachricht geschickt. Sie hatte ihren Auftrag schneller als gedacht erledigen können und würde ihn in wenigen Minuten abholen.
Während er auf sie wartete, sah er sich noch ein wenig um. Der Zaun, der die Anlage umfasste, war mit Efeu bewachsen, aber an einigen Stellen konnte man hindurchsehen. Tyron betrachtete zwei junge Männer, die dabei waren einen großen Teich zu reinigen.
Er überlegte, ob einer der beiden Zoes Partner war.
Aber was ging ihn das eigentlich an?
»Was grinst du so vor dich hin?«, fragte Juno, als er einstieg.
»Ich? Ach, nur so«, antwortete er schnell und bemühte sich, das Gesicht aus seinem Kopf zu bekommen, das ihm ständig darin herumspukte. Viele tanzende Sommersprossen auf einer süßen Stupsnase …

Auf ein fantastisches 2015

Ich hoffe ihr seid alle unfallfrei ins neue Jahr gerutscht.
Euch und euren Lieben wünsche ich für 2015 viel Glück, Gesundheit und vor allem Zeit für das, was ihr liebt ❤
Trennt euch von dem, was euch runterzieht und genießt das, was euch gut tut.

Habt ihr euch irgendetwas vorgenommen??? Anscheinend gibt es Menschen, die einen Jahreswechsel brauchen, um sich irgendetwas vorzunehmen, das sie dann sowieso nicht einhalten …
Also ich werde NICHT aufhören zu rauchen 😉 und schon GAR NICHT aufhören zu schreiben.
In diesem Jahr wird es zwei weitere Kurzgeschichte rund um die Welt der Heroes geben. Tyron steht quasi schon in den Startlöchern und Valentin soll auch nicht mehr lange ohne Seelengefährtin bleiben.

Kato, mein Sunwalker, der den Planeten EVERSUN retten muss, wartet ungeduldig darauf, dass ich seine Geschichte endlich fertig erzähle. Ein wunderbares Cover dazu gibt es schon!
Ich hoffe, ihn euch im Frühjahr präsentieren zu können.
Vielen Dank, dass ihr mich so zahlreich in 2014 begleitet habt.

Alles Liebe eure Susan

HEROES Adlerschwingen – Jay

Adlerschwingen - Jay
Adlerschwingen – Jay

Der Adler zog seine Kreise und wagte sich nahe heran. So tief es ihm möglich war, flog er mit kräftigen Flügelschlägen, um dann wieder im Aufwind elegant zu gleiten.
Seine Augen waren die eines Jägers. Jede Kleinigkeit nahm er in sich auf und speicherte sie.
Einige der Wächter betrachteten den großen Raubvogel mit Argwohn. Es war ungewöhnlich, dass ein Tier sich den oberirdischen Gebäuden so weit näherte.
Noch griffen sie nicht ein, obwohl es den ein oder anderen in den Fingern juckte, den Adler vom Himmel zu holen.
Überhaupt war das Team irritiert. Seit Tagen gab es keine Nachricht vom Boss. Prokojev war in die Vereinigten Staaten aufgebrochen und hatte das Kommando an Igor übergeben. Der Russe war schon lange in Ondraka und sollte Tristans Nachfolger werden. Seit der STS-Krieger zusammen mit den anderen Mitgliedern des Special-Teams spurlos verschwunden war, hatte Igor das Sagen. Der ehemalige Boxchampion war ein brutaler Verfechter von Diktatur. Die Männer unter ihm stöhnten, als sie erfuhren, dass er ihnen jetzt Befehle erteilen würde. Dagegen aufzubegehren kam ihnen jedoch nicht in den Sinn. Alle warteten darauf, dass Prokojev wiederkam.
»Das Vieh kreist ständig über uns! Es macht mich nervös«, knurrte der diensthabende Wächter seinem Kollegen zu.
»Mich auch, wenn der nicht bald verschwindet, schieße ich ihm ein Loch in die Flügel. Mal sehen, wie lange er sich dann noch oben halten kann.« Die beiden Männer lachten und klopften sich auf die Schenkel. Gegen ein wenig Abwechslung hätte keiner etwas einzuwenden.
Als über ihre Ohr-Komm-Verbindungen Igors barsche Stimme dröhnte, nahmen die Wächter automatisch eine stramme Haltung ein.
Gut. Die Wachablösung sollte in wenigen Minuten stattfinden und danach hieß es antreten zu einer Besprechung.
»Los! Wer von uns den blöden Geier am schnellsten runterholt!«
Schon legte der Wächter an, und bevor sein Kollege reagieren konnte, zog er den Abzug durch. Ein lautloser Laserstrahl traf Arrows rechte Schwinge. Ein Ruck ging durch den Körper des mächtigen Vogels und er kam ins Trudeln. Heftig mit den Flügeln schlagend kämpfte der Adler darum, die Höhe zu halten und drehte ab.
»Bist du irre?«, herrschte der Wächter den Schützen an. Dieser grinste, zuckte mit den Schultern und antwortete lapidar: »War doch nur ein kleiner Spaß!«
Die Wachablösung kam und die Männer verloren kein Wort über den Schuss auf den Adler. Inzwischen war er wohl längst irgendwo gelandet. Egal. War nur ein Tier. Wen kümmerte es schon, was mit ihm passierte?«

*

Jay zuckte zusammen und seine Hand fuhr an seine Brust. Genau an die Stelle, wo Arrow sonst saß. Jetzt war seine Haut nackt und unverziert. Der Adler war auf Erkundungstour. Doch irgendetwas stimmte nicht. Der Krieger spürte es, konnte es jedoch nicht beschreiben.
Tyron, der neben ihm saß, hob fragend eine Augenbraue.
»Was ist los?«
»Keine Ahnung. Ich habe ein ganz komisches Gefühl …«
Jay sprang auf. Er begann nervös umherzulaufen, bis Juno ihn anschnauzte: »Du machst mich ganz kirre!!! Kannst du dich nicht hinsetzen? Von deinem Herumgelaufe geht die Zeit auch nicht schneller vorüber.«
Jay antwortete nicht, blieb aber abrupt stehen und nur an seinem Blick war zu erkennen, wie besorgt und gleichzeitig wütend er war.
Valentin seufzte. Die ganze Situation war äußerst unbefriedigend. Zum Abwarten gezwungen, waren bei allen die Nerven ziemlich angespannt. Juno, die am liebsten einfach drauf losstürmen würde und alles niederstrecken, was sich ihr in den Weg stellte. Tyron, der darauf brannte, endlich das zu tun, wofür er geschaffen wurde – kämpfen! Jay, der sich anscheinend Sorgen um seinen Adler machte. Zu guter Letzt er selbst, Valentin. Der Krieger, der in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahrte, aber diesmal große Zweifel hegte. Waren sie zu überstürzt aufgebrochen? Hatten die Freunde zu schnell verlassen? Was gäbe er jetzt darum, mit Thorn und Thunder einen wohl überlegten Plan zu schmieden und in Ruhe entscheiden zu können. Doch es half nichts. Sie waren hier, sie hatten nicht die Unterstützung ihrer amerikanischen Freunde, und sie mussten abwarten, bis Arrow zurückkam.
Gerade als er Juno bitten wollte, sich zurückzuhalten, sah er aus dem Augenwinkel, wie Jay zusammenfuhr, sich die Brust rieb und ein schmerzverzerrtes Gesicht machte.

HEROES Jägerherz – Hunter

LESEPROBE:

Stella kauerte hinter dem großen Getränkekühler in der Ecke der Küche. Wortfetzen drangen aus dem Gastraum zu ihr. Die eingeschüchterte Stimme ihrer Tante Donna war kaum zu verstehen, dafür um so mehr die der Schutzgelderpresser. Die junge Frau hatte Angst. Woche für Woche bekam sie mit, wie ihr Onkel Angelo erpresst wurde. Er und seine Frau führten das angesagteste italienische Restaurant in der Stadt. Filmstars gingen ebenso ein und aus, wie einflussreiche Politiker.
Das LA PICCOLA STELLA war jeden Abend brechend voll und ohne vier Wochen im Voraus zu reservieren, hatte man keine Chance einen Tisch zu bekommen.
Donna und Angelo Salazzo hatten sich mit dem Restaurant einen Traum erfüllt und sie arbeiteten hart dafür.
Heute war Ruhetag. Wie jeden Montag wurde gründlich geputzt und gewienert, umdekoriert und Großbestellung aufgegeben. Stella, die ihre Eltern bei einem Autounfall verloren hatte, und Tiermedizin studierte, arbeitete Teilzeit im LA PICCOLA STELLA. Das Restaurant war nach ihr benannt. Der kleine Stern.
Angelo und Donna hatten keine eigenen Kinder und kümmerten sich nach dem tragischen Tod ihrer Eltern rührend um die damals Sechzehnjährige.
Lautes italienisches Palaver war zu hören und dann kreischte Donna schrill.
Die junge Frau hielt den Atem an und zuckte zusammen, als zwei Schüsse fielen. Eine ganze Weile wagte sie nicht, sich zu bewegen. Gefühlte Stunden später, als die schweren Schritte verklungen und alles totenstill war, traute Stella sich hinter ihrem Versteck hervor. Sie atmete tief durch und versuchte ihr Zittern unter Kontrolle zu bekommen.
Vorsichtig setzte sie einen Schritt vor den anderen. Angstvoll schlug ihr Herz hart gegen die Rippen. War diesmal der Streit mit der Schutzgeldmafia eskaliert? Angelo wehrte sich schon so lange gegen diese Bande und musste letztendlich immer schweren Herzens viel Geld bezahlen, damit sein Restaurant und seine Familie verschont blieben.
Zähneknirschend schwor er sich jedes Mal, dagegen aufzubegehren. Donna bat ihn jedoch immer wieder, zu bezahlen. Sie hatte Angst vor dieser Mafia und litt sehr darunter, dass ihr Lebenswerk regelmäßig heimgesucht wurde.

Stella stieß die Tür zum Restaurant auf.
Als ihr Gehirn realisierte, was ihre Augen sofort erfassten, schlug sie sich die Hand vor den Mund, um nicht zu schreien.
Angelo und Donna lagen nebeneinander hinter dem Tresen. Blutverschmiert und mit verrenkten Gliedern. Ihre starren Augen blickten trüb ins Leere.
Die junge Frau rannte zur Toilette, um sich zu übergeben.
Während sie ihren Mageninhalt in die Schüssel entleerte, tropften dicke Tränen aus ihren Augen.
Nun war sie wirklich alleine. Onkel und Tante waren tot. Die beiden waren so herzlich gewesen und sie liebte sie so sehr. Jetzt hatte sie niemanden mehr.
Erschöpft sank sie auf den Fliesenboden und weinte.
*
Storm betätigte die Freisprechanlage in seinem schnittigen Camaro. »Kleines, was gibt es?«, fragte er. Da er gerade erst das Büro verlassen hatte, in dem Ivy noch ein bisschen Papierkram erledigen wollte, musste es etwas Dringendes sein, wenn sie ihn anpiepste.
»He Blondie! Gerade eben kam ein Notruf herein. Du weißt schon … über dieses schlaue Gerät, das uns die Gespräche von den Notsäulen ins Büro leitet.« Ihre Stimme klang ernst.
»Um was geht es denn?« Storm war ganz Ohr. Ivy würde ihn nicht wegen einer Lappalie kontaktieren. Der Computer, der die Notrufe bei den Cops aufzeichnete, war ein ausgeklügeltes System, das ihm und seiner Gefährtin schon mehr als einmal Anlass zum Handeln gegeben hatte.
»Schutzgelderpressung«, war Ivys knappe Antwort.
Das war interessant. Er forderte sie auf, ihm den Mitschnitt des Notrufs zu schicken und versprach ihr, sich sofort um die Details zu kümmern.
Seitdem er und seine Brüder keinen offiziellen Auftraggeber mehr hatten, war das Leben der Männer sehr ruhig geworden. Storm jedoch war ein Krieger. Geschaffen um zu kämpfen und keiner Gefahr aus dem Weg zu gehen. Zusammen mit Ivy, der kleinen Kriegerin aus der Zukunft, wollte er seinem Dasein einen Sinn geben und gründete einen Sicherheitsdienst. Der blonde Hüne besaß als einziger der Männer eine Identität und mietete ein Büro in der City an. Von dort aus bot er Schutzdienst, Gebäudebewachung und diverse andere Dienstleistungen an. Das Geschäft lief gut. Doch die wirklich interessanten Fälle waren die, für die es keinen offiziellen Auftrag gab. Überall da, wo die Cops versagten oder die Dringlichkeit eines Verbrechens schlichtweg unterschätzten, schlugen er und seine Brüder zu.
Gnadenlos hoben sie Drogendealer aus, richteten Kinderschänder und schützten hilflose Personen. Das war etwas, dass dem Leben der Krieger einen Sinn gab. Manch eine Schlagzeile in der Presse war den unbekannten Rächern gewidmet. Das Vermögen, das sie besaßen, ermöglichte es ihnen, im Namen der Gerechtigkeit zu operieren.
Während er den Wagen beschleunigte, tippten seine Finger eifrig auf der Tastatur des Monitors herum. Ja! Das war es, wofür er lebte. Schweinen wie dem chinesischen Mafia-Boss Chan Ko, oder dem Russen Prokojev das Handwerk zu legen, befriedigte ihn zutiefst. Dass er über ein paar außergewöhnliche Fähigkeiten verfügte, machte die ganze Sache natürlich um einiges leichter.
Ein warmes Gefühl machte sich in ihm breit, als er an seine Gefährtin dachte. Ivy gefunden zu haben war das Beste, was ihm passieren konnte. Er liebte diese Frau von ganzem Herzen. Sie hatte seine Zerrissenheit geheilt, den Dämon in seinem Inneren gezähmt und ihn zu einem glücklichen Mann gemacht.
Das große Anwesen kam in Sicht und er drosselte die Geschwindigkeit. Es war ein herrlicher Frühsommertag, und als das Tor aufschwang, sah er, dass Hunter im Garten mit den Kindern tobte.
Es war Leben ins Haus gekommen. Neben Hope waren zwei weitere Kinder geboren worden. Cara und Thorn hatten einen Sohn, dem die beiden in Gedenken an Rock den Namen Rocco gaben. Nur ein paar Monate später erblickte die kleine Maya das Licht der Welt. Thunder und Lilis Baby.
Thunder, der schwarze Riese, hütete seine Tochter wie seinen Augapfel, doch einem guten Kampf für Gerechtigkeit war er nie abgeneigt. Auch wenn er ein zärtlicher Gefährte und Vater war, wer ihn zum Gegner hatte, bekam ein Problem. Storms Partner in so vielen Einsätzen war immer noch ein Mann, den man gerne an seiner Seite wusste, wenn es brenzlig wurde.

Hunter grinste, als Rocco auf ihn zugelaufen kam. Einladend ging er in die Hocke und breitet seine Arme aus. Mit einem Juchzen rannte der Kleine ungelenk auf ihn zu und ließ sich in die starken Arme des Kriegers fallen.
Thorn und Cara sahen von der Terrasse aus zu und lächelten. Es war einfach wunderbar zu sehen, wie Hunter sich um die Kinder sorgte und mit ihnen umging.
»Ist es nicht ein Wunder?«, fragte Cara, während sie sich an Thorn schmiegte.
Der hochgewachsene Mann schlang die Arme um seine Gefährtin und antwortete: »Das ist es in der Tat! Sieh dir unseren Sohn an. Er ist ganz vernarrt in Hunter. Ich bin froh, dass er bei uns geblieben ist. Ich liebe diesen großen, starken Kerl.«
Cara wusste genau, was Thorn damit sagen wollte. Für ihn war Hunter die Reinkarnation seines Bruders und Kampfgefährten Rock, der auf tragische Weise ums Leben kam. Wenn es auch anfangs große Schwierigkeiten mit dem sibirischen Krieger gab, dank Jakes Entwicklung eines Frequenzumwandlers war er keine Gefahr mehr für die Kinder im Haus. Die Technologie machte es Hunter möglich die Geräusche zu ertragen, die ihn noch wenige Monate zuvor ausrasten ließen. Babygeschrei hatte ihm höllische Kopfschmerzen bereitet und bewirkt, dass er völlig von Sinnen war. Hope war dadurch in große Gefahr geraten.
Inzwischen aber waren bereits zwei Jahre vergangen und Hunter war zu einem Familienmitglied und Bruder geworden.