November-Blues?

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XXL Leseprobe für Unentschlossene

DARK HOURS Hulk und Claire
(Der Fire Devils MC 8)

Hulk
Bei dem Versuch, meinen Kopf zu heben, blitzte es hinter meinen geschlossenen Lidern. Ein unbeschreiblicher Schmerz durchzuckte mich. Ich stöhnte auf. Mein Schädel dröhnte und mein Körper fühlte sich an, als hätte ihn jemand mit Sandsäcken beschwert.
Ich war tot!
Fühlte sich tot sein so an?
Definitiv konnten Tote nicht stöhnen. Oder hören …
»He, Arschloch!«
Jemand stieß mich an.
»Ist er wach?«, hörte ich eine andere Stimme fragen.
»Keine Ahnung, Boss. Das Weichei verträgt weniger, als ich dachte. Aber ein Eimer kaltes Wasser wird ihn schon aufwecken.«

Ich steckte in Schwierigkeiten.
Großen Schwierigkeiten. Fuck!
»Wenn er nicht sofort zu sich kommt, können wir ihn gleich in Säure einlegen …«
»Untersteht euch! Er schuldet mir Geld. Wenn ihr ihn verschwinden lasst, sehe ich keinen verdammten Cent davon.«

Langsam dämmerte es mir. Immer noch unfähig, mich zu bewegen, begann zumindest mein Gehirn wieder zu arbeiten. Ich hatte die halbe Nacht im Casino verbracht.
Hatte gespielt, gewonnen, verloren … und weiter gespielt.
Das nächste Mal gewinnst du wieder, hatte ich mir selbst gesagt. Ganz bestimmt!
Hände packten mich und zerrten mich hoch. Es würde mir nichts nutzen, wenn ich weiter den Toten mimte. Unter größter Anstrengung gelang es mir endlich, die Augen zu öffnen.

»Na, wer sagt’s denn? Da ist er ja!«, brummte ein Kerl im schwarzen Anzug.
Ich sah in das Gesicht eines Schlägertypen. Das erkannte ich sofort. Keine Gnade in seinen Augen. Ein Mann, der ohne zu zögern seine großen Hände um meinen Hals legen würde, um mich zu erwürgen. Ich steckte knietief in der Scheiße!

Ein anderer Mann schob sich in mein Gesichtsfeld. Auch er sah nicht aus, als könnte man mit ihm kuscheln.
»Du hast einen Kredit beansprucht. Schon vor drei Tagen«, knurrte er. »Die Kohle ist fällig, Kumpel. Mit Zinsen!«

»Ich … ich bezahle. Ich schwöre …«, krächzte ich und hasste es, wie jämmerliche meine Stimme klang.
Ein höhnisches Lachen war seine Antwort. »Und wie, wenn ich fragen darf? Du warst in den letzten Tagen nicht gerade der Gewinner. Die Zinsen haben sich verdoppelt. Und mit jedem Tag, den ich auf mein Geld warten muss, erhöht sich die Summe um weitere fünfzig Prozent.«

Clubhaus der Fire Devils, Dreamtown
»Kann mir jemand sagen, wo dieser verdammte Scheißkerl Hulk sich herumtreibt?«, knurrte Iron und blickte in die Runde. Ratlose Gesichter sahen ihm entgegen.
»Das darf doch nicht wahr sein. Kann der Arsch nicht einmal im Leben pünktlich sein?«, wetterte der Pres weiter.

Frisco raunte Navy, der neben ihm saß zu: »Keine Ahnung, was mit Hulk los ist, aber in letzter Zeit lässt er es ziemlich krachen, findest du nicht.«
Navy nickte bestätigend. »Ich mache mir langsam Sorgen um ihn. Er ist unpünktlich und unzuverlässig geworden. Ganz zu schweigen davon, dass er auch noch beschissen aussieht.«
»Ist mir auch schon aufgefallen. Alex meinte sogar, dass alles Make-up dieser Welt nicht ausreichen würde, um seine Augenringe zu überschminken.«
Navy gab ein zustimmendes Grunzen von sich, was sofort Irons Aufmerksamkeit erweckte. »Findet ihr das witzig?«, fragte er angepisst und blickte demonstrativ auf seine Armbanduhr.
»Wozu brauchst du ihn so dringend?«, fragte Dave.
»Er sollte mit Enya und den Zwillingen zum Arzt fahren. Und wenn er nicht sofort hier aufschlägt, kann ich meinen Termin mit dem Architekten knicken.«
»Ich kann das übernehmen. Echt, Mann, ich mach das gerne«, sagte Dave.
Iron sah erleichtert aus. Er wusste, dass Frisco und Navy gleich ihren Dienst im Red Velvet antreten mussten und sein eigener Termin war wichtig. Allerdings hatte er Enya versprochen, dass einer der Jungs sie zum Kinderarzt begleiten würde. Nicht nur, weil es schwierig genug war, mit zwei Kleinkindern vom Parkplatz zur Arztpraxis zu laufen, sondern auch, weil er seine kleine Familie ungern allein in der Stadt wusste.
»Danke Dave. Wenn ich nicht diesen Termin hätte, würde ich Enya selbst begleiten …«
»Kein Problem, Pres. Ich weiß: Das Bikes & Dreams«, antwortete der Biker, schnappte sich seine Jacke und machte sich auf den Weg.

Navy fragte: »Glaubst du, dass die Stadt uns das genehmigt?«
Er spielte auf den geplanten Wiederaufbau der Kneipe an, die damals durch eine Bombe in Schutt und Asche gelegt worden war.
Iron machte eine vage Kopfbewegung: »Ich hoffe es. Der Bürgermeister hat bereits zu verstehen gegeben, dass er uns keine Steine in den Weg legt. Allerdings muss der Antrag noch bei der Stadtratssitzung durchgewunken werden.«
Blood klopfte seinem besten Freund aufmunternd auf die Schulter. »Das wird genehmigt. Keine Sorge. Wenn wir Roaling auf unserer Seite haben, stehen die Chancen mehr als gut. Das bedeutet aber natürlich auch, dass eine enorme finanzielle Belastung auf den Club zukommt.«

Iron wandte sich an Navy: »Kannst du eine Church einberufen, Bro? Heute Abend, acht Uhr. Blood und ich müssen jetzt los.«
Navy nickte. »Wird erledigt.« Er zog sein Mobiltelefon hervor, tippte eine kurze Nachricht und schickte sie an sämtliche Members.
Sofort piepsten die Handys der anwesenden Männer. Frisco grinste. »Mir hättest du keine SMS schicken müssen, ich habe es ja eben gehört. Komm, lass uns fahren. Die Pflicht ruft.«

Die beiden Biker starteten soeben ihre Harleys, als Hulk auf seiner Maschine in den Hof gefahren kam.
Er nahm seinen Helm ab und Navy stutzte. Er gab Frisco ein Zeichen, und stellte sein Bike wieder ab.
»Fuck, Bro, was ist mit dir passiert? Bist du unter einen Truck geraten?«
Hulk sah müde und völlig fertig aus. Anders als sonst, riss er nicht gleich seine vorlaute Klappe auf, sondern winkte ab. »Mir geht es gut.«
»Ja, klar, du siehst aus, wie das blühende Leben«, witzelte Frisco, doch er machte ein besorgtes Gesicht. »Mensch, Hulk, was ist los? Du bist zu spät – und nebenbei gesagt, Iron ist echt sauer deswegen. Du hast eindeutig ein Problem!«

»Ach, verpisst euch. Ich komm schon klar«, brummte Hulk und stieg die Stufen zum Clubhaus hinauf.
Navy und Frisco sahen sich an und zuckten mit den Schultern. Sie hatten keine Zeit mehr, Hulk in die Mangel zu nehmen, und machten sich auf den Weg ins Red Velvet.

Hulk
Im Clubhaus war nur noch J. J., der wie immer am Laptop saß und scheinbar etwas Wichtiges recherchierte, denn er sah nicht einmal auf, als ich eintrat. Mir war es recht. Die blöden Fragen meiner Brüder draußen im Hof hatten mir gereicht. Ich fühlte mich tatsächlich, als wäre ich gegen einen Truck geknallt, und ich ging jede Wette ein, dass mindestens eine meiner Rippen angeknackst war, denn bei jedem Atemzug, hatte ich das Gefühl, ein Messer bohrte sich in meine Lunge.
Nachdem die Typen mich endlich hatten gehen lassen, musste ich wählen, ob ich nach Hause fahren oder mich lieber im Clubhaus aufs Ohr legen wollte. Meine Mum wäre vermutlich tot umgefallen, wenn sie mich so gesehen hätte, also wählte ich das kleinere Übel.
Mit etwas Glück konnte ich ungehindert in eines der hinteren Zimmer verschwinden. Ich brauchte dringend ein paar Stunden Schlaf. Außerdem musste ich nachdenken.

Ich warf mich auf das Bett und stöhnte laut auf. Mein Schädel fühlte sich an, als würde er gleich platzen. Wie befürchtet, konnte ich nicht einschlafen. Stattdessen starrte ich an die Decke und versuchte zu ergründen, warum ich so ein Idiot war. Wann genau hatte das mit der Spielerei angefangen? Warum eigentlich? War mein Leben vielleicht zu glatt gelaufen, weil ich mich mit offenen Augen ins Verderben gestürzt hatte? Ich schnaubte angesichts der Ironie.
Irgendwann musste ich doch eingeschlafen sein, denn als es an die Tür klopfte, schreckte ich hoch. Orientierungslos sah ich mich um und wollte mich aufrichten, da fuhr mir ein schneidender Schmerz in die Brust. Hilfe! Ich konnte kaum atmen.
J. J. steckte den Kopf ins Zimmer. »Bro, alles okay mit dir?«
Ich grummelte etwas Unverständliches, bemüht, mir meine Panik nicht anmerken zu lassen. Mein Kumpel trat ein, er hielt mir ein Glas Wasser hin. In der anderen Hand lag eine Tablette. »Hier, Navy hat mich angerufen, er meinte, du könntest eine Vicodin vertragen, und so wie ich das sehe, hat er absolut recht.«
Die Zähne zusammenbeißend, setzte ich mich auf und unterdrückte ein Stöhnen. Fuck! Ich brauchte mehr als eine Schmerztablette …
»Danke«, presste ich hervor und legte mir die Kapsel auf die Zunge. Unter großen Schmerzen nahm ich das Glas, bemüht, nicht zu kotzen, während die Tablette sich meine Speiseröhre hinunter quälte.
»Was ist los mit dir?«
Kann ich dir nicht sagen.
J. J. sah mich auffordernd an, doch ich schüttelte nur den Kopf.
Schließlich zuckte er mit den Schultern und schickte sich an, das Zimmer zu verlassen. An der Tür drehte er sich noch einmal um. »Wenn du in Schwierigkeiten steckst, wirst du es uns sagen, oder? Du weißt, dass du nicht allein damit fertig werden musst!«
»Hau ab und lass mich in Ruhe«, knurrte ich und ließ mich zurückfallen.
»Ah …«, entfuhr es mir, doch J. J. war schon weg und hatte es zum Glück nicht gehört.
Schöne Scheiße. Ich war am Arsch.

Kings Club Casino, Dreamtown
Ed riss sich von der Tabelle los, die er studierte, als es an der Tür klopfte. Garry, der Chef seiner Sicherheitscrew, kam herein. »Ed, wir haben ihn nach Hause geschickt, wie du es befohlen hast. Wie geht es jetzt weiter mit dem Kerl?«
Nachdenklich klopfte Ed mit seinem Kugelschreiber auf die Schreibtischplatte. »Was denkst du, kommt er wieder?«
Garry nickte überzeugt. »Oh ja, er kann gar nicht anders. Außerdem wissen wir, wo er wohnt. Ich habe ihm eine kleine Warnung mit auf den Weg gegeben, also keine Sorge. Dein Geld ist nicht verloren.«
»Wissen wir inzwischen, wann die Lieferung eintrifft?«, fragte Ed.
»Unser Kontaktmann sagt, dass er morgen liefern kann.«
Ed stand auf und umrundete den Schreibtisch. »Okay, dieser Biker soll es machen. Und, Garry, mach ihm klar, dass er keine Wahl hat!«
»Wird erledigt, Boss«, antwortete Garry und verließ das Büro.
Im Casino wurde fleißig geputzt, gesaugt und alles auf Vordermann gebracht. In zwei Stunden würden sich die Türen der großen Halle öffnen und der Betrieb an den Automaten beginnen. Vormittags war meistens noch nicht viel los. Ein paar frustrierte Hausfrauen saßen an den einarmigen Banditen und einige Spielsüchtige lungerten herum, in der Hoffnung, dass heute der große Tag für sie war.
Ed machte sein Geld mit der Hoffnung der Menschen. Viel Geld.
»Ed, ich brauche die Abrechnungen des gestrigen Abends.«
Claire, Eds Schwester, öffnete mit Schwung die Tür und platzte, ohne zu klopfen, herein. Sie war die Einzige, die das durfte.
Ed hielt ihr einen Stapel Papier entgegen und lächelte sie an. Sie war alles, was von seiner Familie übrig geblieben war und er behütete sie wie seinen Augapfel. Was ihm Sorgen machte, war, dass sie darauf bestand, im Casino hinter der Bar zu stehen. Das hätte sie gar nicht nötig, und doch verbrachte sie jede Nacht damit, die Gäste zu bedienen. Natürlich blieb es nicht aus, dass sie angemacht wurde, ganz zu schweigen von den gierigen Blicken mancher Männer. Ed schäumte bereits vor Wut, wenn er nur daran dachte, deshalb startete er einen neuen Versuch, sie dazu zu bringen, sich nur noch auf die Büroarbeiten zu konzentrieren.
»Claire, ich habe gehört, dass du gestern wieder mal alle Mühe hattest, einen betrunkenen Gast abzuwehren …«
Claire, die gerade im Begriff war, mit der Abrechnung in der Hand das Büro wieder zu verlassen, blieb abrupt stehen und drehte sich auf dem Absatz um.
»Eddy«, sprach sie ihn mit dem Kosenamen an, den nur sie verwendete und zog seinen Namen in die Länge. Dann rümpfte sie die Nase. »Hatten wir diese Diskussion nicht erst letzte Woche … und vorletzte Woche, und die Woche davor?!«
»Aber du weißt, dass mir das nicht gefällt!«, sagte er bestimmt und stand auf. Er umrundete seinen Schreibtisch und trat zu ihr. Wenn sie nicht so verdammt hübsch wäre …
Er zog seine Schwester an sich und murmelte: »Ich kann es nicht ertragen, diese Gaffer und Schleimer, die dich anbaggern und mit ihren Blicken ausziehen. Bleib doch einfach im Büro und lass die Mädchen, die wir dafür eingestellt haben, hinter der Bar arbeiten.«
»He, großer Bruder, ich liebe dich, und ich weiß, du liebst mich auch. Aber ich bin ein großes Mädchen und ich mag diesen Job nun mal. Wenn ich mittendrin im Geschehen bin, habe ich den besseren Überblick. Ich bin kein Büromäuschen und außerdem haben wir genug Sicherheitspersonal. Du kannst also ganz cool bleiben. Mir wird nichts passieren!«

Ed küsste sie auf die Stirn und sah sie zweifelnd an. Sie war so verdammt stur und uneinsichtig. Aber er musste zugeben, dass sie auch ein Magnet war, der reiche Gäste geradezu an die Bar zog. Wenn sie gewannen, waren sie äußerst großzügig und orderten den teueren Champagner, der über vierhundert Dollar die Flasche kostete. Er seufzte. »Okay, ein Versuch war es wert.«
Claire lächelte, stellte sich auf die Zehenspitzen und küsste ihn auf die Wange. »Lass mich mein Ding machen, und ich lasse dich dein Ding machen. Schließlich frage ich dich nicht, was du immer so Wichtiges zu erledigen hast, das die ganze Nacht dauert.«
Dann verließ sie das Zimmer.
Ed blickte ihr nach.

Claire
Ich wusste ja, dass er sich ehrlich um mich sorgte, und irgendwie war es auch süß, aber dass er immer wieder damit anfing, nervte mich. Ich sah mich als Chefin hinter der Bar. Der große Boss, mein Bruder Ed, ließ sich selten im Casino blicken. Meist agierte er von seinem Büro aus, in dem Bildschirme das Treiben in sämtlichen Arealen des Casinos zeigte.
Angefangen hatten unsere Eltern mit einer kleinen Spielhalle, in der nur Automaten standen. Im gleichen Maße wie die Zahl der Besucher wuchs, investierte Ed, nach deren Tod. Er baute einen exklusiveren Bereich an, in dem auch nicht spielenden Gästen Unterhaltung geboten wurde. Hier gab es eine Kleiderordnung und nicht jedem wurde der Eintritt gewährt. Mein Job machte mir Spaß, und wenn man es ganz genau nahm, waren die Gäste in diesem Teil des Casinos geradezu anständig. Vorne, wo viele junge Leute herumlungerten, kam es öfter zu Raufereien und Auseinandersetzungen. Aus diesem Grund wurde hier auch nicht bewirtet, sondern die Gäste konnten sich Getränke und billige Gerichte an der Imbisstheke holen.
Ich steuerte mein Büro an und stieß beinahe mit Garry zusammen.
»Sorry, Claire«, entschuldigte er sich und grinste mich an.
»Ich muss mich entschuldigen, ich war völlig in Gedanken«, entgegnete ich.
Seine Hand lag noch immer auf meinem Arm und auch wenn ich ihn mochte, das war mir eindeutig zu intim. Garry versuchte öfter, mich zu berühren.
Immer wieder. Scheinbar unauffällig.
Bisher hatte ich es vermieden, ihn zurechtzuweisen, doch jetzt wanderte mein eisiger Blick direkt von seiner Hand zu seinem Gesicht.
Sofort zog er sie weg. Ich ließ es dieses Mal unkommentiert, doch ich nahm mir vor, das nächste Mal etwas zu sagen.
»Ich muss weiter, der Boss erwartet mich …«, stammelte er und drängte sich an mir vorbei.
Mein Bruder führte das Geschäft mit strenger Hand. Wenn ich im erzählen würde, dass Garry mich gegen meinen Willen ständig berührte, würde er ihn feuern – oder schlimmer: Zuerst zusammenschlagen lassen und dann feuern! Ich würde Ed nichts sagen, sondern die Angelegenheit selbst in die Hand nehmen.
Als ich endlich hinter meinem Schreibtisch saß, seufzte ich. Natürlich war es großartig, dass die Einnahmen sprudelten, doch manchmal hatte ich ein schlechtes Gefühl dabei. Wir führten unser gutes Leben deswegen, weil nicht selten ein anderer Mensch seinen letzten Groschen verspielte, und das nur, weil er glaubte, das nächste Mal würde er gewinnen. Glücksspiel machte süchtig und konnte Existenzen vernichten, Familien und Beziehungen ruinieren und Menschen, die alles verloren hatten, in den Selbstmord treiben. Ed würde mich auslachen, wenn er von meinen Gewissensbissen wüsste …
Aus diesem Grund sprach ich mit ihm auch nicht darüber. Ich wusste, dass die Gedanken bald wieder verflogen, denn meistens gelang es mir, zu vergessen, womit wir unser Geld verdienten.
Laute Stimmen ließen mich aufhorchen. Ich stand auf und lugte hinaus. Zwei unserer Sicherheitsleute standen direkt unter meinem Fenster und unterhielten sich lautstark. Ich bekam nur Wortfetzen mit, doch das, was ich hörte, beunruhigte mich. Auch wenn ich kein naives kleines Mädchen war, als die Worte Drogenlieferung, Übergabe und Geld eintreiben, fielen, zuckte ich zusammen. Schon lange ahnte ich, dass Ed auch noch andere Geschäfte abwickelte. Die Art von Geschäften, über die man nicht sprach – zumindest nicht mit seiner kleinen Schwester. Die Art von Geschäften, die wirklich gefährlich waren. Bisher hatte ich mir eingeredet, dass es besser wäre, wenn ich nichts darüber wusste. Jetzt hörte ich unfreiwillig mehr, als mir lieb war, doch ich war eigenartig fasziniert und lauschte weiter. Eine Mischung zwischen Schock und Neugierde hielt mich mit angehaltenem Atem und klopfendem Herzen an Ort und Stelle.
Ed stieß dazu und mir wurde schlecht, als ich die Tragweite dessen, erfasste, was er sagte.
»Der Kerl von letzter Nacht – sobald er wieder auftaucht, gebt ihr mir Bescheid. Inzwischen dürfte ihm klar sein, dass er bis zum Hals in der Scheiße steckt. Um seine Schulden bei mir abzuarbeiten, wird er zukünftig die Lieferungen übernehmen. Falls er zögert, macht ihr ihm deutlich, dass er von jetzt an keine ruhige Minute mehr haben wird. Garry, du versuchst, so viel wie möglich über ihn herauszufinden. Familie, Freunde, Freundin … alles was wir gegen ihn verwenden können.«

Als die Männer sich entfernten, musste ich mich setzen. Von welcher Lieferung hatte Ed gesprochen? Und, seit wann hatte er es nötig, jemanden zu zwingen und zu bedrohen? Was lief da?
Mir war klar, dass ich mit meiner Vogel Strauss Methode, nämlich: Einfach den Kopf in den Sand zu stecken, viel zu viel ignoriert hatte. Ich hatte Ed machen lassen und wollte gar nicht mehr wissen, als das, was er mir freiwillig erzählte. Doch jetzt hatte ich ein blödes Gefühl im Bauch, welches mir sagte, dass hier einiges faul war.

Clubhaus der Fire Devils, Dreamtown
Hulk
Diese verdammten Arschlöcher hatten genau gewusst, wohin sie treten und schlagen mussten, damit man mir nicht ansah, was los war. Mein Gesicht hatten sie verschont, dafür sah der Rest meines Körpers aus, als wäre ich in einen Hurrikan geraten.
Nachdem die Tablette endlich wirkte, beschloss ich, unter die Dusche zu gehen. Ich musste einen klaren Kopf bekommen. Meine Klamotten warf ich an Ort und Stelle zu Boden und besah mich im Spiegel. Mein Brustkorb schillerte dunkelrot und blau. Tiefes Einatmen war nicht drin, ohne einen höllischen Stich in der Brust zu spüren. Ich drehte mich ein wenig zur Seite und betrachtete meine Rückenansicht. Die sah nicht viel besser aus. Schöne Scheiße!
Als ich, nur mit einem Handtuch um die Hüften aus dem Bad kam, erwartete mich Iron. Fuck!
Er musterte mich mit hochgezogenen Augenbrauen.
»Was?!«, fragte ich ungehalten, weil mir sein Schweigen Unbehagen bereitete.
»Du solltest heute Enya begleiten. Schon vergessen?«, sagte er und seine Stimme klang eisig.
Shit, verdammt. Das hatte ich total vergessen. Weil mir alles, was ich als Entschuldigung vorbringen hätte können, absolut idiotisch erschien, beschloss ich, auf Zeit zu spielen, und zog mich an. Natürlich konnte er meine Blessuren sehen, das ließ sich nicht vermeiden.
»Steckst du in Schwierigkeiten, Hulk, oder stehst du neuerdings auf Schmerzen?«, fragte er.
Ich brummte etwas unverständliches und drehte ihm den Rücken zu.
»Hulk! Ich habe dich etwas gefragt!«
»Sorry«, murmelte ich und meinte damit meinen verpassten Auftrag. »Wird nicht wieder vorkommen. Ehrlich, Pres.«
Doch so leicht wollte Iron mich anscheinend nicht davonkommen lassen, denn er umrundete mich, und baute sich demonstrativ vor mir auf. Er hatte ja auch recht. Ein Befehl war ein Befehl, und ich hatte seine Ol’ Lady hängen lassen. Das ging gar nicht. Aber was hätte ich zu meiner Entschuldigung vorbringen können? Die Wahrheit etwa?
Nein. Das kam nicht infrage. Meine Spielschulden waren mein Problem und ich würde diese Sache klären. Der Club brauchte nichts davon zu wissen.
»Lass es gut sein, Pres«, bat ich zähneknirschend. »Ich hab das im Griff.«
In seiner Miene erkannte ich, dass er an meiner Aussage starke Zweifel hatte, doch anscheinend gab er sich vorerst damit zufrieden und warf mir nur einen skeptischen Blick zu, bevor er das Zimmer verließ.
Ich stöhnte auf. Mir meine Schmerzen nicht anmerken zu lassen, hatte mich alle Beherrschung gekostet, die ich aufbringen konnte. Als die Tür hinter Iron zufiel, ließ ich mich auf das Bett sinken.
Mein Blick fiel auf mein Mobiltelefon, welches neben mir lag und ich las die eingegangene SMS: Church, heute, acht Uhr. Anwesenheitspflicht!
Hoffentlich ging es nicht um mich. Ich konnte gerade noch gebrauchen, dass sämtliche Members auf mich einredeten und kluge Sprüche vom Stapel ließen.
Ich war immer noch hundemüde und hatte noch ein paar Stunden Zeit, also ließ ich mich zurückfallen und versuchte zu schlafen. Aus dem vorderen Bereich des Clubhauses drang Musik an meine Ohren …
Als ich aufwachte, war es um mich herum dunkel. Ich schreckte hoch. Halb blind tastete ich nach dem Handy und stellte fest, dass die anberaumte Church in wenigen Minuten stattfinden würde. Innerlich wappnete ich mich, für den Fall, dass die Besprechung mir galt, und begab mich in den großen Clubraum.
Die meisten meiner Brüder waren bereits da. Dave, mein Kumpel, kam auf mich zu und schlug mir auf die Schulter. »Na, Bro, eine heiße Nacht gehabt?«
Mit zusammengebissenen Zähnen unterdrückte ich einen Schmerzenslaut.
Wenn ich das nur behaupten könnte …
»Schnauze!«, fuhr ich ihn an und hoffte, er verstand, dass ich keinen Bock auf seine blöden Sprüche hatte.
Bevor Dave etwas erwidern konnte, schlugen Iron und Blood auf. Mit einem Handzeichen gab der Pres zu verstehen, dass er uns in der Chapel erwartete und ging voran in das Allerheiligste des Clubs.
Stühle wurden gerückt und nachdem endlich alle saßen, eröffnete Iron die Church.
»Ich habe mich heute mit dem Architekten getroffen und danach ein Gespräch mit dem Bürgermeister geführt. Ihr wisst, worum es geht, oder?«
Blood stand auf und verteilte ein paar Blätter. Es waren Pläne.
»Hier habt ihr den vorläufigen Entwurf. Änderungen sind natürlich noch möglich. Seht euch das mal an und dann erwarte ich eure Vorschläge«, sagte Iron.

Natürlich. Mir fiel wieder ein, dass der Club das Bikes & Dreams wieder aufbauen wollte. Schon seit Wochen wurde darüber gesprochen und heute war dieser Ortstermin.
Mein Interesse an den Plänen hielt sich in Grenzen. Sollten die Jungs ruhig darüber diskutieren, mir war alles recht. Meine eigenen Probleme hingegen beschäftigten mich sehr. Ich schuldete dem Inhaber des Casinos zehntausend Dollar. Zuerst hatte ich kleinere Beträge gewonnen und mich verleiten lassen, immer mehr Geld einzusetzen. Irgendwann war meine Glückssträhne zu Ende und ich verlor alles. Keine Ahnung, wann genau ich aufgehört hatte, klar zu denken. Das Angebot des Betreibers, mir Geld zu leihen, war zu verlockend gewesen. Das nächste Mal gewinne ich wieder, hatte ich mir gesagt und Geld eingesetzt, welches mir nicht gehörte und für das ich einen saftigen Zinssatz zu bezahlen hatte.
Ich saß komplett in der Scheiße. Mein Schuldenberg türmte sich und schließlich hatten mich die Sicherheitsleute des Casinos zur Seite genommen und mir erklärt, dass ich nicht mehr kreditwürdig war.
Schlimmer noch: dass ich die zehntausend Dollar zurückzuzahlen hatte. Den Ernst der Lage untermauerten sie damit, dass sie mich verprügelten wie einen streunenden Hund. Gegen zwei Männer, die mich mit eisernem Griff hielten, während der dritte mich als Boxsack benutzte, waren meine Chance gleich null, auch wenn ich mich normalerweise durchaus zu wehren wusste.

Trouble stieß mich an, er saß rechts neben mir. Ich zuckte und biss die Zähne zusammen.
»He, was hältst du davon?«, fragte er mich in seiner jugendlichen Unschuld und wedelte mit dem Plan vor meine Nase herum. Als ob mich das auch nur im Geringsten interessieren würde. Ich hatte andere Probleme. Ungehalten knurrte ich: »Das ist mir so was von egal.«
Erstaunt musterte mich Trouble, dann zuckte er mit den Schultern und wandte sich an Turbo, der zu seiner Rechten saß.
Dave kniff die Augen zusammen und flüsterte: »Sag mal, Bro, was ist dir für eine Laus über die Leber gelaufen?«
Was hatten die heute bloß alle? Konnten sie mich nicht einfach nur in Ruhe lassen?
Ich verschränkte meine Arme vor der Brust und lehnte mich zurück. Anwesenheitspflicht hieß lediglich, dass ich hier sein musste. Kein Mensch konnte mich zu Small Talk zwingen. Ich würde mir einfach anhören, was Iron zu sagen hatte, und dann so schnell wie möglich das Weite suchen.
Kings Club Casino
Claire
Den ganzen Tag waren mir die Worte nicht aus dem Kopf gegangen. Ich wurde einfach nicht schlau daraus und ertappte mich dabei, dass ich mich selbst fragte, ob ich vielleicht zu naiv war.
Dank des Casinos, welches uns unsere Eltern vererbt hatten, lebten Ed und ich sehr sorgenfrei. Besser gesagt, wir führten ein Luxusleben. Was immer ich mir kaufen wollte, konnte ich mir leisten. Mein Bruder ermutigte mich oft dazu, mir etwas zu gönnen, und für mich war es immer selbstverständlich gewesen, genug Geld zur Verfügung zu haben. Ein Bentley Cabriolet mit Sonderlackierung und Exklusivausstattung war für mich genau so normal, wie die Prada Handtasche und die Schuhe von Manolo Blahnik. Ich hielt mich nicht für verwöhnt, denn schließlich arbeitete ich für mein Geld. Dass ich es mir nicht mit schwerer Arbeit verdienen musste, sondern das Glück hatte, meinen Job gerne zu machen, war für mich selbstverständlich.

Es wurde Zeit, mich hinter die Bar zu begeben. In wenigen Minuten würden die ersten Gäste in den exklusiven Teil des Casinos strömen und ich wollte sie wie jeden Tag mit einem Lächeln empfangen.
Ich warf einen letzten Blick in den Spiegel. Make-up und Haare waren perfekt, das Kleid umschmeichelte meinen Körper und ich war bereit.
Natürlich mochte ich die begehrlichen Blicke der Männer, solange sie nicht aufdringlich wurden. Ich war kein billiges Mädchen, welches ihren Körper zur Schau stellte, ich war eine Frau, die etwas auf sich hielt und sich gerne hübsche Kleider anzog. Ed hatte das Sicherheitsteam angewiesen, immer ein besonders wachsames Auge auf mich zu haben, das wusste ich.
In diesem Teil der Spielbank gab es sehr selten Probleme. Die Drinks waren teuer. Zu spielen und sich zu betrinken, konnte an einem Abend eine Menge Geld verschlingen und war außerdem unter den Mitgliedern der High Society von Dreamtown verpönt. Sie benahmen sich anständig. Meistens jedenfalls.
Draußen in der Halle mit den einarmigen Banditen, den Bildschirmen mit den Pferde- und Sportwetten und anderen Spielautomaten wurde öfter mal gepöbelt. Viele Arbeitslose oder frustrierte Hausfrauen versuchten dort tagsüber schon ihr Glück und auch wenn die Gewinne, welche die Automaten hin und wieder ausspuckten, lächerlich gering waren – sie kamen fast täglich in der Hoffnung eines Tages den Jackpot zu kacken.

»Hi Claire«, begrüßte mich Lou, die bereits die Gläser polierte, und sie in die Glasregale stellte.
»Hi«, grüßte ich und lächelte sie an. Mit Lou zu arbeiten machte Spaß. Sie war witzig, schlagfertig und äußerst beliebt bei unseren männlichen Gästen.
Ich schlüpfte hinter den Tresen und schnappte mir ein Tuch, um ihr zu helfen.
Im Hintergrund war gedämpfte Musik zu hören, denn noch waren keine Gäste hier, sodass der Geräuschpegel angenehm niedrig war. Nach und nach trudelten die anderen Angestellten ein. Der Mann für den Black Jack Tisch, die Männer, welche für die Roulettetische zuständig waren und unser Pokergenie Jason. Er zwinkerte mir im Vorbeigehen zu.
»Er steht total auf dich«, flüsterte Lou. Ich nickte.
»Und? Wirst du ihn irgendwann erhören und mit ihm ausgehen?«, wollte sie wissen.
»Nein. Du kannst ihn haben«, antwortete ich leichthin. »Er ist ein netter Kerl, aber nett ist bekanntlich die kleine Schwester von langweilig«, fügte ich hinzu.
»Ach komm schon, Claire, wie müsste der Kerl denn sein, der dein Herz erobern könnte?«, stichelte Lou.
Ich dachte nach. Wie müsste der Typ sein, auf den ich mich einlassen würde?
»Ehrlich, ich habe keine Ahnung«, antwortete ich wahrheitsgemäß und wischte mit einem feuchten Lappen über das Mahagoniholz. »Aber wenn ich ihn gefunden habe, sage ich dir Bescheid.« Ich zwinkerte ihr zu. Lou war gleichzeitig eine gute Freundin, und ich nahm an, dass ich ihr tatsächlich als Erste erzählen würde, wenn ich einen Mann treffen würde, dem es gelang, meine Gefühle in Aufruhr zu bringen.
Clubhaus der Fire Devils, Dreamtown
Hulk
Inzwischen war die Luft in der Chapel rauchgeschwängert und der Geräuschpegel beachtlich. Alle schienen irgendetwas zu den Plänen zu sagen zu haben, nur ich nicht.
Ich wollte nach Hause, mir gepflegt ein paar Bier hinter die Binde kippen und schlafen.

Iron räusperte sich und klopfte mit den Fingerknöcheln auf die Tischplatte.
»Alle mal herhören. Die Pläne sind nicht der einzige Grund, warum ich eine Church einberufen habe. Es gibt noch ein paar andere Dinge zu besprechen. Und zwar geht es um die Finanzierung. Seit das Bikes & Dreams explodiert ist, fehlen natürlich auch diese Einnahmen in unserer Clubkasse. Das Red Velvet läuft zum Glück gut, das Devils Wheels Costumbikes auch, aber …«

Ich horchte auf. Welch Ironie, dass es heute ausgerechnet um Geld ging. Geld war auch mein ganz persönliches Problem im Moment. Und zwar ziemlich viel Geld. Sobald ich anfing, darüber nachzudenken, woher, zur Hölle ich verdammte zehntausend Dollar nehmen sollte, bekam ich Kopfschmerzen.

»Aber?!«, wiederholte Gonzo fragend und wartete darauf, dass der Pres fortfuhr.
»Es tut mir leid, euch das sagen zu müssen, aber wir müssen die Auszahlungen kürzen«, sagte Iron.

Fuck! Verdammt! Was sollte das? Hatte ich richtig gehört? Ich wollte gerade aufbrausen, da mischte sich Blood ein. Mit ruhiger Stimme erklärte er, dass die finanzielle Situation des Clubs im Moment nicht gerade rosig war. Eine Investition, wie der Bau einer neuen Kneipe, war nötig, würde aber bedeuten, dass jeder Member in den nächsten Monaten auf einen Teil seines Gehaltes verzichten musste.
Ich wollte verdammt sein, wenn ich das einfach so hinnahm, deshalb sprang ich auf. »Habt ihr sie noch alle?«, rief ich. »Dann wird diese verfickte Kneipe eben nicht gebaut. Ich brauche mein Geld!«
»He, Bro, spinnst du?!«, zischte Dave mir zu und zupfte an meiner Kutte. Alle Blicke waren auf mich gerichtet. Navys Gesichtsausdruck war unergründlich wie immer, Ragnar starrte mich mit ungläubigem Kopfschütteln an und Trouble verpasste mir unter dem Tisch einen Tritt gegen mein Schienbein.
Blood knurrte, doch der Pres legte ihm die Hand auf den Arm und beschwichtigte ihn. »Lass ihn ausreden, Blood. Es betrifft ihn genauso wie uns alle und jeder kann etwas dazu vorbringen.«
Der V. P. schwieg, doch der Blick, den er mir zuwarf, sprach Bände.
»Okay, Hulk, dann erzähl mal. Welche Einwände hast du? Bist du generell dagegen, dass wir das Bikes & Dreams wieder aufbauen, oder ist es etwas anderes?«, sagte Iron.
»Scheiße ja, ich kann nicht auf Geld verzichten«, schnauzte ich und dachte nicht daran, meinen Protest näher zu erläutern.
»Denkst du, uns fällt das leicht?«, fragte Chuck. »Aber wenn der Club nun mal im Moment schlecht bei Kasse ist, dann müssen wir eben alle in den sauren Apfel beißen. Wird schon wieder besser werden …«
Bestätigendes Gemurmel von allen Seiten. Meine Brüder waren anscheinend zwar nicht glücklich darüber, aber alle hatten vor, es hinzunehmen. Sie hatten ja auch nicht meine Probleme!
»Wir sind die letzten zwei Jahre ohne die Kneipe doch auch ganz gut ausgekommen. Also warum gerade jetzt?«, warf ich ein.
»Weil das unsere letzte Chance ist! Wenn wir nicht innerhalb der nächsten Wochen den Bauantrag einreichen, gibt es einen Änderungsbeschluss im Stadtrat, und das bedeutete, das Gelände darf nicht mehr bebaut werden. Somit hätten wir ein Grundstück am Hafen, mit dem wir nichts mehr anfangen können und welches sich auch nicht verkaufen lässt. Totes Kapital sozusagen. Verstehst du das?« Blood sah mich an, wie er Amy ansah, wenn er ihr etwas erklärte. Seine oberlehrerhafte Art machte mich rasend. Hielt er mich für blöd, oder was?
»Ich brauche das Geld!«, beharrte ich stur und hielt seinem Blick stand.
»Wofür? Du wohnst bei deinen Eltern und hast keine Kinder zu ernähren?«, fragte Blood provozierend.
»Das geht dich einen Scheiß an!«, schnauzte ich.

Ich würde mich hüten und dem Club von den Spielschulden erzählen, doch ich würde auch nicht so schnell klein beigeben.

Ein neues Kapitel in der Geschichte der Fire Devils

Auch wenn es ein Weilchen gedauert hat, jetzt ist es amtlich. Der 8. Teil der Fire Devils MC- Serie ist fertig und kann bereits als eBook bei Amazon erworben werden.

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Wie immer folgt natürlich eine Taschenbuchausgabe, die aber noch ein wenig auf sich warten lässt. Ein Taschenbuch zu formatieren  braucht Zeit und vor allem Geduld. Wenn im Hause Hunt eine Veröffentlichung ansteht, bleibt der Boden schmutzig, Hund und Mann werden ignoriert, das Feuer im Kamin geht öfter mal aus und die Küche bleibt kalt. Wenn dann auch noch das Programm spinnt, kann es schon mal vorkommen, dass Mrs. Hunt gepflegt ausrastet 😉
Bis endlich alles im Kasten ist, galoppiert der Puls jenseits von gut und böse, steigen Kaffee- und Nikotinkonsum in schwindelnde Höhen und werden am Telefon diverse Anrufe abgewürgt. Schlagartig mit dem Drücken des „Veröffentlichen“ Knöpfchens wird es wieder besser. Bye bye Hulk … von nun an musst du dich alleine in der Welt zurechtfinden. Du darfst auf den eBook Readern der geneigten Leser und Leserinnen einziehen und dein Schicksal ist besiegelt. Apropos Schicksal: In diesem Buch schlägt es mit voller Wucht zu. Es ist gnadenlos und gemein. Es verändert Hulks Leben völlig und wirft ihn in ein tiefes dunkles Loch. Wie gut, dass er Freunde und Familie hat, die ihn nicht aufgeben …

Für mich beginnt jetzt die Zeit des Wartens und Bangens. Bekomme ich Feedback von euch? Wenn ja, wird es positiv oder eher negativ sein?

Aber wie auch immer … ich hatte Spaß daran, Hulk, Iron, Frisco, Navy, Blood, J. J., Trouble, Ragnar und Co zu begleiten und wünsche euch ebenso viel Spaß beim Lesen ❤

 

 

Kinder wie die Zeit vergeht … und ein paar Ausblicke auf das was vor uns liegt.

Meine Facebookseite zeigt mir heute 901 Likes. Wow, ich freue mich riesig darüber – DANKE! Für mich der Anlass, zurückzublicken auf die Anfänge.
Als ich im August 2013 meinen Debütroman HEROES – Blutsbrüder als eBook veröffentlicht habe, hätte ich nie gedacht, dass ich knapp fünf Jahre später schon elf weitere Bücher und zahlreiche Kurzgeschichten veröffentlicht haben würde. Ich weiß noch, wie ich Anfang September genau fünf Verkäufe hatte. Einer der Käufer war ich selbst, eine Käuferin war meine beste Freundin und einen Kauf hatte mein Nachbar getätigt. Also ganze zwei eBooks wurden von irgendjemandem gekauft, der unter den Millionen Angeboten bei Amazon zufällig auf meine Heroes gestoßen war. Ich weiß auch noch ganz genau, wie wir (mein Mann und ich) die ersten fünfzig Verkäufe gefeiert haben – mit Sekt! Dann die Hundertermarke …
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BROKEN RULES Frisco und Alex (Der Fire Devils MC 6)

Und wieder ist es so weit! Der inzwischen sechste Teil der Fire Devils-Serie ist veröffentlicht. Ab heute kann er auf den Readern der Kindle Nutzer einziehen. Über Kindle Unlimitet sogar kostenlos gelesen werden.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß mit Frisco und Alex ❤

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Im 6. Teil um den Fire Devils MC erwarten euch heiße Begegnungen, dunkle Geheimnisse und schwere Entscheidungen.

»Die Regeln in unserem Club sind ganz einfach. Sogar ein Idiot wie du sollte sie verstehen. Wir halten zusammen und tun alles, um unsere Brüder und die Familie zu schützen!«
In einer Gewitternacht fährt Frisco auf dem Weg nach Hause eine junge Frau an. Als diese sich standhaft weigert, ins Krankenhaus zu gehen, nimmt er sie mit zu sich. Alexandra verdreht dem sonst so coolen Rocker gehörig den Kopf, was sein Club gerade gar nicht gebrauchen kann.
J. J.s erster Auftrag für die Company steht bevor und alle sind sich sicher, dass der General die Fire Devils nicht so einfach davon kommen lassen wird …

Wieder einmal stellt sich die Frage: Wer ist Freund – wer Feind?

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Lesefutter für sensationelle 0,99 €

Für herbstlich stürmische Lesetage gibt es ALLE Teile der Fire Devils MC-Serie ab sofort und nur bis Sonntag für kuschelige 0,99 € pro eBook.

Alle Cover

HOT WHEELZ Iron und Enya (Fire Devils MC 1) http://amzn.to/2h4LSnL
LONE RIDER Navy und Rune (Fire Devils MC 2) http://amzn.to/2vWe1DQ
DIRTY DEAL Blood und Angel (Fire Devils MC 3) http://amzn.to/2hp5V3p
REBEL HEART Ragnar und Jaz (Fire Devils MC 4) http://amzn.to/2y1I9Ox
SOLD SOUL J. J. und Kelly (Fire Devils MC 5) http://amzn.to/2x1QouP

SOLD SOUL J. J. und Kelly (Der Fire Devils MC 5)

Ab sofort gibt es den fünften Teil der Fire Devils MC-Serie exklusiv bei Amazon:
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Klappentext:
»Was hast du getan?«, fragte ich immer und immer wieder. Jamie kniete neben mir und hielt meine Hand.
»Jamie! Sag etwas!«, forderte ich schließlich, denn sein Schweigen machte mir Angst.
»Du bist frei«, antwortete er, dann stand er auf.

Als J. J. von einem alten Freund um Hilfe gebeten wird, führt ihn sein Weg in die alte Heimat, Washington D. C.

Kelly, seine Jungendliebe und Schwester seines Freundes Tom, ist verschwunden. Sie hat ein dunkles Geheimnis, welches nicht nur sie, sondern auch ihre Familie in tödliche Gefahr bringt.
Als sich die Sache zuspitzt, sendet der MC Navy, Ragnar und Frisco nach Washington, um ihren Bruder zu unterstützen.
Um Kellys Leben zu retten, müssen sie aus D. C. fliehen. Doch das hat unvorhersehbare Folgen für den gesamten MC … ohne es zu wollen, führen sie den Feind direkt in ihre Stadt.

Wieder einmal müssen die Devils unter Beweis stellen, wie stark ihr Zusammenhalt ist und wie weit sie zu gehen bereit sind, für die Menschen, die sie lieben.

KU Abonnenten können kostenlos lesen.
Für alle, die nicht im mobi Format lesen können und epub brauchen, habe ich mir etwas einfallen lassen. Bei Interesse schreibt mir bitte eine kurze Mail an: SusanB.Hunt@web.de
Es wird auch wieder ein großes Gewinnspiel geben und dafür habe ich ganz tolle Sachen bestellt – ihr dürft gespannt sein! Es lohnt sich also, immer mal wieder hier vorbeizuschauen 🙂
Auch das Taschenbuch wird in Kürze erhältlich sein. Bei Amazon, oder wer eine signierte Ausgabe haben möchte, direkt bei mir. Ich lege euch dann noch ein Lesezeichen dazu.
Nun wünsche ich euch ein schönes Wochenende – lasst euch nicht von dem Schmuddelwetter die Laune verderben – kuschelt euch aufs Sofa und lest einfach ein Buch 😉

 

 

REBEL HEART Ragnar & Jaz (Der Fire Devils MC 4)

*Neu*Neu*Neu*

Ab sofort ist der vierte Band der Fire Devils-Serie online.  Bis zum 1. März könnt ihr das eBook  bei Amazon zum Einführungspreis von 99 Cent erwerben (KU-Nutzer lesen wie immer kostenlos). Hier gibt es eine kleine Leseprobe:

1. Kapitel
»Der Pfad der Gerechten ist wie das Licht am Morgen.«
Altes Testament

Police Department, Dreamtown
Ragnar
Konnte ein Tag eigentlich beschissener anfangen?
Wütend stapfte ich die Treppen zum Police Department hinauf.
Kaum war der neue Sheriff in der Stadt, wollte er uns anscheinend zeigen, wer die dickeren Eier hatte.
Bis jetzt hatte ich diesen Norman Gordon noch nicht zu Gesicht bekommen, aber es war das dritte Mal in dieser Woche, dass einer von uns Devils antreten musste.
Diesmal hatte es mich erwischt, und dabei war gerade erst Mittwoch. Wenn man also davon ausging, dass er mindestens einmal an jedem Tag der Woche einen von uns in sein Büro bestellte, standen die Chancen gut, dass er in etwa zwei Wochen jeden Devil persönlich kannte. Zumindest wusste ich schon, was mich in etwa erwarten würde.

Meine Laune wurde auch nicht besser, als mich ein weiblicher Cop von oben bis unten musterte und mir dann hochnäsig zu verstehen gab, dass ich noch Platz nehmen sollte. Der Sheriff würde mich dann holen.
Ich hatte schon Abraham Tanner, Gordons Vorgänger, nicht sonderlich gemocht und versprach mir nicht viel vom neuen Sheriff.
Vielleicht lag es einfach an den Uniformen, die die Typen trugen.
Geschniegelt und gebügelt agierten sie die meiste Zeit als Sesselfurzer und die Drecksarbeit mussten immer die rangniedrigeren Cops erledigen.

Gelangweilt fläzte ich mich in den Stuhl und streckte meine langen Beine aus. Amüsiert malte ich mir aus, wie lustig es wäre, wenn einer dieser Lackaffen über meine Füße stolpern würde.
Im Police Department war nicht viel los. Dreamtown war ein beschauliches Städtchen, und die Kriminalitätsrate war ziemlich gering im Vergleich zu anderen Städten mit der gleichen Einwohnerzahl.

Die Tür zum Büro des Sheriffs ging auf und ich blickte auf.
Heraus trat eine junge Frau, die sofort meine Aufmerksamkeit erweckte.
Ihre Frisur war ein Hingucker. Während sie über dem linken Ohr ihren Schädel rasiert hatte, trug sie ihre blau und pink schillernden Haare auf die andere Seite frisiert und zu einem Zopf geflochten, der ihr über die rechte Schulter fiel.
Als sie sich umdrehte, erkannte ich ein Lippenpiercing und mehrere Ohrlöcher, in denen kleine silberne Ringe baumelten.
Wahrscheinlich hatte man sie beim illegalen Anschaffen auf dem Straßenstrich erwischt.
Sie schloss die Tür hinter sich und ging an mir vorbei, ohne über meine langen Beine zu stolpern.
Ich blickte ihr hinterher und bemerkte anerkennend den knackigen Hintern in der löchrigen schwarzen Jeans.
Ein bunter Batikbeutel hing über ihrer Schulter und baumelte an ihrer Hüfte.
Ich hatte sie hier noch nie gesehen. Vielleicht war sie neu zugezogen oder einfach nur auf der Durchreise.
Hätte ich jetzt nicht diesen völlig überflüssigen Termin beim Sheriff, würde ich sie vielleicht sogar ansprechen, weil mich ihre verrückte Erscheinung neugierig machte. Gerade als ich mit dem Gedanken spielte, ihr nachzugehen, ging die Tür auf und ein Mann, ich schätzte ihn auf Mitte fünfzig, trat heraus.
»Mr. Svennson?«
Ich nickte und sprang auf.
»Ich bin Sheriff Norman Gordon«, stellte er sich knapp vor, vermied es aber, mir die Hand zu geben. Auch gut. Ich mochte Körperkontakt mit Menschen, die mir nichts bedeuteten, sowieso nicht.
Er deutete mir an einzutreten und schloss die Tür hinter uns.
»Bitte nehmen Sie Platz.«
Der Stuhl, auf den ich mich setzte, ächzte unter meinem Gewicht.
Neugierig starrte ich ihn an. Ich hatte nicht vor, irgendetwas zu sagen, bevor er es tat.

»Wahrscheinlich fragen Sie sich, weshalb ich Sie hergebeten habe«, begann er.
Ich verschränkte die Arme und wartete auf eine Erklärung.
»Nun, mein Vorgänger, Abraham Tanner, hat, wie mir zu Ohren gekommen ist, einige Geschäfte, sagen wir mal – gebilligt. Ich werde das nicht tun. Um es gleich vorab klarzustellen.«

Häh? Ich wurde nicht ganz schlau daraus, was er meinte. Sicherheitshalber schwieg ich weiter und musterte ihn stattdessen eingehend.
Er trug sein grau meliertes Haar militärisch kurz geschnitten und überhaupt sah er ziemlich steif aus. Die Uniform saß perfekt und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Hüter von Recht und Ordnung vor mir saß, mit dem nicht zu spaßen war.
»Sie gehören zum ortsansässigen Rockerclub Fire Devils, richtig?«
Witzbold. Schließlich prangte auf meiner Kutte unübersehbar das Colour des MCs. Erwartete er jetzt wirklich eine Antwort von mir?
Anscheinend, denn er sah mich fragend an.
»Richtig. Ich bin Sergeant at Arms«, sagte ich schließlich.
»Was bedeutet?«, hakte er nach.
Ich war mir ziemlich sicher, dass er genau wusste, was ein Sergeant at Arms zu tun hatte, und verdreht genervt die Augen.
»Hören Sie, Sheriff. Sie haben in den letzten drei Tagen drei Männer meines Clubs antreten lassen, und jetzt wollen Sie mir weismachen, dass Sie nichts über meine Stellung im Club wissen?«

Zu meiner Überraschung lächelte er. Aber nur ganz kurz, sodass ich fast dachte, ich hätte mich getäuscht.
»Sie haben recht, Mr. Svennson. Natürlich weiß ich es längst. Ich habe in Nevada in einem Sonderermittlerteam für Bandenkriminalität gearbeitet. Die Rangordnung eines MCs ist mir also vertraut.
»Moment!«, warf ich ein, denn jetzt nahm das Gespräch eine Richtung an, die ich nicht tolerieren wollte. »Ein MC hat nicht zwangsläufig einen kriminellen Hintergrund.«

Gordon beugte sich vor und starrte mich aus seinen blaugrauen Augen an.
»Nicht immer. Aber meistens schon«, antwortete er.
»Was wollen Sie von mir?«, fragte ich genervt. Mir war bewusst, dass es Menschen gab, die einen Kuttenträger schon deshalb verurteilten, weil er die Farben seines Clubs trug und ein Motorrad fuhr. Was der Sheriff jedoch andeutete, ging mir gewaltig auf den Sack.

Gordons Gesicht nahm einen harten Ausdruck an. Er erinnerte mich an die Mimik, die Navy manchmal zur Schau trug. Unerbittlich und grimmig.
Er deutete mit zwei Fingern seiner Hand auf seine Augen, dann auf mich.
»Ich werde Sie und Ihren Club im Auge behalten.«

Ich stand auf. Was für ein Arsch. Glaubte er, ich hatte jetzt Angst vor ihm?
»Da bin ich aber froh, Mr. Gordon. Dann können meine Jungs und ich ja ganz beruhigt sein und endlich ruhig schlafen«, sagte ich, und den Sarkasmus in meiner Stimme konnte er unmöglich überhört haben.
Er ließ mich unbehelligt gehen.
Draußen kniff ich die Augen zusammen. Die Sonne blendete mich.
Während ich mir eine Zigarette aus der fast leeren Packung schüttelte, dachte ich über den neuen Sheriff nach.
Glaubt er tatsächlich, uns einschüchtern zu können, wenn er uns so kam?
Ich machte ein paar hastige Züge und schnippte dann die Kippe auf die Straße.
Hätte Gordon das gesehen, hätte er mich wahrscheinlich gleich in U-Haft gesteckt …
Bei meiner Harley angekommen, sah ich aus dem Augenwinkel die Hippie-Tussi. Sie saß auf einem Betonpfeiler, der zur Abgrenzung der Parkplätze vor dem Department diente.
Interessiert beobachtete ich, was sie tat. Irgendetwas an ihr weckte meine Neugierde. Vielleicht weil sie so eine schillernde Erscheinung war, die man nicht jeden Tag in Dreamtown zu sehen bekam.
Sie schien einfach nur dazusitzen, hatte die Augen geschlossen und streckte ihr Gesicht in die Sonne.
Als hätte sie meine Blicke gespürt, öffnete sie die Augen und sah mich geradewegs an.
Ich fühlte mich ertappt.
Fuck, plötzlich kam ich mir vor wie ein Spanner.

»Hi«, rief sie mir zu und grinste mich frech an.
Ich nickte ihr lediglich zu und schwang mich auf den Sattel meiner Maschine.
Plötzlich kam mir die Gelegenheit, sie anzusprechen, nicht mehr so reizvoll vor. Wahrscheinlich würde ich sie sowieso nie wieder sehen.
Der satte, unverwechselbare Klang meines Babys war Musik in meinen Ohren.
Ich bemerkte, dass sie mich beobachtete, als ich meinen Helm aufsetzte und schließlich auf die Straße einscherte.

Heute war ich dran, Amy aus der Vorschule zu holen, also musste ich mich sputen. Auch wenn die Kleine liebend gerne auf meiner Harley mitgefahren wäre, Blood würde mich umbringen, wenn ich sie damit nach Hause bringen würde.
Also fuhr ich ins Clubhaus und stieg in den Jeep um.
Mein Bruder und V. P. der Devils, Blood, hatte uns ziemlich überrascht mit der neuen ›Familiennummer‹. Bisher war er weder der große Kinderfreund noch der Mann für eine feste Beziehung gewesen. Als die dunkelhäutige Angel Jordan in sein Leben trat, änderte sich das allerdings. Ich grinste vor mich hin. Lange vor ihm hatte ich gewusst, dass diese Frau meinen Freund zähmen würde. Aber wenn ich eine Andeutung darüber machte, wurde er beinahe aggressiv und bot mir eine Abreibung an.

Ich lenkte den Wagen zur William Anderson Vorschule und reihte mich in die Schlange der Wartenden ein.
An die abfälligen Blicke der anderen Eltern hatten meine Brüder und ich uns gewöhnt.
Wenn diese ›Möchtegern-Elitefamilien‹ wüssten, dass es unter den hochrangigen Bürgern unserer hübschen Stadt mehr Abschaum gab als in den einfachen Arbeiterfamilien, wären sie sicher überrascht.
Genau das war nämlich der Grund, weshalb Angels Tochter in diese Vorschule ging und stets von einem von uns abgeholt wurde.
Morgens übernahm diesen Part immer Blood selbst. Nachmittags wechselten wir uns ab.

Während ich wartete, gingen mir die Ereignisse der letzten Wochen durch den Kopf.
Iron, unser Pres, war immer noch mit seiner Ol’ Lady in Irland, wo sie als Zeugin in einem großen Prozess gegen ihren Ex-Verlobten aussagen musste. Wenn sie nicht bei Gericht waren, erkundeten sie die Insel, auf der Enya aufgewachsen war.
Sollten sie ruhig. In Dreamtown war zwar viel passiert seit ihrer Abreise, doch Blood hatte alles im Griff.

Frisco, unser Bruder aus dem Chapter in Sacramento, hatte hier Wurzeln geschlagen und überlegte, zu uns überzuwechseln. Der lässige Kerl mit dem Rauschebart würde gut zu uns passen und deshalb nahm ich an, dass früher oder später die Abstimmung über seine Aufnahme positiv ausging.
Der Schulgong ertönte und ich stieg aus. Gleich würde die kleine Amy über den Vorhof laufen und sich suchend umblicken.
Unweit von mir unterhielten sich zwei topgestylte Frauen und sahen immer wieder verstohlen zu mir herüber.
»Unmöglich! … Diese Frisur … ständig irgendwelche anderen … und dann die Kleidung … passen überhaupt nicht hierher.«
Natürlich, sie redeten über mich und meine Kumpels.
Spießer! Sollten sie ruhig glauben, dass Anzugträger bessere Kerle waren. Wenn sie wüssten …
Ich drehte mich zu ihnen um und setzte zu einem breiten Grinsen an. Abrupt unterbrachen sie ihr Gespräch und sahen mich argwöhnisch an.
Genau in dem Moment, als ich überlegte, ob ich etwas echt Nettes über ihre Botox-gepushten Lippen sagen sollte, kam Amy angelaufen.
»Hallo, Wickie!«, rief sie mir schon von Weitem freudestrahlend zu.
Ein Seufzen entwich mir. Die Kleine hatte einen Narren an mir gefressen, und wenn sie nicht an Blood hing wie eine Klette, hielt sie sich an mich. Der Spitzname, den sie mir verpasst hatte, belustigte alle, und gerade in diesem Augenblick machte er das Bild des bösen Bikers total zunichte.
Ich begrüßte sie mit Getto-Faust – das liebte sie – und hielt ihr dann die Wagentür auf.
»Bloß schnell weg hier«, zwinkerte ich ihr zu. »Diese beiden Tussis sind der Meinung, dass Kerle wie ich hier nichts zu suchen haben.«

Warum das so lange dauert und ich mir manchmal die Haare raufe …

Nach meinem Debütroman, Heroes – Blutsbrüder, den ich 2013 mehr oder weniger  blauäugig auf die Welt losgelassen habe, musste ich viel Lehrgeld bezahlen. Vernichtende Bewertungen, persönliche Angriffe – die zum Teil sehr beleidigend waren und das unschönste war eine „ganz und gar nicht nette“ Rezension einer Autorenkollegin, die im gleichen Genre schreibt. Weiterlesen