Hier kommt die Siegergeschichte des Kurzgeschichtenwettbewerbs:

Auch wenn alle Geschichten schön zu lesen waren und ich manchmal wirklich laut lachen musste, habe ich mich für die Geschichte von Christine R. entschieden. Sie hat die Story mit Effi (Turbos Mum) fortgesetzt und sich einen wirklich interessanten Plot dazu einfallen lassen.
Eigentlich hatte ich ja einen Gewinn versprochen, der aus einer Tasse mit Clublogo, einem Mousepad mit Clublogo und dem neusten Band der Fire Devils MC-Serie besteht. Darüber darf sich Christine freuen, aber weil nur drei Geschichten eingegangen sind, dachte ich mir, die anderen beiden Teilnehmer bekommen von mir ebenfalls ein signiertes Buch. Vielen Dank für eure Teilnahme – ich hoffe, es hat euch genauso Spaß gemacht, wie mir 🙂

Über die Autorin:
Ich heiße Christine Rundel, nur Chrissie gesprochen, bin 39 Jahre jung und komme vom Bodensee. Gebürtig aus Friedrichshafen, seit sieben Jahren mittlerweile in Tettnang wohnend. Ich bin verheiratet und wohne zusammen mit meinem Mann und unserer Hündin Candy, ein Flat-Coated-Retriever-Mädel, in einem Haus direkt hinter Tettnang.

Beruflich arbeite ich auf einer Behörde in Ravensburg als Verwaltungsfachangestellte.

Vor ca. drei Jahren bin ich auf die Bikerwelt in Büchern aufmerksam geworden. Im wirklichen Leben schon viel früher, da sich meine beste Freundin mal in einen dieser Jungs verliebt hat. Damals war das nicht mein Ding und ich fand die Männer furchtbar (vor allem im Umgang mit dem weiblichen Geschlecht). Umso schöner war es dann auch mal was von netten und humorvollen Bikern zu lesen. Die auch gut und freundlich mit Frauen umgehen können – ich hoffe solche Exemplare gibt es auch in Echt.

Für mich der erste Ausflug als Schreiberin…
Und hier kommt die Siegergeschicht. Der Anfang ist von mir, ich habe gekennzeichnet, ab wann Christine übernommen hat. Viel Spaß damit – und ich würde mich freuen, wenn ihr uns eure Meinung dazu mitteilt.

Cook & Love
Clubhaus der Fire Devils, Dreamtown
»Schnauze Jungs, gleich geht es los!«, brüllte Turbo und angelte nach der Fernbedienung um die Lautstärke zu erhöhen.
Einige der Members hatten es sich schon in den Sesseln bequem gemacht, doch Gozo und Trouble standen noch am Tresen und diskutierten lautstark herum. Turbos böser Blick genügte nicht, um sie verstummen zu lassen, also warf er Trouble ein herumliegendes Basecap an den Kopf.
Meghan klopfte auf den Platz neben sich und winkte Trouble zu. Endlich kehrte Ruhe ein und der junge Biker setzte sich neben seine heimliche Liebe. »Wow, das ist so aufregend. Effi hat sich schon immer gewünscht, die berühmte Köchin Ella King kennenzulernen, und jetzt ist sie tatsächlich in ihrer Kochshow«, flüsterte Meghan Trouble zu und hielt ihm eine Schüssel mit Chips hin.
Heute Abend war der gesamte Club versammelt. Auch alle Ol’ Ladys waren da und weil es Samstag war, durfte sogar klein Amy aufbleiben um das große Ereignis im TV mitzuverfolgen. Die Babys schliefen im Hinterzimmer und Enya, die sie eben zu Bett gebracht hatte, kam gerade rechtzeitig dazu. Iron breitete einladend seine Arme aus und sie kuschelte sich an ihn.
Als die Teilnehmer groß im Bild waren und namentlich vorgestellt wurden, schnaubte Iron überrascht. »He, den Kerl da kenne ich. Der ist Member bei den Black Snakes, aus Spring Falls.«
»Du hast recht«, stimmte Blood ihm zu und starrte gebannt auf den Bildschirm. Dort wurde eben ein Mann gezeigt, der in etwa Effis Alter hatte. Unter einem schwarz gemusterten Bandana lugte grau meliertes Haar hervor und er trug einen Dreitagebart. Das schwarze T-Shirt verdeckte seine Tätowierungen an beiden Armen nicht und in seinem rechten Ohrläppchen baumelte ein silberner Ring.
Dann schwenkte die Kamera zu Effi. Die gute Seele des Clubs lächelte in die Kamera, während ein Sprecher sie vorstellte.
»Effi sieht toll aus«, bemerkte Jaz. »Ja, das Kleid steht ihr gut«, freute sich Angel und klein Amy klatschte in die Hände.
»Heilige Scheiße«, rief Turbo. »Seht ihr, wie der verdammte Scheißkerl Mum in den Ausschnitt glotzt?!«
»Und jetzt grinst er sie auch noch so unverschämt an«, stimmte Trouble ihm zu und bekam prompt einen Rempler von Meghan. »Stellt euch nicht so an, Jungs. Effi sieht fantastisch aus und er ist eben auch nur ein Mann. Gönnst du es deiner Mum etwa nicht?«
»Aber ausgerechnet ein Member der Snakes. Und überhaupt … schaut doch! Jetzt rückt er auch noch näher an sie heran.« Turbo schien tatsächlich sehr aufgewühlt zu sein, denn er sprang auf und sein Blick war finster.
Während die Frauen das Ganze ziemlich gelassen hinnahmen, regten sich die Männer darüber auf, dass ein Biker offensichtlich Interesse an Effi zeigte.
»J. J., was kannst du über diesen Kerl herausfinden?«, fragte Iron.
»Das ist doch nicht dein Ernst?«, mischte sich Kelly ein, als J. J. aufsprang und seinen Laptop holte.
»Es kann nicht schaden, wenn wir wissen, mit wem wir es zu tun haben«, knurrte Turbo und nickte dem Pres dankbar zu.
»Herrgott noch mal, die vermiesen uns die ganze Show mit ihrem Machogehabe«, maulte Jaz und verdrehte die Augen.
Angel nickte zustimmend. »Kaum zu fassen, dass sie so einen Aufstand machen wegen einem alten Herrn. Ich finde, er sieht interessant aus, und irgendwie nett.«
»Und kochen kann er auch, sonst wäre er nicht in der Show«, pflichtete Runa ihr bei.
Blood schnaubte und warf den Frauen einen ungläubigen Blick zu. »Interessant und nett! Hoffentlich täuscht ihr euch da nicht gewaltig!«, brummte er und linste J. J. über die Schulter. »Schon was herausgefunden, Bro?«, fragte er.

 

Kochstudio Ella King
Jack Lennox, V. P. bei den Black Snakes, aus Spring Falls, zwinkerte Effi zu. Was er sah, gefiel ihm. Dass sie in dieser Show seine Konkurrentin war, störte ihn nicht. Im Gegenteil. Besser als gegen alberne junge Tussen zu kochen. Effi war eine attraktive Frau im besten Alter. Ihm gefiel, wie sie lachte und die Fältchen um ihre Augen machten sie in seinen Augen noch schöner. Er nahm sich vor, sie auf jeden Fall nach der Show auf einen Drink einzuladen.

Hier geht es weiter mit Christines Fortsetzung

In wenigen Minuten wurde es ernst. Die Kandidaten der Koch-Show von Ella King würden ihre Gerichte erhalten die sie dann in einer vorgegebenen Zeit zu kochen und gestalten hatten. Für Effi an sich kein Problem, ihre große Leidenschaft war das Kochen. Aber sie hatte nicht damit gerechnet, dass ein Mann wie Jack Lennox an ihrer Seite stehen würde und ebenfalls den Sieg dieser Show im Auge hatte. Wow! Was für ein Kerl. Effi konnte sich nicht erinnern, wann sie ein Mann das letzte Mal so von den Socken gehauen hatte. Er sah nicht nur interessant aus, er war auch charmant und hatte ihr schon ein paar Mal aufmunternd zugezwinkert. Er schien nicht im Mindesten nervös zu sein. Im Gegensatz zu ihr. Die Kameras taten ihr übriges dazu, dass ihr Herz in einem gigantischen Ausmaß zu wummern begann. „Himmel lass mich das hier mit Würde überstehen“, betete sie vor sich hin.

Meine lieben Köchlinge, ihr dürft nun beginnen. Möge der Beste von euch gewinnen. Ich wünsche euch allen gutes Gelingen!“, flötete Ella King schrill und das Publikum, welches während der Aufzeichnung der Show im Hintergrund im Studio saß, begann ermunternd zu klatschen.

Okay Effi nun los“, murmelte sie vor sich hin, während sie die ersten Töpfe und Pfannen zusammen suchte. Nur 30 Minuten Zeit für ein volles Gericht. Das würde verdammt knapp werden. In ihrer Eile rempelte sie mit ihrem Rücken an eine harte Brust. Sie drehte sich um und schaute Jack Lennox in die Augen, der sie mit funkelndem Blick von oben anschaute. Der Mann war über einen Kopf größer als sie. „Hallo“ brachte sie heißer zustande und streckte ihm ihre Hand hin. „Ich bin Effi.“ Na das kann ja heiter werden dachte sie sich, als sie merkte wie heiß sich ihr Kopf vor Nervosität anfühlte. Er nahm mit festem Griff ihre Hand in seine und stellte sich ebenfalls vor. „Nicht so nervös, liebe Effi. Es kann Ihnen nichts passieren. Ich habe Sie im Blick“, zwinkerte Jack ihr zu. Sie begann leise zu lachen und sagte ihm, dass es auch okay wäre wenn er sie duzte. „Gern“, fügte er hinzu und begann ebenfalls damit seinen Arbeitsplatz einzurichten. Noch hatte sie keinen Handschlag getan und die Zeit tickte bereits unablässig. In Windeseile setzte sie nun das Nudelwasser auf und begann die Zutaten für die Sauce vorzubereiten. Es sollte ein Hauptgericht werden. Immerhin hatte sie sich bereits im Kopf ein Schema festgelegt, sodass sie nun nur die richtige Abfolge im Auge behalten musste. Der Rest ging wie von selbst. Sie kochte ja seit vielen Jahren für ihre Bikerfamilie und daher war sie es gewohnt, dass es stressig war und schnell gehen musste da viele hungrige Mäuler um sie herum waren. Sie liebte das. Jedes Weihnachtsfest und jede sonstige Feier wie Thanksgiving waren fest in ihrer Hand was das Kochen und die Bewirtung ihrer Fire Devils-Familie betraf. Diese wurde unablässig größer, da immer mehr ihrer Jungs sich eine Frau an ihre Seite nahmen. Tief in ihrem Innern hatte sie immer gehofft, dass auch ihr Junge sich mal die Zeit nahm um Ausschau nach einem geeigneten Mädel zu halten, aber soweit schien Turbo noch nicht zu sein. Naja, ist ja noch nicht aller Tage Abend, lachte sie leise vor sich hin, während sie die letzten Tomaten in die Sauce gab. „Was ist so lustig?“, fragte eine tiefe Stimme neben ihr. „Oh ich ähm… musste gerade an meinen Sohn denken“, flüsterte sie leise zurück zu Jack, der nun wieder neben ihr stand. Er lächelte sie sanft an. Was er wohl gerade dachte, kam ihr der Gedanke, den sie allerdings sofort wieder abschüttelte. „Hast du Kinder, Jack?“ stellte sie die Gegenfrage an ihn. Er begann zaghaft zu nicken. „Ja, zwei Töchter“, gab er ihr als Antwort. „20 und 22 Jahre jung“, sagte er mit stolz in der Stimme. „Wie schön“, flüsterte Effi. Sie wollte nicht, dass die Kameras zu viel von ihrem doch nun etwas intimeren Gespräch aufnahmen. „Ist deine Frau im Publikum“, fragte Effi und schaute sich um. Jacks Blick wurde düster und er schüttelte seinen Kopf. „Nein, leider nicht“. „Okay“ nickte Effi und wunderte sich über seinen Blick. Irgendwas an seiner Haltung hielt sie davon ab, weiter zu fragen und so widmete sie sich wieder ihrem halbfertigen Gericht. „Sie ist leider nicht mehr unter uns“, flüsterte Jack ihr zu. Und sie erhaschte einen Blick in seine schmerzverzerrten Augen. „Oh, das tut mir leid, Jack“, gab Effi völlig entsetzt von sich. Sie berührte seine Hand, es ging ganz automatisch ohne dass sie darüber nachdenken musste. Er nahm es freundlich hin, wenn auch ein wenig in seinen eigenen Gedanken versunken. Schließlich tätschelte er einmal ihre Hand die auf seiner lag und widmete sich wieder seinen Töpfen. „Meld dich wenn du Hilfe brauchst“, sagte er im Weggehen.

Nachdenklich schaute sie Jack hinterher. Was um Himmels Willen war nur mit seiner Frau passiert, fragte sie sich. Er machte einen ziemlich gebrochenen Eindruck und es schien ihr, als wenn sie soeben alte Wunden bei ihm aufgerissen hätte. Weiter kam sie nicht zum nachdenken, denn auf einmal war es dunkel im Studio. Es schien als hätte die komplette Beleuchtung ihren Geist aufgegeben. Merkwürdig dachte Effi, während sie inne hielt um nicht an die Einrichtung zu stoßen. Plötzlich stand Jack neben ihr und fragte sie ob alles in Ordnung sei. „Ja soweit alles okay, das könnte ein Stromausfalls ein“, sinnierte Effi nicht ohne zu bemerken, dass er sie fest an ihren Oberarmen hielt. „Hoffentlich“ kam murmelnd von ihm und sie hatte das Gefühl, dass er sehr angespannt war. „Effi, ich bin der Vice-President eines Motorcycle Clubs und es könnte sicher auch einen anderen Grund geben für die plötzliche Dunkelheit hier. Also egal was geschieht, bleib in meiner Nähe und tu was ich dir sage, hörst du?“, fragte er sie. „Ja“ kam krächzend und außer Atem von Effi zurück, die kurz vorm überschnappen war weil sie keine Ahnung hatte von was zum Teufel er da gerade sprach. Effi kannte solche Situationen nicht wirklich, da die Männer der Fire Devils ihre Frauen so gut es ihnen möglich war, aus allen unangenehmen Situationen heraus hielten. Natürlich gab es schon viele gefährliche Situationen, aber in solch unmittelbarer Gefahr war sie bislang nie. Und keiner von den Devils war hier. Sie hatte befürchtet noch nervöser zu sein, wenn alle im Publikum sitzen würden und hatte sie daher gebeten, es vom Fernseher aus mit zu verfolgen. Das war offensichtlich ein Fehler. Sie drückte sich an Jack und murmelte ihm ins Ohr, ob denn von seinen Leuten jemand im Studio sei. Er nickte. Sie bekam es schemenhaft mit. Erleichterung durchströmte sie. „Wer sind die Leute?“, fragte Effi leise. Bevor Jack antworten konnte fiel ein Schuss. Effi zuckte zusammen und die ersten Schreie der Frauen im Publikum ertönten. „Leg dich auf den Boden“, brüllte Jack und zog ein Messer hervor.

Währendessen in Dreamtown, Clubhouse der Fire Devils…
Äh Iron, was geht denn da ab?“ stellte J.J. die Frage als er von seinem Laptop aufschaute. Der moderne Flatscreen zeigte ein dunkles Bild. Auch vom Ton war nichts mehr zu hören. Iron drehte seinen Kopf von seiner Frau zum Bildschirm und schaute verblüfft auf den schwarzen Bildschirm. „Keine Ahnung, aber der Ton scheint auch weg zu sein. Vielleicht ein Stromausfall?“ sinnierte Iron irritiert vor sich hin. Allerdings glaubte er daran nicht wirklich. Es war ja auch nur eine Frage der Zeit bis sich wieder einer ihrer Feinde regen würde und er wartete schon seit längerem darauf. Aber er konnte sich keinen Reim darauf machen, warum diese in einem TV-Studio auftauchen sollten, wo doch keiner von den Devils dort war. Das Einzige was passen würde, wäre dass es den MC von Jack treffen sollte und nicht die Devils. Dumm nur, dass Effi direkt in dieser Show hockte. Somit waren die Devils mit involviert ob sie nun wollten oder nicht. „Verdammter Mist, was geht da ab“, begann nun auch Turbo los zu meckern. „Iron, meine Mutter ist dort, ich werde mich auf mein Bike schwingen und hinfahren. Was sagst du dazu? Begleitet mich wer?“, stellte Turbo die wichtigste Frage. „J.J. kannst du eines der Handys von den Leuten des MC´s von Jack knacken oder zumindest mal den Versuch starten durch zu kommen um zu erfahren was vor Ort los ist?“ stellte Iron die Frage an J.J.. „Wird sofort erledigt, Präs“, murmelte J.J. im vorbei gehen und setzte sich wieder an seinen Laptop. Keine zehn Minuten später war klar, dass es kein Durchkommen gab. „Da hat wohl jemand seine Hausaufgaben gemacht, ich komm hier nirgends rein. Scheint so, als ob sie alles lahm gelegt hätten“, gab J.J. von sich. „Das bedeutet für uns, wir fahren hin. Trouble und Blood ihr beiden bleibt hier, falls hier jemand eindringt während wir weg sind“, gab Iron seine Anweisung. Die restlichen Männer bewaffneten sich und gingen dann zu ihren Maschinen, während die Frauen besorgte Minen auflegten. Enya konnte es nicht fassen, dass schon wieder ein solches Drama losging. Jetzt wo die Kinder da waren, fiel es ihr unglaublich schwer ihren Mann ziehen zu lassen und jedes Mal ohne die Gewissheit dass er heil und unversehrt wieder zu ihr zurückkehrte. Bislang ging es jedes Mal gut, aber das konnte sich schnell ändern – vor allem da keiner der Männer wusste was überhaupt los war. Sie lief zu Iron und drückte sich fest an ihn. „Bitte komm gesund wieder zu uns zurück, Iron. Denk an unsere Kids“, flüsterte Enya unter Tränen. „Natürlich mein Engel, dass mache ich in jeder Sekunde des Tages und natürlich auch vermehrt in der Nacht“, lächelte er ihr mit einem Grinsen um seine Lippen zu. „Noch wissen wir ja nicht mal wer da Mist baut, geschweige denn ob es überhaupt Mist ist oder nur einfach ein Stromausfall im Sender und die Städte im Umkreis“, schlussfolgerte Iron aus den aktuellen Geschehnissen. „Wir sind sicher bald wieder hier und wir bringen Effi auf alle Fälle zurück. Kochshow hin oder her, in Gefahr bringen muss sie sich deswegen nicht, kochen kann sie auch hier zur Genüge“, kasperte Iron. „Ich mache mir wirklich Sorgen, Iron. Du nimmst mich nicht ernst“, grummelte Enya sauer zu ihrem Mann. „Ragnar ist dabei. Wenn er die Sache nicht in den Griff bekommt, wer dann?“ lachte Iron nun auch noch. „Ja ja … haut schon ab“. Enya machte eine wegwerfende Handbewegung. Auch die anderen Frauen schienen ähnlich unbefriedigende Gespräche mit ihren Männern zu führen die wohl allesamt in die falsche Richtung führten. Sie würden fahren, ob die Frauen nun zustimmten oder nicht. Das war Enya klar. Sie konnte nur hoffen und beten, dass alle gesund zurück kamen und diese Sache heil ablief. Was auch immer es letzten Endes für eine Sache war. Sie konnte sich keinen Reim darauf machen was in diesem Fernsehstudio vor sich ging. Das Einzige was sie sich denken konnte, war dass es vermutlich tatsächlich nicht einfach nur ein technisches Problem war.

Während sie noch am überlegen war, hörte sie die dröhnenden Harleys der Männer. Sie fuhren also tatsächlich ins Ungewisse…

Kochstudio Ella King
Guten Abend meine lieben Kochshow-Freaks. Tut mir wirklich wahnsinnig leid, dass wir euch nun so stören müssen“, brummte eine tiefe Stimme im Studio umher. „Ihr werdet euch sicher fragen was genau wir hier von euch wollen. Dazu kann ich euch noch nicht so viel sagen, außer dass ihr erstmal Ruhe bewahren solltet. Andernfalls werden wir euch ruhen lassen.“ Der tiefe Bass in der Stimme des Mannes begann laut zu brummen. Schien so, als würde er seine Aussage äußerst lustig finden. „Ein Wortspielchen muss sein, meine lieben Köche und Köchinnen. Und jetzt legt euch fürs Erste mal alle auf den Boden. Ich will nicht, dass ihr mit euren Kochmessern nach mir wirft“, schon wieder begann der Typ zu lachen. Effi war völlig fassungslos. Was sollte das Ganze Theater hier. Sie hatte sich seit Monaten auf diese Show gefreut und nun sollte sie so enden? Völlig unmöglich, so ging das auf keinen Fall.

Das schien auch Jack so zu sehen, der vor Wut zu kochen schien. „Effi, leg dich hin und wenn ich dir ein Zeichen gebe, kriechst du in den Schrank unter dem Spülbecken. Du wirst dich etwas verrenken müssen, aber ich will dich aus der Schusslinie haben, verstanden?“, murmelte Jack ihr leise zu. Oh je, dachte Effi, in diesen Schrank kam sie nie und nimmer komplett rein. Aber versuchen konnte sie es ja mal. Allemal besser, als erschossen zu werden.

Jetzt!“, stieß Jack sie an. Effi war kaum an der Schranktür als Jack auch schon hochschoss und ein Messer in die Richtung des Mannes warf, der in das Studio eingedrungen war. Ein markerschüttender Schrei füllte den Raum und Effi war klar: Jack hatte ihn getroffen. Sie war froh darüber, denn arg lang würde sie in diesem Mini-Schrank nicht sitzen können.

Jack du Idiot, was soll denn dieser Scheiß. Warum wirfst du ein Messer auf mich?“, brummte der stämmige Mann los. „Drei Mal darfst du raten, Birdie, warum ich dir ein Messer in die Schulter schmeiße“, polterte Jack los. „Du kommst hier bewaffnet in die Show und machst einen auf dicke Hose und dann wunderst du dich wenn sich jemand zur Wehr setzt? Was soll die Aktion hier? Du bist doch sicher nicht allein? Wo ist dein Zwilling?“, stellte Jack ein Duzend Fragen und sorgte dafür für Verwunderung bei Effi. Es sind Leute von ihm? Seine Leute? Sinnierte sie in ihrem engen Gefängnis. Langsam ging ihr da drin die Luft aus.

Na das ist ja super gelaufen Bird, echt, dich kann man schicken!“, maulte eine andere Männerstimme nun lautstark. „Ich brauche einen Arzt, Mann!“, maulte Birdie zurück. „Na das hättest du dir eher überlegen müssen, bevor du dich abschießen lässt. Du kennst Jack doch“, lachte der andere nun. „Na das war ja klar, dass DU dahinter steckst, Andrew! Was soll die Aktion hier? Wollt ihr das die ganze Welt mitbekommt, was ihr für einen Mist baut?“, motzte Jack die beiden Angreifer an. „Die ganze Welt?“, lachte der andere nun, der etwas weniger brummig sondern eher freundlich klang, wie Effi auffiel. „Niemand bekommt da draußen was mit, die Kameras sind aus, genauso wie eure Herdplatten“, lachte Andrew. „Ich bin mir sicher, du weißt was ich möchte, Jack. Also her mit der Antwort und wir verschwinden von hier. Andernfalls ziehen wir die Sache hier noch ein wenig in die Länge und schauen mal wie deine kleine neue Freundin mit einem Messer in der Schulter aussieht, was hältst du davon Jack?“, fragte Andrew nun lachend.

Effi? Wieso um Himmels Willen weiß er denn von Effi. Hatte er den Beginn der Show gesehen? Das hatte er nicht eingeplant, in dem Fall aber gut, dass sie sich unsichtbar gemacht hatte. „Stell die Frage, Andrew, ich habe keine Ahnung was du hier zu suchen hast, verdammt noch mal“, maulte Jack ihn an und stellte sich breitbeinig vor ihn. „Wo ist sie?“, stellte Andrew nun seinerseits die Frage und das nun wesentlich knurriger als noch vor ein paar Minuten. „Von wem redest du? Ich bin hier um zu kochen und auf diese Show freue ich mich schon seit Monaten, also verpiss dich endlich damit wir hier weitermachen können!“, Jacks Wut nahm zu. „Sag mir wo deine Tochter steckt und ich gehe. Sie ist meine Frau und du musst sie nicht vor mir verstecken. Ich bin ihr Mann und bald der Vater unseres ungeborenen Kindes. Also raus damit: WO versteckt sie sich?“, polterte Andrew Jack entgegen. Von ihrem Schränkchen aus, konnte Effi sehen wie Jack blass wurde. Offensichtlich hatte er keine Ahnung von seiner baldigen Opa-Werdung. Leider hatte Effi ihr Handy in der Umkleidekabine gelassen die im Aufenthaltsraum für alle Teilnehmer eingerichtet war. Somit konnte sie keine Verstärkung holen und nur hoffen, dass alle Beteiligten eine gute Einigung fanden. Schien so, als ob die Tochter nicht mehr viel Lust auf ihren schrägen Ehemann hatte. Irgendwie konnte Effi das Mädchen verstehen. Sie musste eine von den beiden Töchtern sein, die Jack am Beginn des Abends erwähnt hatte.

Sie ist schwanger?“ fand dieser nun seine Stimme wieder. „Du blöder Idiot hast sie geschwängert? Melanie ist gerade mal 20 Jahre alt. Warum habt ihr nicht verhütet? Meine Güte, die Welt wird doch langsam echt bekloppt, ihr jungen Kerle wisst wie man das Internet lahm legt, aber wie man einen Gummi benutzt, davon habt ihr keine Ahnung?!?“, schrie Jack seine Wut heraus. Effi zuckte unweigerlich zusammen. Was das betraf hatte ihr Sohn sich immer vorbildlich verhalten. Noch gab es keine Kinder von ihm. Zumindest keine die sie kannte oder die sich bemerkbar gemacht hätten. Sie musste leise kichern. So langsam begann ihr die Geschichte hier zu gefallen. Es war schön mal die Seite eines Vaters kennen zu lernen, der alleine mit seinen Kindern klarkommen musste. So wie sie damals mit Turbo. Gespannt hörte sie weiter zu…

Äh ja, also“, wand sich Andrew und begann zu stottern. „Das war natürlich nicht geplant und natürlich haben wir verhütet, aber Meli brauchte irgendwann mal ein Antibiotikum und dann kam wohl eins zum andern… und die Pille hat wohl nicht mehr zuverlässig gewirkt, zumindest hat die Frauenärztin es uns so erklärt.“, rechtfertigte er sich. Jack atmete ein Mal tief durch bevor er auf Andrew zuging und ihn an der Schulter packte. „Dann geh jetzt und such sie, denn bei mir ist sie nicht gewesen. Ich wusste bis gerade eben auch nicht, dass ich im Begriff bin Opa zu werden. Und wenn du sie gefunden hast, gib mir Bescheid. Los jetzt raus aus diesem Studio bevor die Bullen kommen und euch mitnehmen. Mann das hättet ihr auch leichter haben können als hier einen Überfall zu starten“, maulte Jack ohne Unterbrechung und mit Wut in seiner Stimme. Andrew zog mit gesenktem Kopf ab und murmelte was von `doofe Idee Bird` vor sich hin. Er zog Birdie mit sich. Dieser war immer noch am jammern und hielt sich den linken Arm. Vermutlich mussten die beiden Kindsköpfe noch in einem Krankenhaus vorbei schauen bevor sie sich auf die Suche nach dem Mädchen machten. Effi war es gleich. Sie lugte langsam aus ihrem Gefängnis und sah in zwei leuchtend blaue Augen. „Komm raus, Effi. Sie sind weg.“ Jack streckte ihr seine Hand entgegen und lächelte sie an. Behutsam half er ihr aus dem engen Schrank. „Danke Jack. Auch dafür, dass du mich so geschützt hast“, lächelte Effi zurück. „Immer wieder gern!“ kam es von ihm und er drückte sie beherzt an sich. Zögerlich umarmte Effi ihn ebenfalls. Wie lange hatte sie schon keinen Mann mehr so eng an sich gespürt? Sie spürte wie ihr die Röte in die Wangen stieg und wartete gespannt was er nach dieser Umarmung machen würde. „Effi… ähm also, du hast ja gehört, dass es mein Schwiegersohn war, der die Show hier so rüde unterbrochen hat. Ich würde dich gerne zum Essen einladen als Wiedergutmachung, denn du hattest ja sicher Angst, genau wie vermutlich alle hier“, entschuldigend schaute er sie an. Dabei hatte er ja keine Schuld an der Situation. „Die beiden sind sehr jung und führen eine etwas explosive Beziehung. Leider konnte ich meiner Tochter diesen Kerl nicht aus dem Kopf reden und dass jetzt noch ein Kind kommt macht die Sache sicher nicht entspannter. Vermutlich ist sie zu ihrer besten Freundin geflüchtet als sie von der Schwangerschaft erfahren hat. Ich hoffe sie macht keinen Blödsinn bis Andi sie findet“, erklärte Jack ihr. „Also wenn du noch Lust auf ein näheres Kennen lernen hast, nach der Sache hier. Könnte ja sein, dass meine Familie dich nun nachhaltig abgeschreckt hat“, lächelte er ihr zu. „Du hast meine noch nicht kennen gelernt“, lache Effi und machte sich tatsächlich Gedanken wie diese erste Zusammenkunft wohl aussehen könnte. „Aber ja, ich würde sehr gerne mit dir essen gehen, Jack.“ „Das freut mich sehr!“ sagte er und gab ihr einen leichten Kuss auf die Wange. Er drückte noch kurz ihre Hand und ergriff dann das Wort an die immer noch recht verstört aussehende restliche Kochmannschaft. „Weiter mit der Show, Leute! Schlimmer kann es nicht mehr werden. Wir sollten schauen, dass wir noch ein paar gute Gerichte hinbekommen“, zwinkerte er den Leuten zu und in diesem Moment begannen auch die Kameras wieder zu blinken. Ebenso wurde das Licht wieder ganz angestellt. Andrew hatte nur einen leichten Lichtzug zugelassen, wohl damit ihn nicht gleich alle komplett auf dem Schirm hatten und später eine Täterbeschreibung abgeben konnten. Clever schien er ja zu sein. Naja, dachte Effi als sie sich wieder an ihre Töpfe begab, er hat sich ja nur Sorgen um seine Frau gemacht. Das konnte sie ihm also gut verzeihen. Sie lächelte und machte sich weiter an ihrem Gericht zu schaffen.

Doch sie hatte die Rechnung ohne ihre Familie gemacht. Keine Stunde später ging das Licht wieder aus… und ein lautes Gebrüll erfüllte den Raum… „MUM“, schrie ihr Sohn Turbo. Sie blickte sich um und sah, dass ihre Kochkollegen sich wieder auf den Boden legten. Ein wenig resignierter als vorher und auch weniger ängstlich, aber ein Automatismus hatte sich wohl schon eingeschlichen. Nun blickte sie zu Jack und sagte lachend: „Die Meute gehört dann wohl zu mir! Darf ich dir vorstellen: meine Familie!“

ENDE

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BROKEN RULES Frisco und Alex (Der Fire Devils MC 6)

Und wieder ist es so weit! Der inzwischen sechste Teil der Fire Devils-Serie ist veröffentlicht. Ab heute kann er auf den Readern der Kindle Nutzer einziehen. Über Kindle Unlimitet sogar kostenlos gelesen werden.

Ich wünsche allen Lesern viel Spaß mit Frisco und Alex ❤

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Im 6. Teil um den Fire Devils MC erwarten euch heiße Begegnungen, dunkle Geheimnisse und schwere Entscheidungen.

»Die Regeln in unserem Club sind ganz einfach. Sogar ein Idiot wie du sollte sie verstehen. Wir halten zusammen und tun alles, um unsere Brüder und die Familie zu schützen!«
In einer Gewitternacht fährt Frisco auf dem Weg nach Hause eine junge Frau an. Als diese sich standhaft weigert, ins Krankenhaus zu gehen, nimmt er sie mit zu sich. Alexandra verdreht dem sonst so coolen Rocker gehörig den Kopf, was sein Club gerade gar nicht gebrauchen kann.
J. J.s erster Auftrag für die Company steht bevor und alle sind sich sicher, dass der General die Fire Devils nicht so einfach davon kommen lassen wird …

Wieder einmal stellt sich die Frage: Wer ist Freund – wer Feind?

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Band 5 der Fire Devils MC- Serie …

… hat immer noch keinen Titel und ist auch noch nicht fertig. Ich weiß, das ihr, meine lieben Leser schon ungeduldig auf die Fortsetzung wartet, doch ich brauche einfach noch eine Weile. Um euch ein bisschen versöhnlich zu stimmen gibt es heute aber eine XXL-Leseprobe. ACHTUNG: der Text ist nicht überarbeitet und schon gar nicht fehlerfrei, also lest einfach darüber hinweg 😉 Ich würde mich über euer Feedback dazu freuen – entweder hier als Kommentar, oder auf meiner Facebookseite.

Washington, Mitchells Schrottplatz
»Er kommt«, sagte Tom und drehte sich zu seinem Vater um.
»Glaubst du, er kann uns helfen?«, fragte der alte Mann.
»Wenn nicht, dann weiß ich auch nicht weiter. J. J. ist mein Freund. Er hat mir immer aus der Klemme geholfen, schon als wir noch Kinder waren.«

Toms Vater fuhr mit seinem Rollstuhl ans Fenster und starrte hinaus. »Ich hoffe sehr, dass du recht hast. Diese Sache ist eine Nummer größer, als irgendein dummer Jungenstreich, den man in Ordnung bringen muss. Das ist dir klar, oder? Es geht um deine Schwester.«
»Daran musst du mich nicht erinnern, Dad«, erwiderte Tom verbittert. Die Angst um seine Schwester raubte ihm den Schlaf. Niemand wusste, wo sie war und ob sie noch lebte.
Wie, verdammt noch mal, hatte es so weit kommen können?

 

Kelly
Niemand aus meiner Familie hatte gewusst, dass ich mich auf die dunkle Seite geschlagen hatte. Zumindest hoffte ich das. Auch wenn Dad mich in letzter Zeit oft so seltsam angesehen hatte, er konnte nicht wissen, was aus seiner Tochter geworden war. Ich wünschte mir, dass er es nie erfahren würde. Es würde ihn umbringen …

Falsche Freunde würde es mein Dad nennen.
Schlechter Umgang.
Nur dass es in diesem Fall nicht um irgendwelche Drogen ging, die ich einnahm, oder vertickte, sondern es ging um Mord.
Ich hatte getötet.
Eiskalt und gnadenlos.
Harrison Kuback, der Mann, von dem ich geglaubt hatte, ihn zu lieben, hatte eine Mörderin aus mir gemacht. Oder vielleicht war ich ihm gegenüber ungerecht. Schließlich war ich es, die abgedrückt hatte? Ich hatte das Leben dieser Frau ausgelöscht, weil ich so blind und dumm gewesen war, mich mit diesem Mann einzulassen.
Harrison war aufgetaucht, als ich noch ein spießiges, normales Leben führte. Mitchells Schrotplatz, das Geschäft meines Vaters, hatten mein Bruder und ich übernommen, nachdem Dad einen Schlaganfall gehabt hatte, der ihn an den Rollstuhl fesselte.
Ich war sofort beeindruckt von Harrison. Er kam eines Tages mit einem Auto angefahren und sagte mir, dass es in die Schrotpresse sollte. Der Wagen war ziemlich neu und ich hatte mich gewundert. Harrisons Ausstrahlung war schwer zu beschreiben. Groß, breitschultrig und irgendwie gefährlich sah er aus. Er musterte mich mit einem anerkennenden Blick und zwinkerte mir zu. Beinahe sofort war es um mich geschehen.
»Lady, ich weiß, es mag Ihnen komisch vorkommen, dass dieser relativ neue Wagen verschrottet werden soll, aber mein Boss wünscht es so«, hatte er gesagt und dann mit den Schultern gezuckt. »Und was mein Boss möchte, das tue ich, ohne Fragen zu stellen. Kann ich mich darauf verlassen, dass dieses Auto nie wieder auf Washingtons Straßen unterwegs sein wird?«, fragte er und lächelte mich an. Die Grübchen auf seinen Wangen ließen mich dahin schmelzen. Also hatte ich genickt, ihm eine Bescheinigung ausgestellt und ihm gesagt, wo er den Wagen abstellen sollte.
Da es an diesem Tag drunter und drüber gegangen war, stand der silbergraue Lexus noch eine Weile herum.
Ich hatte vergessen, Tom Bescheid zu sagen, und so kam es, dass mein Bruder neugierig um das Auto herumschlich, als ich das Büro absperrte.
»He, Kelly, warum steht der Wagen hier hinten bei der Presse?«, hatte er gefragt und seine Augen glänzten, als er über den Kofferraumdeckel strich. »Der ließe sich noch gut verkaufen. Wer hat ihn gebracht?«
»Nein! Den kannst du nicht verkaufen, ich musste dem Kunden mein Wort geben«, erklärte ich und wusste, dass meinem Bruder das Herz blutete. Er hatte für fast alles Verwendung, und Autos, die noch nicht vollkommen auseinanderfielen, presste er nur schweren Herzens zu einem Klumpen zusammen.
»Na gut, aber es ist eine Schande«, seufzte er und schlug den Weg zum Haus ein.
Diesmal verstand ich seinen Widerwillen.
Eine Woche später erschien Harrison erneut. Diesmal brachte er einen dunkelblauen Honda. Sein umwerfendes Lächeln erstickte meine Fragen sofort im Keim und ich erwiderte es.
»Hallo hübsche Lady, anderes Auto, gleiche Prozedur«, sagte er, als er in der Tür zum Büro stand. »Allerdings wollte ich Sie heute fragen, ob ich Sie ausführen darf? Wie wäre es mit Essen gehen? Heute Abend?«
Ohne nachzudenken, sagte ich zu. Was war schon dabei? Ich war Single, und er war umwerfend charismatisch.
»Das ist wunderbar. Ich hole Sie ab. Sagen wir um acht?«, freute er sich, und ich begann mich auch darauf zu freuen. Erst als er weg war, dachte ich an meine Jugendliebe, J. J.. Wehmütig zog ich das kleine Bild von ihm aus meiner Handtasche und strich mit dem Finger über das lachende Gesicht. Er war Toms bester Freund gewesen und ich hatte ihn schon geliebt, als wir noch Kinder waren und den Schrottplatz zum Abenteuerspielplatz gemacht hatten. Als wir Teenager wurden und sich zwischen uns zarte Bande entwickelten, musste er wegziehen. Ich hatte mich tagelang verkrochen und wollte am liebsten sterben. Inzwischen war das fünf Jahre her, doch vergessen hatte ich ihn nie.
»Kelly, es wird Zeit, dass du dich auf einen anderen Mann einlässt. J. J. denkt schon lange nicht mehr an dich und schließlich willst du nicht als Jungfrau sterben«, hatte ich mir selbst zugeredet.

Erst als Harrison und ich schon viele Male miteinander ausgegangen waren und ich mich in ihn verliebt hatte, kam die ganze schreckliche Wahrheit ans Licht.
Regelmäßig lieferte er Autos zum Verschrotten bei uns an und immer waren es gepflegte Mittelklassewagen, für die man locker noch viel Geld bekommen hätte.
Eines Abends, kurz bevor Harrison mich abholen wollte, stand ich mit klopfendem Herzen vor dem schwarzen Pontiac, den er erst heute Morgen gebracht hatte. Auch wenn ich mir immer wieder einredete, dass es mich nichts anging, siegte meine Neugierde …
Ich öffnete die Beifahrertür und setzte mich hinein. Im Handschuhfach fand ich einen Lippenstift, einen silbernen Ohrring und ein paar leere Notizblöcke. Dann stieg ich aus, ging um den Wagen herum und öffnete den Kofferraumdeckel.

Clubhaus der Fire Devils, Dreamtown
Effi war erst zufrieden, als sie jeden Luftballon noch einmal persönlich überprüft hatte. Sie stemmte die Hände in die Hüften und sagte: »Mensch Jungs, macht doch nicht so ein Gesicht, als würdet ihr zu einer Beerdigung müssen. Gleich kommen ein paar hübsche Frauen mit süßen Babybäuchen und bringen Geschenke für unsere Enya mit.«
»Das ist es ja gerade, was mir Sorgen macht«, murmelte Navy Ragnar zu. Blood, der hinter der Theke stand, nickte zustimmend. »Ehrlich Mann, mir macht das auch mehr Angst als eine Steuerprüfung im Red Velvet.«
»Pah …, du hast gut reden. Immerhin hat deine Ol’ Lady bereits ein Kind. Unsere Mädels bekommen immer verdächtig feuchte Augen wenn sie Enya mit ihrem Monsterbauch sehen«, grummelte Ragnar.
»Ja und? Amy wünscht sich plötzlich ein Brüderchen«, erwiderte Blood und sah aus, als hätte er eine ausgewachsene Vogelspinne in seinem Getränk entdeckt.
Als die Tür des Clubhauses aufging und ein riesiger Luftballon in den Raum schwebte, verstummten auch die übrigen Gespräche. Das durchsichtige Teil mit dem Durchmesser eines Truckreifens war mit bunten Konfetti und einem Teddybären gefüllt.
Hinter dem Luftballon kam Fred Kosinski, sowohl Freund und Rechtsanwalt der Devils, als auch Enyas Anwaltspartner, zum Vorschein.
Er schien, im Gegensatz zu den Bikern kein Problem mit einer Babyparty zu haben. Freudestrahlend trat er ein und sah sich um.
»Wow, Effi, du hast dich wieder einmal selbst übertroffen«, lobte er. »Ich freue mich auf die Party. Ist unsere Hauptperson denn schon da?«

»Schleimer«, knurrte Ragnar. »Er tut, als wäre es das Normalste der Welt.«
»Du Charmeur!«, lachte Effi und hakte sich bei ihm ein. »Komm mit, wir binden den Luftballon da hinten fest. Enya und Iron sollten bald hier sein. Sie sind noch einmal kurz weg, um eine Freundin abzuholen. Wenn du vielleicht vorher etwas trinken möchtest, Blood und Frisco sind heute dafür zuständig.
Nach und nach kamen die Gäste und der Raum füllte sich.
Die Devils hielten sich auffälligerweise alle im vorderen Teil des Clubhauses auf und bemühten sich, das große Hallo zu ignorieren.
Auf dem extra bereitgestellten Tisch stapelten sich inzwischen die Geschenk und Dan,     J. J.s Dad hatte sich mit einem Bier schon mal ein Plätzchen gesucht, von wo aus er alles überblicken konnte. Turbo stupste seine Mum an. »Kümmere dich mal ein bisschen um ihn, er sieht so verloren aus.
Sofort ging Effi auf ihn zu und sprach ihn lächelnd an. Dan schien erfreut über ihre Aufmerksamkeit und bald waren die beiden in ein Gespräch vertieft.
Meg empfing die weiblichen Gäste. Hin und wieder blickte sie sich suchend nach Trouble um, und sobald sie ihn erblickte, schenkte sie ihm ein strahlendes Lächeln. Inzwischen hatte sie eine Ausbildung zur Erzieherin angefangen und aus dem verschreckten Mäuschen war eine selbstbewusste junge Frau geworden. Seit die Ghosts endgültig zerschlagen waren, hatte sie endlich mit dem Schrecken der Vergangenheit abschließen können.
Trouble und sie galten unter den Bikern als heiße Favoriten für das nächste Paar, und doch schienen die beiden Startschwierigkeiten zu haben. Es war für jeden offensichtlich, dass sie sich sehr mochten, anscheinend nur sie selbst konnten oder wollten es sich nicht eingestehen.
»Sag mal Meg«, sprach Frisco sie an, als sie an ihm vorbeiging. »Wie kommt es, dass so ein hübsches Mädchen wie du keinen Freund hat?«, fragte er und zwinkerte ihr zu.
»Wer sagt, dass ich niemanden habe?«, erwiderte sie frech.
Trouble, der das Ganze mit angehört hatte, erstarrte.
»Entspann dich, sie hat niemanden. Das weiß ich ganz sicher«, raunte ihm Turbo ins Ohr. »Vielleicht solltest du ihr endlich die Wahrheit sagen.«
»Misch dich nicht ein«, gab Trouble zurück und versuchte nicht zu zeigen, wie sehr ihn die Aussage erleichterte. Turbo musste es schließlich wissen. Meg war seine Cousine und lebte bei ihm und seiner Mum.
Kaum hatte er seine Gefühle wieder im Griff, ging die Tür auf und Henry kam herein. Der junge Cop kam in Jeans und T-Shirt, was bedeutete, dass er privat unterwegs war.
Jaz winkte ihrem Bruder fröhlich zu und Trouble bemerkte aus dem Augenwinkel, dass Meg sich in dem Moment, als sie Henry gewahr wurde, aufrichtete. Sie strich sich durchs Haar und trat auf ihn zu.
Trouble konnte ein Knurren nicht unterdrücken.
»He, Bro, was ist los?«, fragte Frisco verwundert. Er hatte bemerkt, wie sein Kumpel sich versteift hatte, und folgte seinem Blick.
»Ah, sieht aus, als hätte unsere kleine Meg doch einen Verehrer«, stichelte er und erntete einen schmerzhaften Seitenhieb.
»Streu nicht noch Salz in seine Wunden«, warnte Turbo, der das Ganze ebenfalls mitverfolgte.
»Wisst ihr was? Fickt euch!«, schnauzte Trouble und schickte sich an durch die Hintertür zu verschwinden.

Inzwischen standen Henry und Meg zusammen und unterhielten sich angeregt.
»Mein Schwager und Meg würden ein hübsches Paar abgeben.«
Turbo drehte sich um und sah Ragnar ins Gesicht. »Lass das bloß nicht Trouble hören, der dreht gerade am Rad.«
»Wieso? Ich dachte, die beiden verbindet eine rein platonische Freundschaft«, erwiderte Ragnar und sah verwundert aus.
»Ist leider nicht so einfach.«
»Na jetzt bin ich aber neugierig. Wie kommst du darauf?«, wollte der Biker wissen.
»Lange Geschichte«, winkte Turbo ab. »Außerdem weiß ich etwas, dass ich nicht sagen darf. Ich habe dem Jungen mein Wort darauf gegeben. Verstehst du? Also am besten du fragst deine Ol’ Lady. So wie ich unsere Frauen kenne, wissen die alles!«
»Ach, was soll’s, ist ja eigentlich auch egal«, meinte Ragnar achselzuckend und steuerte auf Jaz zu.
Er zog sie an sich und stahl ihr einen Kuss. »Na, wirst du mich vermissen, wenn ich in D. C. bin?«, fragte er.
Jaz klopfte ihm auf die Brust und antwortete augenzwinkernd: »Natürlich! Ich hoffe nur, du bist brav, erledigst deinen Job und kommst schnell wieder.«
»Kommt darauf an«, erwiderte Ragnar. »Genau genommen weiß ich nicht einmal, was mein Job ist. Werden wir erfahren, wenn wir J. J. treffen. Die Andeutungen, die der Pres gemacht hat, waren ziemlich vage.«
Jaz deutete auf ihren Bruder. »Sieh mal, Meg und Henry, sehen die beiden nicht süß miteinander aus?«
»Lass das bloß nicht Trouble hören. Er scheint ein Problem damit zu haben«, raunte Ragnar ihr ins Ohr.
Überrascht sah Jaz auf. »Kann nicht sein. Er ist doch …«, hastig hielt sie sich die Hand vor den Mund. »Sorry. Vergiss, was ich gesagt hae. Bitte!« Mit großen Augen sah sie ihren Biker eindringlich an.
»Du hast nicht wirklich was gesagt, Jaz, also mach nicht so einen Hype darum. Wie wäre es zur Abwechslung, wenn du deine kryptischen Andeutungen lässt und mir …«
Bevor er ausreden konnte, hatte sich Jaz aus seiner Umarmung gewunden und lief Enya und Iron entgegen.
»Frauen«, murmelte er, schüttelte den Kopf und beschloss, das Thema später noch einmal zu vertiefen.
Effi klatschte in die Hände und rief: »Alle mal herhören. Soweit ich sehe, sind wir vollzählig. Die Party kann beginnen.«

REBEL HEART Ragnar & Jaz (Der Fire Devils MC 4)

*Neu*Neu*Neu*

Ab sofort ist der vierte Band der Fire Devils-Serie online.  Bis zum 1. März könnt ihr das eBook  bei Amazon zum Einführungspreis von 99 Cent erwerben (KU-Nutzer lesen wie immer kostenlos). Hier gibt es eine kleine Leseprobe:

1. Kapitel
»Der Pfad der Gerechten ist wie das Licht am Morgen.«
Altes Testament

Police Department, Dreamtown
Ragnar
Konnte ein Tag eigentlich beschissener anfangen?
Wütend stapfte ich die Treppen zum Police Department hinauf.
Kaum war der neue Sheriff in der Stadt, wollte er uns anscheinend zeigen, wer die dickeren Eier hatte.
Bis jetzt hatte ich diesen Norman Gordon noch nicht zu Gesicht bekommen, aber es war das dritte Mal in dieser Woche, dass einer von uns Devils antreten musste.
Diesmal hatte es mich erwischt, und dabei war gerade erst Mittwoch. Wenn man also davon ausging, dass er mindestens einmal an jedem Tag der Woche einen von uns in sein Büro bestellte, standen die Chancen gut, dass er in etwa zwei Wochen jeden Devil persönlich kannte. Zumindest wusste ich schon, was mich in etwa erwarten würde.

Meine Laune wurde auch nicht besser, als mich ein weiblicher Cop von oben bis unten musterte und mir dann hochnäsig zu verstehen gab, dass ich noch Platz nehmen sollte. Der Sheriff würde mich dann holen.
Ich hatte schon Abraham Tanner, Gordons Vorgänger, nicht sonderlich gemocht und versprach mir nicht viel vom neuen Sheriff.
Vielleicht lag es einfach an den Uniformen, die die Typen trugen.
Geschniegelt und gebügelt agierten sie die meiste Zeit als Sesselfurzer und die Drecksarbeit mussten immer die rangniedrigeren Cops erledigen.

Gelangweilt fläzte ich mich in den Stuhl und streckte meine langen Beine aus. Amüsiert malte ich mir aus, wie lustig es wäre, wenn einer dieser Lackaffen über meine Füße stolpern würde.
Im Police Department war nicht viel los. Dreamtown war ein beschauliches Städtchen, und die Kriminalitätsrate war ziemlich gering im Vergleich zu anderen Städten mit der gleichen Einwohnerzahl.

Die Tür zum Büro des Sheriffs ging auf und ich blickte auf.
Heraus trat eine junge Frau, die sofort meine Aufmerksamkeit erweckte.
Ihre Frisur war ein Hingucker. Während sie über dem linken Ohr ihren Schädel rasiert hatte, trug sie ihre blau und pink schillernden Haare auf die andere Seite frisiert und zu einem Zopf geflochten, der ihr über die rechte Schulter fiel.
Als sie sich umdrehte, erkannte ich ein Lippenpiercing und mehrere Ohrlöcher, in denen kleine silberne Ringe baumelten.
Wahrscheinlich hatte man sie beim illegalen Anschaffen auf dem Straßenstrich erwischt.
Sie schloss die Tür hinter sich und ging an mir vorbei, ohne über meine langen Beine zu stolpern.
Ich blickte ihr hinterher und bemerkte anerkennend den knackigen Hintern in der löchrigen schwarzen Jeans.
Ein bunter Batikbeutel hing über ihrer Schulter und baumelte an ihrer Hüfte.
Ich hatte sie hier noch nie gesehen. Vielleicht war sie neu zugezogen oder einfach nur auf der Durchreise.
Hätte ich jetzt nicht diesen völlig überflüssigen Termin beim Sheriff, würde ich sie vielleicht sogar ansprechen, weil mich ihre verrückte Erscheinung neugierig machte. Gerade als ich mit dem Gedanken spielte, ihr nachzugehen, ging die Tür auf und ein Mann, ich schätzte ihn auf Mitte fünfzig, trat heraus.
»Mr. Svennson?«
Ich nickte und sprang auf.
»Ich bin Sheriff Norman Gordon«, stellte er sich knapp vor, vermied es aber, mir die Hand zu geben. Auch gut. Ich mochte Körperkontakt mit Menschen, die mir nichts bedeuteten, sowieso nicht.
Er deutete mir an einzutreten und schloss die Tür hinter uns.
»Bitte nehmen Sie Platz.«
Der Stuhl, auf den ich mich setzte, ächzte unter meinem Gewicht.
Neugierig starrte ich ihn an. Ich hatte nicht vor, irgendetwas zu sagen, bevor er es tat.

»Wahrscheinlich fragen Sie sich, weshalb ich Sie hergebeten habe«, begann er.
Ich verschränkte die Arme und wartete auf eine Erklärung.
»Nun, mein Vorgänger, Abraham Tanner, hat, wie mir zu Ohren gekommen ist, einige Geschäfte, sagen wir mal – gebilligt. Ich werde das nicht tun. Um es gleich vorab klarzustellen.«

Häh? Ich wurde nicht ganz schlau daraus, was er meinte. Sicherheitshalber schwieg ich weiter und musterte ihn stattdessen eingehend.
Er trug sein grau meliertes Haar militärisch kurz geschnitten und überhaupt sah er ziemlich steif aus. Die Uniform saß perfekt und ich konnte mich des Eindrucks nicht erwehren, dass hier ein Hüter von Recht und Ordnung vor mir saß, mit dem nicht zu spaßen war.
»Sie gehören zum ortsansässigen Rockerclub Fire Devils, richtig?«
Witzbold. Schließlich prangte auf meiner Kutte unübersehbar das Colour des MCs. Erwartete er jetzt wirklich eine Antwort von mir?
Anscheinend, denn er sah mich fragend an.
»Richtig. Ich bin Sergeant at Arms«, sagte ich schließlich.
»Was bedeutet?«, hakte er nach.
Ich war mir ziemlich sicher, dass er genau wusste, was ein Sergeant at Arms zu tun hatte, und verdreht genervt die Augen.
»Hören Sie, Sheriff. Sie haben in den letzten drei Tagen drei Männer meines Clubs antreten lassen, und jetzt wollen Sie mir weismachen, dass Sie nichts über meine Stellung im Club wissen?«

Zu meiner Überraschung lächelte er. Aber nur ganz kurz, sodass ich fast dachte, ich hätte mich getäuscht.
»Sie haben recht, Mr. Svennson. Natürlich weiß ich es längst. Ich habe in Nevada in einem Sonderermittlerteam für Bandenkriminalität gearbeitet. Die Rangordnung eines MCs ist mir also vertraut.
»Moment!«, warf ich ein, denn jetzt nahm das Gespräch eine Richtung an, die ich nicht tolerieren wollte. »Ein MC hat nicht zwangsläufig einen kriminellen Hintergrund.«

Gordon beugte sich vor und starrte mich aus seinen blaugrauen Augen an.
»Nicht immer. Aber meistens schon«, antwortete er.
»Was wollen Sie von mir?«, fragte ich genervt. Mir war bewusst, dass es Menschen gab, die einen Kuttenträger schon deshalb verurteilten, weil er die Farben seines Clubs trug und ein Motorrad fuhr. Was der Sheriff jedoch andeutete, ging mir gewaltig auf den Sack.

Gordons Gesicht nahm einen harten Ausdruck an. Er erinnerte mich an die Mimik, die Navy manchmal zur Schau trug. Unerbittlich und grimmig.
Er deutete mit zwei Fingern seiner Hand auf seine Augen, dann auf mich.
»Ich werde Sie und Ihren Club im Auge behalten.«

Ich stand auf. Was für ein Arsch. Glaubte er, ich hatte jetzt Angst vor ihm?
»Da bin ich aber froh, Mr. Gordon. Dann können meine Jungs und ich ja ganz beruhigt sein und endlich ruhig schlafen«, sagte ich, und den Sarkasmus in meiner Stimme konnte er unmöglich überhört haben.
Er ließ mich unbehelligt gehen.
Draußen kniff ich die Augen zusammen. Die Sonne blendete mich.
Während ich mir eine Zigarette aus der fast leeren Packung schüttelte, dachte ich über den neuen Sheriff nach.
Glaubt er tatsächlich, uns einschüchtern zu können, wenn er uns so kam?
Ich machte ein paar hastige Züge und schnippte dann die Kippe auf die Straße.
Hätte Gordon das gesehen, hätte er mich wahrscheinlich gleich in U-Haft gesteckt …
Bei meiner Harley angekommen, sah ich aus dem Augenwinkel die Hippie-Tussi. Sie saß auf einem Betonpfeiler, der zur Abgrenzung der Parkplätze vor dem Department diente.
Interessiert beobachtete ich, was sie tat. Irgendetwas an ihr weckte meine Neugierde. Vielleicht weil sie so eine schillernde Erscheinung war, die man nicht jeden Tag in Dreamtown zu sehen bekam.
Sie schien einfach nur dazusitzen, hatte die Augen geschlossen und streckte ihr Gesicht in die Sonne.
Als hätte sie meine Blicke gespürt, öffnete sie die Augen und sah mich geradewegs an.
Ich fühlte mich ertappt.
Fuck, plötzlich kam ich mir vor wie ein Spanner.

»Hi«, rief sie mir zu und grinste mich frech an.
Ich nickte ihr lediglich zu und schwang mich auf den Sattel meiner Maschine.
Plötzlich kam mir die Gelegenheit, sie anzusprechen, nicht mehr so reizvoll vor. Wahrscheinlich würde ich sie sowieso nie wieder sehen.
Der satte, unverwechselbare Klang meines Babys war Musik in meinen Ohren.
Ich bemerkte, dass sie mich beobachtete, als ich meinen Helm aufsetzte und schließlich auf die Straße einscherte.

Heute war ich dran, Amy aus der Vorschule zu holen, also musste ich mich sputen. Auch wenn die Kleine liebend gerne auf meiner Harley mitgefahren wäre, Blood würde mich umbringen, wenn ich sie damit nach Hause bringen würde.
Also fuhr ich ins Clubhaus und stieg in den Jeep um.
Mein Bruder und V. P. der Devils, Blood, hatte uns ziemlich überrascht mit der neuen ›Familiennummer‹. Bisher war er weder der große Kinderfreund noch der Mann für eine feste Beziehung gewesen. Als die dunkelhäutige Angel Jordan in sein Leben trat, änderte sich das allerdings. Ich grinste vor mich hin. Lange vor ihm hatte ich gewusst, dass diese Frau meinen Freund zähmen würde. Aber wenn ich eine Andeutung darüber machte, wurde er beinahe aggressiv und bot mir eine Abreibung an.

Ich lenkte den Wagen zur William Anderson Vorschule und reihte mich in die Schlange der Wartenden ein.
An die abfälligen Blicke der anderen Eltern hatten meine Brüder und ich uns gewöhnt.
Wenn diese ›Möchtegern-Elitefamilien‹ wüssten, dass es unter den hochrangigen Bürgern unserer hübschen Stadt mehr Abschaum gab als in den einfachen Arbeiterfamilien, wären sie sicher überrascht.
Genau das war nämlich der Grund, weshalb Angels Tochter in diese Vorschule ging und stets von einem von uns abgeholt wurde.
Morgens übernahm diesen Part immer Blood selbst. Nachmittags wechselten wir uns ab.

Während ich wartete, gingen mir die Ereignisse der letzten Wochen durch den Kopf.
Iron, unser Pres, war immer noch mit seiner Ol’ Lady in Irland, wo sie als Zeugin in einem großen Prozess gegen ihren Ex-Verlobten aussagen musste. Wenn sie nicht bei Gericht waren, erkundeten sie die Insel, auf der Enya aufgewachsen war.
Sollten sie ruhig. In Dreamtown war zwar viel passiert seit ihrer Abreise, doch Blood hatte alles im Griff.

Frisco, unser Bruder aus dem Chapter in Sacramento, hatte hier Wurzeln geschlagen und überlegte, zu uns überzuwechseln. Der lässige Kerl mit dem Rauschebart würde gut zu uns passen und deshalb nahm ich an, dass früher oder später die Abstimmung über seine Aufnahme positiv ausging.
Der Schulgong ertönte und ich stieg aus. Gleich würde die kleine Amy über den Vorhof laufen und sich suchend umblicken.
Unweit von mir unterhielten sich zwei topgestylte Frauen und sahen immer wieder verstohlen zu mir herüber.
»Unmöglich! … Diese Frisur … ständig irgendwelche anderen … und dann die Kleidung … passen überhaupt nicht hierher.«
Natürlich, sie redeten über mich und meine Kumpels.
Spießer! Sollten sie ruhig glauben, dass Anzugträger bessere Kerle waren. Wenn sie wüssten …
Ich drehte mich zu ihnen um und setzte zu einem breiten Grinsen an. Abrupt unterbrachen sie ihr Gespräch und sahen mich argwöhnisch an.
Genau in dem Moment, als ich überlegte, ob ich etwas echt Nettes über ihre Botox-gepushten Lippen sagen sollte, kam Amy angelaufen.
»Hallo, Wickie!«, rief sie mir schon von Weitem freudestrahlend zu.
Ein Seufzen entwich mir. Die Kleine hatte einen Narren an mir gefressen, und wenn sie nicht an Blood hing wie eine Klette, hielt sie sich an mich. Der Spitzname, den sie mir verpasst hatte, belustigte alle, und gerade in diesem Augenblick machte er das Bild des bösen Bikers total zunichte.
Ich begrüßte sie mit Getto-Faust – das liebte sie – und hielt ihr dann die Wagentür auf.
»Bloß schnell weg hier«, zwinkerte ich ihr zu. »Diese beiden Tussis sind der Meinung, dass Kerle wie ich hier nichts zu suchen haben.«

Für euch:

Hier kommt ein kleines Dankeschön an meine Leserinnen und Leser.
Natürlich auch für die, die mich noch nicht kennen 😉
dsc_2963Eine kostenlose Weihnachtsgeschichte für Fans des Fire Devils MC ***Devils X-Mas kann ohne Vorkenntnisse gelesen werden und ist eine abgeschlossene Kurzgeschichte***

Weihnachten mit den Fire Devils: Friedlich, ruhig und besinnlich? Oder eher laut, alkohollastig und chaotisch? Lasst euch überraschen …

Trouble wird beauftragt, einen Weihnachtsbaum zu besorgen. Nicht, dass er noch jede Menge Zeit dafür hätte …

Es ist Christmas Eve und morgen soll der Baum geschmückt im Clubhaus stehen und Geschenke darunter liegen. Er findet nicht nur einen Baum, sondern jemanden, der Hilfe braucht. Der Prospect trifft mutig eine eigenmächtige Entscheidung und hofft, sich damit nicht zu weit aus dem Fenster gelehnt zu haben.

Dauerhaft kostenlos bei Amazon:
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und für alle die für ihren Reader das epub Format brauchen, bei Bookrix:
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und in vielen anderen Shops.

Ich wünsche euch allen eine wunderbare Vorweihnachtszeit, lasst euch nicht stressen, genießt die stille Zeit und habt viel Spaß beim Lesen der kleinen Weihnachtsgeschichte.

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DIRTY DEAL Blood & Angel (Der Fire Devils MC 3)

1. Kapitel
»Das Schicksal mischt die Karten, wir spielen.«
Arthur Schopenhauer

Red Velvet, Dreamtown
Blood

»Heilige Scheiße, Blood, muss das sein?«, brüllte Redneck angepisst, als ich die Tür zu einem der Zimmer aufriss und mitten in eine heiße Nummer platzte.
Ups, der Kerl steckte mit dem Kopf zwischen den Schenkeln einer rothaarigen Schönheit und sein Gesicht glänzte von ihrem Saft. »Ja, muss es«, antwortete ich ungerührt und blieb stehen, obwohl er versuchte, mich mit einer Handbewegung aus dem Zimmer zu scheuchen. »Es ist wichtig. Ich muss wissen, ob du Turbo gesehen hast! Und wenn ja, ob du weißt, wo er sich verdammt noch mal rumtreibt.«

Knurrend stand Redneck auf und drehte mir den Rücken zu. Während er in seine Hose schlüpfte, sagte er zu der Kleinen: »Ich komme darauf zurück, Süße. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben.«
Das Mädchen zuckte mit den Schultern und sprang auf. Völlig ungeniert verließ sie, nackt, wie sie war, das Zimmer.
»Tut mir leid, Bro, aber Iron ist beunruhigt. Weißt du etwas über Turbo?«, fragte ich und verkniff mir ein Grinsen. Redneck stand total auf Rothaarige, auf echte, wohlgemerkt und fand mein Hereinplatzen gar nicht lustig.
»Bin ich sein Kindermädchen?«, gab mein Freund angepisst zurück.
Okay, ich hatte ihm seinen Fick vermasselt, aber es half nichts. Irgendetwas an der Sache mit Turbo war merkwürdig. Dass Trouble ebenfalls unauffindbar war, machte die Sache nicht besser.

»Du hängst doch ab und zu mit ihm rum, hätte ja sein können, dass du etwas weißt. Hat er vielleicht ein Mädchen?«
»Turbo? Nicht dass ich wüsste. Seit Neuestem scheint er sich ziemlich intensiv um den neuen Prospect zu kümmern.«
»Gonzo oder Trouble?«, fragte ich. Das war mir neu. Prospects waren immer willkommen, um Aufgaben zu erledigen, die man selbst nicht gerne übernahm, aber dass Turbo sich mit einem Anwärter besonders abgab, war bisher noch nie geschehen.
»Trouble«, antwortete Redneck und zog sich seine Kutte über.
Interessant. Der Kleine schob mehr Wache als nötig bei Meghan, Turbos Cousine, vielleicht kam daher diese neue ›dicke Freundschaft‹.
Bisher hatte unser Turbo für nichts anderes Interesse als Bikes. Der Schrauber lebte für die Werkstatt, die der Club betrieb, und machte seine Sache auch hervorragend. Die Einnahmen waren bereits wenige Wochen nach der Eröffnung nicht zu verachten und außerdem sehr willkommen. Gerade jetzt, wo die Vietnamesen herumzickten, weil die verdammten Ghosts versuchten, unsere Lieferungen abzufangen. Erst letzte Woche war es ihnen gelungen, einen Truck, der bis obenhin mit Ware gefüllt war, abzufackeln.
Iron hatte den richtigen Riecher gehabt, als er vorschlug das Devils Wheels – Costumbikes zu eröffnen.
Wenn jetzt allerdings der wichtigste Mann in der Werkstatt verschwunden war, hatten wir schon wieder ein Problem. Ganz zu schweigen davon, dass er ein Bruder war, der möglicherweise in Gefahr schwebte.
Redneck und ich gingen nebeneinander die Treppe hinunter und ich murmelte vor mich hin: »Komisch, weder ihn noch den Kleinen kann man telefonisch erreichen. Ob das mit der Sache zu tun hat, über die wir abgestimmt haben?«
»Schon möglich. Turbo war ganz heiß darauf, diesen Kartell-Boss zu treffen. Dass er überstimmt wurde, hat ihn hart getroffen. Aber der Prospect? Ich weiß nicht …«, gab Redneck zurück.
»Immer noch sauer, weil ich dich von der rothaarigen Muschi weggeholt habe?«, fragte ich und klopfte meinem Kumpel versöhnlich auf die Schulter.
Er brummte irgendetwas Unverständliches und steuerte auf die Bar zu, die im Eingangsbereich unseres Nobelpuffs lag. Delia, die Chefin des Hauses, nickte uns zu und stellte unaufgefordert einen Whiskey für Red und eine Coke für mich auf den Tresen. Sie wusste, dass ich dem Alkohol abgeschworen hatte. Die hübsche Blondine kannte uns Jungs genau und auch jede unserer Vorlieben. Heute zog sie einen Schmollmund.
»Danke, Delia«, sagte ich und nahm einen Schluck. »Was ist los? Warum so angepisst?«, fragte ich höflichkeitshalber.
Sie legte ihren Mörderbusen auf den Tresen und beugte sich zu mir herüber. Das winzige Oberteil, das sie trug, bedeckte gerade mal ihre Nippel.
»Sag mal, was ist mit Navy los? Hat vor zwei Tagen fluchtartig das Zimmer verlassen, gerade als ich ihm so richtig schön den Schwanz lutschen wollte. Bisher hat er sich nie so eine Gelegenheit entgehen lassen, aber diesmal sah er aus, als wäre der Leibhaftige hinter ihm her.«

»Schätzchen, ich fürchte, Navy ist für immer verloren.« Ich senkte die Stimme und sah sie feierlich an. »Er wird wohl nur noch einer Frau erlauben, seine Kronjuwelen zu kraulen. Runa … seiner Ol’ Lady«, ergänzte ich.
Ich hoffte, dass ich recht damit hatte und Navy mit Runa ins Reine kam. Sie war die erste Frau, der es gelungen war, sein versteinertes Herz zu berühren. Iron hatte ihn losgeschickt, damit er ihr endlich die ganze Wahrheit über den Einsatz erzählt, bei dem sein Waffenkamerad, ihr Bruder ums Leben kam. Der ehemalige SEAL war ein prima Kumpel, doch in letzter Zeit war er ziemlich neben der Spur gewesen. Nachdem er uns gegenüber damit herausgerückt hatte, was ihn all die Jahre so quälte, konnten auch alle verstehen, warum er letzte Woche so ausgetickt war.
Ich wünschte es dem Jungen von Herzen. Tatsache war, dass Frauen bessere Menschen aus uns Männern machten. Das beste Beispiel war unser Pres. Iron und Enya waren ein tolles Paar. Und es war nicht zu leugnen, dass sie ihn ein wenig gezähmt hatte.

Delia riss überrascht die Augen auf. »Wieder einer von euch Prachtexemplaren unter der Haube ‒ was für eine Verschwendung«, seufzte sie, nachdem sie sich wieder gefangen hatte.
»Ich bin noch frei«, zwinkerte ich ihr zu. »Allerdings nicht heute. Der Pres erwartet mich.«
Ich gab Red die Anweisung, dass er weiterhin versuchen sollte, Turbo oder Trouble zu erreichen, und schärfte ihm ein, seine restliche Dienstzeit im Empfangsbereich abzusitzen. Wenig später war ich unterwegs zu der Lagerhalle an der Interstate 4.

Angel
Ich hielt die Augen geschlossen und löste mich gedanklich von meinem Körper. Manchmal gelang es mir, das, was gerade mit mir geschah, völlig auszublenden.
Denn wenn ich überleben wollte, hatte ich keine andere Wahl. Der Versuch, an etwas Schönes zu denken, während fremde Männerhände meine Brüste kneteten, sodass mit Sicherheit blaue Flecke zurückblieben, hatte ich mir mühsam antrainiert. Das einzig Schöne in meinem Leben war meine süße, kleine Amy. Um ihr ein Leben in Armut zu ersparen, verkaufte ich meinen Körper. Es war gefährlich, dies in meiner eigenen Wohnung zu tun, während sie im Nebenzimmer schlief, doch ich hatte keine Wahl.
Amys Vater und ich hatten uns getrennt. Anfangs zahlte er noch Unterhalt für seine Tochter, bis die Zahlungen irgendwann ausblieben.
Viel später erfuhr ich, dass Ben einen tödlichen Autounfall gehabt hatte. Sein bester Freund hatte mir die Nachricht überbracht und hat betreten in meiner Wohnung gestanden, als ich weinend zusammenbrach.
Ich weinte nicht um meinen Ex. Ich vergoss die bitteren Tränen, weil mir bewusst wurde, dass ich nun ganz alleine dastand. Mein Job als Kassiererin wurde miserabel entlohnt, und wenn ich die Miete bezahlt hatte, blieb kaum etwas für uns beide übrig. Den Beitrag für die Kindertagesstätte, in der Amy während meiner Arbeitszeit untergebracht war, würde ich nicht mehr aufbringen können. Kurz: Das Geld ihres Erzeugers fehlte hinten und vorne! Unsere Wohnung war nicht viel größer als ein Rattenloch. Die Gegend war übel. Gewalt, Mord und Totschlag waren an der Tagesordnung. Keine Nacht verging, ohne dass Polizeisirenen uns aus dem Schlaf rissen. Mir war klar, dass ich hier wegziehen und mein Leben umkrempeln musste.
Der erste Schritt war die Suche nach einer neuen Wohnung. Als alleinerziehende Mutter mit einem billigen Aushilfsjob hatte ich schlechte Chancen. Ich war so verzweifelt, dass ich etwas tat, was wohl der Einstieg in dieses Leben war. Ich prostituierte mich. Ein Job, den ich hasste, der aber unser Überleben sicherte.
Der Besitzer des Hauses in der Harlington Street machte keinen Hehl daraus, dass er bereit war, mir gegen gewisse Gefälligkeiten die Wohnung zu vermieten.
Es hatte mich einige schlaflose Nächte gekostet und schließlich ließ ich mich aus purer Verzweiflung darauf ein. Mit zusammengebissenen Zähnen, die Finger in die Bettlaken gekrallt, ertrug ich es, dass er sich grunzend auf mir austobte. Er schwitzte stark und stank schrecklich, aber zum Glück brauchte er nicht lange, um zu kommen.
Tagelang hatte ich mich schmutzig gefühlt, mich vor mir selbst geekelt und mir unter der Dusche die Haut wund geschrubbt.
Aber ich konnte mit meinem kleinen Mädchen in die neue Wohnung ziehen und sie aus diesem Drecksloch rausschaffen.

Mein Freier grunzte gerade laut, rieb sein Gesicht an meinen Brüsten und rammte mir immer wieder seinen Schwanz heftig zwischen die Schenkel. Als er kam, schlug er seine Zähne in meine rechte Brust. Es kümmerte ihn nicht im geringsten, dass ich laut aufschrie. Erst als seine pumpenden Hüftbewegungen nachließen, lockerte er seinen Biss und ließ von mir ab. Ich stieß ihn von mir herunter und spürte etwas Warmes, Feuchtes, als ich mit der Hand nach der schmerzenden Stelle tastete.
Meine Finger waren voll Blut.
Ich konnte ihn nicht rausschmeißen, er hatte noch nicht bezahlt, und wenn ich mich nicht vorsah, wäre die ganze Qual umsonst gewesen. Also machte ich gute Miene zum bösen Spiel und murmelte: »Entschuldige, ich muss mal …«
Der Kerl kam regelmäßig und ich war auf Stammkunden wie ihn angewiesen.
Im Bad tupfte ich mir vorsichtig mit einem Waschlappen das Blut ab und besah mir die Bisswunde. Dieses Arschloch hinterließ immer irgendwelche Male auf meinem Körper ‒ als wollte er mich kennzeichnen. Wie ich ihn hasste!
Der Biss schmerzte tierisch, hatte aber zum Glück aufgehört zu bluten. Hastig warf ich mir meinen seidenen Kimono über und verknotete ihn. Die Show war vorbei, er hatte bekommen, was er gebucht hatte und ich wollte ihn nicht auf irgendwelche weiteren Gedanken bringen, indem ich nackt aus dem Bad kam.
Gerade als ich die Tür öffnete, sah ich, wie er die Hand auf die Klinke zu Amys Kinderzimmertür legte.
Ich registrierte, dass er immer noch nackt und sein Geschlecht bereits wieder steif war.
Meine Kleine! Oh Gott, dieser Perverse war im Begriff das Kinderzimmer zu betreten …
»Du dreckiges Schwein. Verschwinde. Hau ab!«, kreischte ich und es war mir in dem Moment scheißegal, dass ich im Begriff war, einen guten Kunden zu verlieren. Mein Kind war tabu.

Der Gesichtsausdruck, mit dem er mich betrachtete, bescherte mir Gänsehaut am ganzen Körper. Seine Augen blickten gierig und ich erwartete fast, er würde zu sabbern beginnen.
»Stell dich nicht so an!«, antwortete er barsch. »Ich bin dein bester Kunde, und wenn deine Kleine mitmachen würde, wäre ich bereit, mehr zu bezahlen.«

»Nur über meine Leiche!«, rief ich und ging rückwärts zur Garderobe. In der obersten Schublade der Kommode lag eine Pistole. Ich war nicht so leichtsinnig, sie tagsüber dort aufzubewahren. Allerdings legte ich sie abends, wenn meine kleine Maus im Bett war, immer dort hinein, um mich schützen zu können, falls einer meiner Freier aufdringlich wurde.
Hektisch fummelte ich nach dem Knauf und zog die Lade auf. Der Typ drückte die Klinke hinunter und machte die Tür einen Spalt auf. Sein Atem ging heftig und ich tastete verzweifelt nach der Waffe, ohne ihn aus den Augen zu lassen.
Das Magazin war voll. Ich entsicherte und zog den Schlitten zurück, um eine Patrone in das Patronenlager zu repetieren. Als ich den Pistolengriff mit beiden Händen fest umklammerte und auf ihn zielte, zitterte ich wie Espenlaub.
»Verschwinde! Sofort«, sagte ich mit so viel Autorität, wie ich aufbringen konnte.
Er drehte sich zu mir um, und als er die Waffe in meiner Hand sah, erstarrte er.
»He, was soll das?«, fragte er unsicher und ich konnte ihm förmlich ansehen, dass er abwog, ob ich tatsächlich auf ihn schießen würde oder nur bluffte.
»Ich schieße wirklich«, sagte ich mit fester Stimme und beantwortete damit seine unausgesprochene Frage. Ich hatte keine Angst um mich. Seit zwei Jahren machte ich diesen Job und hatte gelernt, dass die Männer, die mich aufsuchten, selten gefährlich waren. Sie wollten ihre Bedürfnisse befriedigen und bekamen bei mir, was sie brauchten. Einst war ich eine unbekümmerte junge Frau gewesen. Jetzt war ich eine Nutte, die ihrem Geschäft professionell nachging. Doch wenn meine Tochter in Gefahr war, würde ich nicht zögern.

Endlich hob er die Hände hoch und versuchte, beschwichtigend zu lächeln.
»Los, zieh dich an! Schnell! Und dann verschwindest du«, forderte ich.
Anscheinend hing er an seinem Leben, denn er holte hastig seine Klamotten aus dem Schlafzimmer und stieg eilig in seine Hose. Ich ließ ihn nicht aus den Augen und hielt die Pistole nach wie vor auf ihn gerichtet.
Zum Glück konnte er nicht wissen, dass ich eine miserable Schützin war. Als ich mir die Glock 26 gekauft hatte, war mir wichtig, dass sie in meine Handtasche passte, leicht zu handhaben war und vor allem günstig. Auf Anraten des Mannes im Waffenladen hatte ich mir die handtaschentaugliche 9 mm ›Baby Glock‹ zugelegt und war dann auf einem Schießstand gewesen und hatte einige Schüsse abgefeuert. Das Fazit war: Ich hatte nicht einen gezielten tödlichen Treffer auf die Zielscheibe, die die Umrisse eines Mannes zeigte, abgegeben. Mein Standnachbar kommentierte meine Schießübungen trocken: »Nun ja, wenigstens haben Sie ihn einmal am Knie und einmal in den Arm getroffen. Um jemanden in die Flucht zu schlagen, reicht das völlig aus.«

Endlich verließ er fluchtartig die Wohnung. Bevor er die Tür hinter sich zuzog, zischte er: »Leg dich nicht mit mir an. Wage es nicht. Du weißt hoffentlich noch, was ich für eine Macht habe!«
Ich vergewisserte mich, dass er tatsächlich die Treppe hinunterging, legte den Sicherheitsriegel vor und brach in Tränen aus. Dann lehnte ich mich gegen die Wand und rutschte langsam daran herunter. Schließlich saß ich auf dem Boden und hielt die Pistole immer noch fest umklammert. Er war kein Mann, dem man drohen konnte, im Gegenteil …

*Freude, Freude*

Hier verlinke ich mal zwei tolle Rezensionen zweier Bloggerinnen, die mir den Tag versüßt haben. Übrigens gibt es zu LONE RIDER demnächst eine Blogtour mit vielen Infos und tollen Gewinnen 🙂
Seht mal, was Katrin zu Navy & Runa schreibt:
http://katrinslesewelt.blogspot.de/2016/07/hunt-susan-b-lone-rider-navy-runa-der.html

Und hier Julias Meinung zu Teil 2 der Fire DEvils MC – Serie:
http://books-mylife15.blogspot.de/2016/07/lone-rider-navy-und-runa-susan-b-hunt.html

Vielen Dank auch an alle, die LONE RIDER bisher schon einige Sterne geschenkt haben. Ihr seid die Besten ❤

Alles von Susan B. Hunt.

Liebe, die nicht nach Hautfarbe, Herkunft oder Geschlecht fragt.
Liebe, die ihren Weg findet.
Liebe, die alles erträgt.
Liebe, die stark macht.

Obwohl durchaus actiongeladen, manchmal grausam und voller Hindernisse – bei mir findet die Liebe immer ihren Weg. In jedem meiner Bücher geht es darum. Um dieses starke Gefühl, das uns himmelhoch jauchzen lässt oder zu Tode betrübt. Das aus Freunden Feinde macht, oder aus Fremden Liebende.

Für alle, die auf der Suche nach Lesestoff sind.