Waldweihnacht mit Krippenspiel

„Es begab sich aber zu der Zeit, dass ein Gebot von dem Kaiser Augustus ausging, dass alle Welt geschätzt würde …“

Wohl alle kennen diese Zeilen und die Geschichte aus der Bibel, die mit diesen Worten beginnt. Sie erzählt von Maria und Josef, die sich auf den Weg in Josefs Geburtstadt machten. Maria war schwanger und die Reise war beschwerlich. In Bethlehem angekommen fanden sie keine Herberge und wurden überall abgewiesen. Erst nach langer Suche bot ihnen jemand einen Stall als Unterkunft an …

Alle zwei Jahre organisiert die Dorfgemeinschaft Staufersbuch zusammen mit der Blaskapelle eine Waldweihnacht mit Krippenspiel. Obwohl wir schon viele Jahre dort zur Jagd gehen, waren wir bisher noch nie dabei. Meist erfuhren wir davon, wenn es bereits vorüber war. Dieses Jahr aber kam über Whats App eine Einladung vom Dorfsprecher, worüber wir uns sehr gefreut hatten. Klar, dass wir uns das nicht entgehen lassen wollten.
Das Krippenspiel ist insofern besonders, weil es Tradition ist, dass das Paar aus dem Dorf, welches als letztes ein Kind bekommen hatte, die heilige Familie darstellte. Ort der Veranstaltung war eine kleine Wiese am Waldrand, wo auch eine Scheune steht. Der Weg dorthin war mit Fakeln ausgeleuchtet.
Zusätzlich zur Scheune hat die Dorfgemeinschaft in liebevoller Kleinarbeit eine Kulisse aufgebaut. Die Häuser mit den Holztüren sollten die Herbergen darstellen, bei denen Maria und Josef anklopften. Es gab ein Gatter mit Ziegen und Schafen, zwei Esel waren da und Hirten, die um ein Lagerfeuer saßen.
Zu Beginn der Veranstaltung spielte die Blaskapelle einige Weihnachtslieder und viele Besucher fanden sich ein. Nachdem Dorfsprecher und Initiator, Wolfgang B., die zahlreichen Besucher begrüßt hatte, las er aus dem Lukas Evanglium die Weihnachtsgeschichte. Die „schwangere“ Maria und Josef machten sich auf den Weg in Josefs Geburtstadt Bethlehem …
Musikalisch wurde ihre beschwerliche Reise vom „Dreigesang“ untermalt.
Auf ihrer Suche nach einer Herberge klopften sie an viele Türen und wurden oft abgewiesen, bis sie erschöpft an einen Herbergswirt kamen, der ihnen zumindest einen Platz in seinem Stall anbot, wo sie es zwischen Ochs und Esel im Stroh zumindest warm und trocken hatten.
Jeder kennt die Weihnachtsgeschichte und weiß, dass Maria in dieser Nacht ein Kind gebar. Gottes Sohn, Jesus, den Gott als Heiland und Retter auf die Erde geschickt hatte. Ein Engel, der auf dem Dach der Herberge stand verkündete dies den Hirten …

„Fürchtet euch nicht! Siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen.“

Die Hirten machten sich auf den Weg, ebenso die Heiligen drei Könige aus dem Morgenland. Sie brachten Gold, Weihrauch und Myhrre als Geschenke und kieten vor dem Kind in der Krippe, um es anzubeten.

Die kleine Frieda, welche das Jesuskind darstellte lag ganz still und warm eingepackt in einer Krippe im Stall.
Ich muss gestehen, das mich die Darstellung sehr berührt hat. Der Gedanke, dass eine hochschwangere Frau mit ihrem Mann eine so beschwerliche Reise auf sich nehmen musste, von vielen Menschen abgewiesen wurde und schließlich unter widrigen Umständen ein Kind in einem Stall zur Welt gebracht hat, es in Windeln wickeln und in eine Krippe legen musste, hat mein Herz berührt. Natürlich kenne ich diese Geschichte schon seit meiner Kindheit, und doch war es etwas ganz besonderes, sie so zu erleben. Die „Schauspieler“, die Musik und die Stimmung waren einfach wundervoll. Zum Abschluss spielte die Blaskapelle „Stille Nacht, Heilige Nacht“, für mich das schönste und ergreifendste Weihnachtslied, welches das Krippenspiel perfekt abgerundet hatte. Mehr als einmal musste ich schlucken und war dankbar, dass ich dieses Jahr die Waldweihnacht nicht verpasst hatte. Im Moment, als der Engel die Geburt des Kindes verkündet hat, kam mir der Gedanke, dass wir in der Welt, wie sie jetzt ist, vielleicht wieder so ein Wunder gebrauchen könnten. Ein Kind, welches uns Menschen und die Welt retten wird …

Überhaupt habe ich festgestellt, dass ich dieses Jahr besonders sentimental bin. Ob es um Kinder geht, die keine Familie haben, oder in so armen Verhältnissen leben, dass es für sie kein besonderes Essen, einen Weihnachtsbaum oder Geschenke gibt, oder um alte Menschen, die niemanden haben, der sie an Weihnachten besucht, immer wenn ich von einem traurigen Schicksal höre, muss ich schlucken und mir einen Träne verkneifen. Dann wird mir wieder bewusst, wie reich ich bin. Und ich meine nicht in Form von Geld und Besitz. Nein, mein Reichtum besteht darin, dass ich das Glück habe, die Mutter von zwei wunderbaren Töchtern zu sein, zwei ebeso wundervolle Stiefsöhne zu haben, Schwiegerkinder und Enkelkinder, die gesund und lebensfroh sind und einen Ehemann, auf den ich mich immer verlassen kann und der gleichzeitig mein bester Freund ist. Ich sehe es als Reichtum an, dass meine Eltern noch bei guter Gesundheit sind und dass ich eine Schwester habe, auf die ich immer zählen. Auch in unserer Familie ist man nicht immer einer Meinung – und das muss man auch nicht sein. Man muss sich auch nicht täglich sehen, aber wenn es darauf ankommt, weiß man, man ist nicht allein und alle halten zusammen. Vielleicht ist das auch ein Teil der Botschaft von Weihnachten. Es ist nicht wichtig, ein dickes Auto zu fahren, große Reisen zu machen, teure Kleidung zu tragen oder ein pralles Bankkonto zu haben. Es ist wichtig zufrieden zu sein, verzeihen zu können, füreinander da zu sein, Gesundheit zu schätzen zu wissen und vor allem Liebe im Herzen zu tragen. In diesem Sinne wünsche ich euch noch schöne Feiertag und für 2020 alles Gute.