Pleiten, Pech und Pannen

Oh ja, auch davon wird man nicht verschont …
Zu dem Ort, in dem ich Zustellerin war, gehört ein Ortsteil, der ein bisschen weiter draußen liegt. Dort ticken die Uhren anders und die Leute sind  irgendwie entspannter. Ich war gerne in Moosbach unterwegs, schon deshalb, weil man da so schön auf dem Gehweg fahren und vom Auto aus die Briefkästen bedienen konnte, (nicht alle, aber die meisten), und ja, ich gestehe, das ist eigentlich nicht erlaubt. Hier müsst ihr euch vorstellen, das ich gleichgültig mit den Schultern zucke, schließlich zählt jeder Meter, den man sich sparen kann.
Aber weiter im Text:
Ich fahre gerade vom Gehweg herunter, als ich ein lautes Pfffff höre. Irritiert lenke ich das Auto zur Seite, steige aus und sehe … Mist! Ich hab nen Platten gefahren!
Was nun?
Ich versuche mich zu erinnern, wo der Ersatzreifen ist und spüre leichte Panik aufkommen. Das Auto ist noch voll mit Paketen und ich müsste eigentlich Vollgas geben, um noch vor Einbruch der Dunkelheit fertig zu werden …

Damit wir uns nicht falsch verstehen, ich gehöre zu den Frauen, die durchaus anpacken können. Einen Nagel in die Wand schlagen und einen Akkuschrauber zu bedienen, ist kein Problem, aber ich habe noch nie einen Reifen gewechselt – Schande über mein Haupt. Diesbezüglich gehöre ich zu den glücklichen Frauen, deren Männer das einfach übernehmen. Dafür mache ich ja bei uns zu Hause die Wäsche und so …
Gut, hilft alles nix, jetzt ist kein Mann da und ich atmen tief durch, rolle die Ärmel hoch und beschließe, nicht wie ein hilfloses Frauchen dazustehen und auf den Ritter in edler Rüstung zu warten.
Doch Rettung naht trotzdem. Ein junger Mann aus der Elsternallee kommt angedüst, latscht auf die Bremse, springt heraus und sagt: „Oh je, ein Platten. Ich helfe Ihnen!“
Bevor ich auch nur etwas sagen kann, kniet er schon hinter dem Auto, hebelt den Ersatzreifen herunter und fragt nach dem Wagenheber.
Ruck Zuck, in weniger als fünf Minuten ist der Ersatzreifen aufgezogen und ich erleichtert.

Überflüssig zu erwähnen, dass ich mich überschwänglich bedankt habe und dem jungen Mann am nächsten Tag eine Packung Merci in den Briefkasten eingelegt habe, oder?

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Die nächste Panne lässt nicht lange auf sich warten:

Wieder mal ein stressiger Tag, viel zu viel Zeug im Postauto und irgendwie geht gar nix voran. Ich bin in Gedanken schon bei meinem nächsten Paket und lege den Rückwärtsgang ein. Ein paar Meter muss ich zurückfahren, dann einschlagen, den ersten Gang einlegen und weiter geht’s …

Ich fahre zurück, schlage das Lenkrad ein und … es klirrt plötzlich ohrenbetäubend und anhaltend.
Oh, Sch …! Mein Herz setzt kurz aus, um gleich danach wie wild in meiner Brust zu trommeln. Mir wird heiß, dann kalt, und schließlich steige ich mit wackeligen Knien aus, auch wenn ich lieber gar nicht hinsehen würde.

Ich habe das Glasgewächshaus von Frau Bichlmeier über den Haufen gefahren. Es ist zusammengebrochen in Milliarden winziger Scherben und nun steht nur noch das Gerüst.
Auf den Schreck muss ich mir erst mal eine Zigarette anzünden.
Wenig später schleiche ich mit hängendem Kopf in die Metzgerei Bichlmeier und beichte …

Mein schönes Gewächshaus“, ruft die Seniorchefin und fasst sich an den Kopf.
Ich bin zerknirscht und wünsche mir, der Boden würde sich auftun und mich verschlingen.
Die anschließende Tatortbegehung ist noch unangenehmer.
Überall Scherben auf meinen schönen Salatköpfen, den können wir nicht mehr essen!“, sagt sie vorwurfsvoll und ich heule fast vor Scham und Ärger über mich selbst.
Nun ja, natürlich musst ich eine Unfallmeldung schreiben und detaliert angeben, wie es dazu kam. Frau Bichlmeier bekommt ein nagelneues Gewächshaus von der Deutschen Post bezahlt und ist glücklich darüber, weil es viel schöner ist, als ihr Altes. Ich bekomme von meinem Arbeitgeber einen Brief: Sehr geehrte Frau …. sie haben der Deutschen Post einen Schaden von … Euro verursacht … bla bla bla

Bei der nächsten Sicherheitsbelehrung, für die mehrere Zustellstützpunkte zusammengekommen sind, wird natürlich anhand eines Beispiels erklärt, wie man es NICHT machen soll. Ratet mal, um was es ging?

Richtig: Um das Rückwärtsfahren und ein zerstörtes Gewächshaus. Ich kann euch berichten, dass die Blicke der Kolleginnen und Kollegen auf mir lagen und sich alle köstlich auf meine Kosten amüsiert haben.


Eine kleine Story aus der Rubrik: Pleiten, Pech und Pannen, habe ich noch für euch 😉

Vor einem großen Wohnblock stelle ich den VW Bus ab, lasse den Motor laufen und die Fahrertür offen – ich muss ja bloß schnell ein paar Briefe einwerfen.
Während ich also brav die Briefkästen füttere, ruft jemand aus dem Haus gegenüber: „Sie da! Ihr Auto rollt!“

Panisch sehe ich, wie das Auto mit der offenen Tür auf ein Verkehrsschild zurollt und renne los. Die Post, welche ich auf dem Arm habe, werfe ich in hohem Bogen und sportlich springe ich über ein Rosenbeet, um abzukürzen. Keine gute Idee! Mein sowieso schon lädiertes Knie knackt und ich stürze. Zum Glück bleibt das Auto stehen, bevor das Verkehrsschild die offene Tür abreißen kann. Fluchend und humpelnd suche ich all die Briefe wieder zusammen. Mit zusammengebissenen Zähnen versuche ich weiter meine Tour abzuarbeiten, doch ich muss einsehen, dass es nicht geht. Mein Knie macht nicht mehr mit. Ich breche ab, fahre zum ZSP zurück, melde einen Dienstunfall und gehe zum Arzt. Der Orthopäde bescheinigt mir eine Entzündung im Knie und Ansammlung von Gewebeflüssigkeit, die er punktiert. Ich bekomme eine schöne Kortisonspritze ins Kniegelenk und einen gelben Schein.

Auf meiner Unfallmeldung steht: Die Handbremse hat sich gelöst und ich musste über ein Rosenbeet springen, um das Auto aufzuhalten. Dabei habe ich mir dabei das Knie verdreht!

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Ein Gedanke zu “Geschichten aus dem Alltag einer Zustellerin – Episode 2

  1. Das mit dem Knie tut mir leid, aber es ist eine irgendwie goldige Geschichte! Ich hoffe, es ist gut verheilt. Ich bestelle große Sachen jetzt übrigens per Spedition; Postzusteller sind auch nur Menschen…

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