HEROES Adlerschwingen – Jay

Adlerschwingen - Jay

Adlerschwingen – Jay

Der Adler zog seine Kreise und wagte sich nahe heran. So tief es ihm möglich war, flog er mit kräftigen Flügelschlägen, um dann wieder im Aufwind elegant zu gleiten.
Seine Augen waren die eines Jägers. Jede Kleinigkeit nahm er in sich auf und speicherte sie.
Einige der Wächter betrachteten den großen Raubvogel mit Argwohn. Es war ungewöhnlich, dass ein Tier sich den oberirdischen Gebäuden so weit näherte.
Noch griffen sie nicht ein, obwohl es den ein oder anderen in den Fingern juckte, den Adler vom Himmel zu holen.
Überhaupt war das Team irritiert. Seit Tagen gab es keine Nachricht vom Boss. Prokojev war in die Vereinigten Staaten aufgebrochen und hatte das Kommando an Igor übergeben. Der Russe war schon lange in Ondraka und sollte Tristans Nachfolger werden. Seit der STS-Krieger zusammen mit den anderen Mitgliedern des Special-Teams spurlos verschwunden war, hatte Igor das Sagen. Der ehemalige Boxchampion war ein brutaler Verfechter von Diktatur. Die Männer unter ihm stöhnten, als sie erfuhren, dass er ihnen jetzt Befehle erteilen würde. Dagegen aufzubegehren kam ihnen jedoch nicht in den Sinn. Alle warteten darauf, dass Prokojev wiederkam.
»Das Vieh kreist ständig über uns! Es macht mich nervös«, knurrte der diensthabende Wächter seinem Kollegen zu.
»Mich auch, wenn der nicht bald verschwindet, schieße ich ihm ein Loch in die Flügel. Mal sehen, wie lange er sich dann noch oben halten kann.« Die beiden Männer lachten und klopften sich auf die Schenkel. Gegen ein wenig Abwechslung hätte keiner etwas einzuwenden.
Als über ihre Ohr-Komm-Verbindungen Igors barsche Stimme dröhnte, nahmen die Wächter automatisch eine stramme Haltung ein.
Gut. Die Wachablösung sollte in wenigen Minuten stattfinden und danach hieß es antreten zu einer Besprechung.
»Los! Wer von uns den blöden Geier am schnellsten runterholt!«
Schon legte der Wächter an, und bevor sein Kollege reagieren konnte, zog er den Abzug durch. Ein lautloser Laserstrahl traf Arrows rechte Schwinge. Ein Ruck ging durch den Körper des mächtigen Vogels und er kam ins Trudeln. Heftig mit den Flügeln schlagend kämpfte der Adler darum, die Höhe zu halten und drehte ab.
»Bist du irre?«, herrschte der Wächter den Schützen an. Dieser grinste, zuckte mit den Schultern und antwortete lapidar: »War doch nur ein kleiner Spaß!«
Die Wachablösung kam und die Männer verloren kein Wort über den Schuss auf den Adler. Inzwischen war er wohl längst irgendwo gelandet. Egal. War nur ein Tier. Wen kümmerte es schon, was mit ihm passierte?«

*

Jay zuckte zusammen und seine Hand fuhr an seine Brust. Genau an die Stelle, wo Arrow sonst saß. Jetzt war seine Haut nackt und unverziert. Der Adler war auf Erkundungstour. Doch irgendetwas stimmte nicht. Der Krieger spürte es, konnte es jedoch nicht beschreiben.
Tyron, der neben ihm saß, hob fragend eine Augenbraue.
»Was ist los?«
»Keine Ahnung. Ich habe ein ganz komisches Gefühl …«
Jay sprang auf. Er begann nervös umherzulaufen, bis Juno ihn anschnauzte: »Du machst mich ganz kirre!!! Kannst du dich nicht hinsetzen? Von deinem Herumgelaufe geht die Zeit auch nicht schneller vorüber.«
Jay antwortete nicht, blieb aber abrupt stehen und nur an seinem Blick war zu erkennen, wie besorgt und gleichzeitig wütend er war.
Valentin seufzte. Die ganze Situation war äußerst unbefriedigend. Zum Abwarten gezwungen, waren bei allen die Nerven ziemlich angespannt. Juno, die am liebsten einfach drauf losstürmen würde und alles niederstrecken, was sich ihr in den Weg stellte. Tyron, der darauf brannte, endlich das zu tun, wofür er geschaffen wurde – kämpfen! Jay, der sich anscheinend Sorgen um seinen Adler machte. Zu guter Letzt er selbst, Valentin. Der Krieger, der in jeder Situation einen kühlen Kopf bewahrte, aber diesmal große Zweifel hegte. Waren sie zu überstürzt aufgebrochen? Hatten die Freunde zu schnell verlassen? Was gäbe er jetzt darum, mit Thorn und Thunder einen wohl überlegten Plan zu schmieden und in Ruhe entscheiden zu können. Doch es half nichts. Sie waren hier, sie hatten nicht die Unterstützung ihrer amerikanischen Freunde, und sie mussten abwarten, bis Arrow zurückkam.
Gerade als er Juno bitten wollte, sich zurückzuhalten, sah er aus dem Augenwinkel, wie Jay zusammenfuhr, sich die Brust rieb und ein schmerzverzerrtes Gesicht machte.

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