HEROES Jägerherz – Hunter

LESEPROBE:

Stella kauerte hinter dem großen Getränkekühler in der Ecke der Küche. Wortfetzen drangen aus dem Gastraum zu ihr. Die eingeschüchterte Stimme ihrer Tante Donna war kaum zu verstehen, dafür um so mehr die der Schutzgelderpresser. Die junge Frau hatte Angst. Woche für Woche bekam sie mit, wie ihr Onkel Angelo erpresst wurde. Er und seine Frau führten das angesagteste italienische Restaurant in der Stadt. Filmstars gingen ebenso ein und aus, wie einflussreiche Politiker.
Das LA PICCOLA STELLA war jeden Abend brechend voll und ohne vier Wochen im Voraus zu reservieren, hatte man keine Chance einen Tisch zu bekommen.
Donna und Angelo Salazzo hatten sich mit dem Restaurant einen Traum erfüllt und sie arbeiteten hart dafür.
Heute war Ruhetag. Wie jeden Montag wurde gründlich geputzt und gewienert, umdekoriert und Großbestellung aufgegeben. Stella, die ihre Eltern bei einem Autounfall verloren hatte, und Tiermedizin studierte, arbeitete Teilzeit im LA PICCOLA STELLA. Das Restaurant war nach ihr benannt. Der kleine Stern.
Angelo und Donna hatten keine eigenen Kinder und kümmerten sich nach dem tragischen Tod ihrer Eltern rührend um die damals Sechzehnjährige.
Lautes italienisches Palaver war zu hören und dann kreischte Donna schrill.
Die junge Frau hielt den Atem an und zuckte zusammen, als zwei Schüsse fielen. Eine ganze Weile wagte sie nicht, sich zu bewegen. Gefühlte Stunden später, als die schweren Schritte verklungen und alles totenstill war, traute Stella sich hinter ihrem Versteck hervor. Sie atmete tief durch und versuchte ihr Zittern unter Kontrolle zu bekommen.
Vorsichtig setzte sie einen Schritt vor den anderen. Angstvoll schlug ihr Herz hart gegen die Rippen. War diesmal der Streit mit der Schutzgeldmafia eskaliert? Angelo wehrte sich schon so lange gegen diese Bande und musste letztendlich immer schweren Herzens viel Geld bezahlen, damit sein Restaurant und seine Familie verschont blieben.
Zähneknirschend schwor er sich jedes Mal, dagegen aufzubegehren. Donna bat ihn jedoch immer wieder, zu bezahlen. Sie hatte Angst vor dieser Mafia und litt sehr darunter, dass ihr Lebenswerk regelmäßig heimgesucht wurde.

Stella stieß die Tür zum Restaurant auf.
Als ihr Gehirn realisierte, was ihre Augen sofort erfassten, schlug sie sich die Hand vor den Mund, um nicht zu schreien.
Angelo und Donna lagen nebeneinander hinter dem Tresen. Blutverschmiert und mit verrenkten Gliedern. Ihre starren Augen blickten trüb ins Leere.
Die junge Frau rannte zur Toilette, um sich zu übergeben.
Während sie ihren Mageninhalt in die Schüssel entleerte, tropften dicke Tränen aus ihren Augen.
Nun war sie wirklich alleine. Onkel und Tante waren tot. Die beiden waren so herzlich gewesen und sie liebte sie so sehr. Jetzt hatte sie niemanden mehr.
Erschöpft sank sie auf den Fliesenboden und weinte.
*
Storm betätigte die Freisprechanlage in seinem schnittigen Camaro. »Kleines, was gibt es?«, fragte er. Da er gerade erst das Büro verlassen hatte, in dem Ivy noch ein bisschen Papierkram erledigen wollte, musste es etwas Dringendes sein, wenn sie ihn anpiepste.
»He Blondie! Gerade eben kam ein Notruf herein. Du weißt schon … über dieses schlaue Gerät, das uns die Gespräche von den Notsäulen ins Büro leitet.« Ihre Stimme klang ernst.
»Um was geht es denn?« Storm war ganz Ohr. Ivy würde ihn nicht wegen einer Lappalie kontaktieren. Der Computer, der die Notrufe bei den Cops aufzeichnete, war ein ausgeklügeltes System, das ihm und seiner Gefährtin schon mehr als einmal Anlass zum Handeln gegeben hatte.
»Schutzgelderpressung«, war Ivys knappe Antwort.
Das war interessant. Er forderte sie auf, ihm den Mitschnitt des Notrufs zu schicken und versprach ihr, sich sofort um die Details zu kümmern.
Seitdem er und seine Brüder keinen offiziellen Auftraggeber mehr hatten, war das Leben der Männer sehr ruhig geworden. Storm jedoch war ein Krieger. Geschaffen um zu kämpfen und keiner Gefahr aus dem Weg zu gehen. Zusammen mit Ivy, der kleinen Kriegerin aus der Zukunft, wollte er seinem Dasein einen Sinn geben und gründete einen Sicherheitsdienst. Der blonde Hüne besaß als einziger der Männer eine Identität und mietete ein Büro in der City an. Von dort aus bot er Schutzdienst, Gebäudebewachung und diverse andere Dienstleistungen an. Das Geschäft lief gut. Doch die wirklich interessanten Fälle waren die, für die es keinen offiziellen Auftrag gab. Überall da, wo die Cops versagten oder die Dringlichkeit eines Verbrechens schlichtweg unterschätzten, schlugen er und seine Brüder zu.
Gnadenlos hoben sie Drogendealer aus, richteten Kinderschänder und schützten hilflose Personen. Das war etwas, dass dem Leben der Krieger einen Sinn gab. Manch eine Schlagzeile in der Presse war den unbekannten Rächern gewidmet. Das Vermögen, das sie besaßen, ermöglichte es ihnen, im Namen der Gerechtigkeit zu operieren.
Während er den Wagen beschleunigte, tippten seine Finger eifrig auf der Tastatur des Monitors herum. Ja! Das war es, wofür er lebte. Schweinen wie dem chinesischen Mafia-Boss Chan Ko, oder dem Russen Prokojev das Handwerk zu legen, befriedigte ihn zutiefst. Dass er über ein paar außergewöhnliche Fähigkeiten verfügte, machte die ganze Sache natürlich um einiges leichter.
Ein warmes Gefühl machte sich in ihm breit, als er an seine Gefährtin dachte. Ivy gefunden zu haben war das Beste, was ihm passieren konnte. Er liebte diese Frau von ganzem Herzen. Sie hatte seine Zerrissenheit geheilt, den Dämon in seinem Inneren gezähmt und ihn zu einem glücklichen Mann gemacht.
Das große Anwesen kam in Sicht und er drosselte die Geschwindigkeit. Es war ein herrlicher Frühsommertag, und als das Tor aufschwang, sah er, dass Hunter im Garten mit den Kindern tobte.
Es war Leben ins Haus gekommen. Neben Hope waren zwei weitere Kinder geboren worden. Cara und Thorn hatten einen Sohn, dem die beiden in Gedenken an Rock den Namen Rocco gaben. Nur ein paar Monate später erblickte die kleine Maya das Licht der Welt. Thunder und Lilis Baby.
Thunder, der schwarze Riese, hütete seine Tochter wie seinen Augapfel, doch einem guten Kampf für Gerechtigkeit war er nie abgeneigt. Auch wenn er ein zärtlicher Gefährte und Vater war, wer ihn zum Gegner hatte, bekam ein Problem. Storms Partner in so vielen Einsätzen war immer noch ein Mann, den man gerne an seiner Seite wusste, wenn es brenzlig wurde.

Hunter grinste, als Rocco auf ihn zugelaufen kam. Einladend ging er in die Hocke und breitet seine Arme aus. Mit einem Juchzen rannte der Kleine ungelenk auf ihn zu und ließ sich in die starken Arme des Kriegers fallen.
Thorn und Cara sahen von der Terrasse aus zu und lächelten. Es war einfach wunderbar zu sehen, wie Hunter sich um die Kinder sorgte und mit ihnen umging.
»Ist es nicht ein Wunder?«, fragte Cara, während sie sich an Thorn schmiegte.
Der hochgewachsene Mann schlang die Arme um seine Gefährtin und antwortete: »Das ist es in der Tat! Sieh dir unseren Sohn an. Er ist ganz vernarrt in Hunter. Ich bin froh, dass er bei uns geblieben ist. Ich liebe diesen großen, starken Kerl.«
Cara wusste genau, was Thorn damit sagen wollte. Für ihn war Hunter die Reinkarnation seines Bruders und Kampfgefährten Rock, der auf tragische Weise ums Leben kam. Wenn es auch anfangs große Schwierigkeiten mit dem sibirischen Krieger gab, dank Jakes Entwicklung eines Frequenzumwandlers war er keine Gefahr mehr für die Kinder im Haus. Die Technologie machte es Hunter möglich die Geräusche zu ertragen, die ihn noch wenige Monate zuvor ausrasten ließen. Babygeschrei hatte ihm höllische Kopfschmerzen bereitet und bewirkt, dass er völlig von Sinnen war. Hope war dadurch in große Gefahr geraten.
Inzwischen aber waren bereits zwei Jahre vergangen und Hunter war zu einem Familienmitglied und Bruder geworden.

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